Erstellt am 08. Mai 2013, 00:00

Mai-Brauchtum am Rande der Kriminalität. Mutprobe / Acht Maibäume wurden im Bezirk Güssing umgeschnitten. Für Sachbeschädigung oder Diebstahl sieht Gesetz Strafen vor.

Tatort Neustift bei Güssing. Dort wurde der Maibaum in der Nacht auf Samstag umgesägt und zerstückelt liegen gelassen.  |  NOEN
Von Carina Ganster

BEZIRK GÜSSING / Wollte sich jemand einen Spaß erlauben? War es eine Mutprobe? Oder waren es Leute, die nicht nachdenken? Diese und viele andere Fragen stellen sich derzeit Mitglieder der Feuerwehren in Neustift, Großmürbisch, Reinersdorf, Heiligenbrunn, Güssing, Steinfurt und Deutsch Ehrendorf, kurz überall dort, wo Maibäume umgeschnitten wurden.

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Unbekannte Täter haben zwischen Freitag und Sonntag die mehr als 20 Meter hohen Maibäume umgesägt. Was fest steht ist, dass die Täter sehr professionell gearbeitet haben. „Die haben auf keinen Fall eine Motorsäge benutzt. Wenn sich die Täter nicht ausgekannt hätten, wäre der Maibaum mitten am Dach des Gasthauses gelandet, was glücklicherweise nicht der Fall war“, sagt Großmürbischs Feuerwehrkommandant Christian Magdics.

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Sein Kollege aus Neustift, Johann Sommer, hat am Samstag vom umgeschnittenen Maibaum in der Ortschaft erfahren. „Bei uns haben sie den Baum gleich zerstückelt. Natürlich war der Ärger groß, aber mittlerweile denke ich mir, die haben uns eine Arbeit weggenommen. Wir haben ohnehin schon beim Aufstellen gefeiert.“ Etwas größer ist der Ärger in Heiligenbrunn. „Traurig, wenn man nicht einmal den Brauch kennt. Noch dazu hat der Baum die Ausfahrt des Feuerwehrhauses blockiert. Also liebe ,nicht brauchtumskennende Baumumschneider‘: Ein bisschen nachdenken, denn im Ernstfall zählt jede Sekunde“, lässt Heiligenbrunns Feuerwehrkommandant Walter Schmidt den Tätern via BVZ ausrichten.

Auch in Steinfurt ist die Wut auf die unbekannten Täter groß. Dort wurden gleich zwei Maibäume umgesägt. „Bei uns ist es Tradition, wenn es Schwangere in der Ortschaft gibt, dass den werdenden Eltern Maibäume aufgestellt werden. Leider wurden auch diese umgesägt. Die Polizei war schon da, weil aber kein Schaden entstanden ist, sind der Exekutive die Hände gebunden“, erklärt Bürgermeister Bernhard Deutsch. Das weiß auch Bezirkspolizeikommandant Ewald Dragosits, der die komplexe Sachlage erklärt: „Strafrechtlich verurteilt werden können die Täter nur, wenn Sachschaden entsteht. Wenn also keiner einen solchen meldet, passiert nichts. Anders wäre es, wenn Gebäude oder sogar Menschen geschädigt werden, da kann es zu hohen Strafen kommen.“ Ob es sich um einen Streich handelt, bleibt also offen. „Heute sind die Grenzen zwischen Streich und Vandalismus aber fließend. Kritisch wird es, wenn jemand ernsthaft gefährdet wird. Dann führt an der Strafverfolgung sicher kein Weg vorbei“, sagt Dragosits.

Das Ansägen oder Stehlen von Maibäumen in der Nacht auf den 1. oder 2. Mai zählt zum Brauchtum. Oft sind es Burschenschaften, die nachts einem Maibaum mit der Säge zu Leibe rückten. Wird der Maibaum gestohlen, gehörte es zum Brauch, sich zum Diebstahl zu bekennen und dem Besitzer die Möglichkeit zu geben, den Baum auszulösen.