Erstellt am 24. August 2011, 00:00

Leben mit Schweinen. LANDWIRTSCHAFT / Der sogenannte „Schweineflüsterer“ Heinz Gerstner lebt in Kulm mit Tier und Mensch im Einklang.

Die Schweine von Heinz Gerstner fühlen sich in seiner Anwesenheit pudelwohl. S. WAGNER  |  NOEN
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VON SARAH WAGNER
KULM / Am Sonnhof, in St. Oswald bei Plankenwart, verwirklicht Heinz Gerstner seine Idee, Menschen und Tiere in der Natur zusammenzubringen. Rund 250 Schweine, Pferde, Enten, Schafe, Hühner, Eseln, Gänse und noch mehr Getier wohnen am Sonnhof, aber auch Jugendliche, die er gemeinsam mit den Tieren wieder in stabiles Leben eingliedern möchte.

Diesen Weg verfolgt Gerstner nun auch in Kulm. Rund 15 Schweine weiden und suhlen sich auf Weiden in der Großgemeinde Eberau. In einem burgenländischen Bauernhaus wohnt Gerstner – der auch in der Steiermark lebt – gemeinsam mit jungen Menschen von der Sigmund Freud-Klinik. Im Rahmen des Projektes „geschütztes Wohnen“ machen die Jugendlichen eine Lehre in biologischer Landwirtschaft. Der Schweinehalter macht sozusagen aus ehemals gewalttätigen Kindern tierliebende und pflichtbewusste Menschen und verwandelt neurotische Jugendliche mit psychischen Störungen in unproblematische Persönlichkeiten. Und das Ganze versucht der Steirer mit dem täglichen Kontakt mit der Natur, denn „der Umgang mit Tieren heilt unsere Seele“, ist Gerstner überzeugt. Auch in Gefängnissen hat Gerstner versucht, seine Art von Problembehandlung umzusetzen. „Man muss den Jugendlichen Ruhe geben und zuhören“, ist der Idealist überzeugt.

Das Schwein steht aber  immer im Vordergrund

 

Das großes Augenmerk liegt dabei aber bei den Schweinen. „Die Tiere sind hochintelligent, reinlich und sehr sensibel“, beschreibt Heinz Gerstner seine Mangalitza, Wald-, Wild- Schwäbisch Hällisch Land-, Turok- und Turopoljeschweine, die nicht in Ställen, sondern auf Weiden artgerecht gehalten werden, was laut Gerstner „die Voraussetzung für den höchsten Genuss“ sei. Außerdem bleiben Gerstners Ferkel länger bei der Muttersau, was dazu führt, dass „sie weniger Stress haben“ und außerdem werden sie später als üblich geschlachtet. Der Schweineliebhaber beschreibt seine Tiere folgendermaßen: „Sie sind höher entwickelt als Hunde. Sie erkennen mein Auto von der Hauptstraße aus.“ Die Tiere fährt Gerstner selbst zum biozertifizierten Schlachter, wo sie einzeln geschlachtet werden und über Slow Food Styria unter der Marke „Manturo“ – MANgalitza und TUROpolje“ vertrieben werden. Heinz Gernstner ist sich ei einem ganz sicher: „Der Mensch ist, was er isst.“