Erstellt am 01. Juni 2011, 00:00

Nur ein harmloser Flirt?. LÄSTIG / 19-jähriger Lehrling soll 16-jährige Schülerin ins Auto gezerrt und begrapscht haben. Richterin holt Gutachten ein.

BEZIRK GÜSSING / Fortgesetzt wurde vorige Woche der Prozess gegen jenen 19-jährigen Lehrling aus dem Bezirk Güssing, dem von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt vorgeworfen wird, am 18. Oktober 2010 im Bezirk Oberwart eine 16-jährige Schülerin in sein Auto gezerrt, dieses versperrt und die Jugendliche sexuell belästigt zu haben. Der Lehrling bekannte sich nicht schuldig. Das Mädchen habe sich freiwillig zu ihm ins Auto gesetzt.

Das mutmaßliche Opfer war kurz nach dem Vorfall mit zwei Freundinnen zum Direktor jener Berufsschule gegangen, die der 19-Jährige besucht. „Sie erzählte, dass sie von dem Schüler telefonisch belästigt wird und dass es einen Vorfall am Wochenende gab. Ich sah, dass Angst da ist“, erklärte der Schuldirektor als Zeuge vor Gericht. Er habe an Stalking gedacht und den Mädchen empfohlen, zur Polizei zu gehen.

Nach diesem Gespräch berichtete der beschuldigte Schüler dem stellvertretenden Direktor der Berufsschule, was am 18. Oktober 2010 passiert war. „Er erzählte auch, dass er sie nicht aus dem Auto hinaus ließ und dass er sie an der Brust und zwischen den Beinen berührte und sie küssen wollte.“

Einvernommen wurde in der Vorwoche jene 16-jährige Schülerin, mit der das mutmaßliche Opfer telefoniert hatte. „Sie war schon recht fertig und sagte, sie sei im Auto und er lasse sie nicht hinaus“, berichtete die Zeugin. „Sie sagte, er lässt sie erst hinaus, wenn sie ihm ein Bussl und meine Telefonnummer gibt.“

In einer auf Video aufgenommenen Aussage sagte die betroffene Schülerin selbst, sie habe den 19-Jährigen zuvor gar nicht gekannt, als er sie plötzlich anrief und SMS schickte. Unter einem Vorwand habe er sie am 18. Oktober vor ihr Elternhaus gelockt, sei zudringlich geworden und da habe sie sich mit einer Ohrfeige gewehrt. Er habe zurückgeschlagen, sie ins Auto gezerrt und dieses versperrt. Zehn bis fünfzehn Mal habe er versucht, sie zu „begrapschen“, erst nach eineinhalb Stunden habe er sie freigelassen.

Richterin Dr. Andrea Rosensteiner will ein psychologisches Gutachten über den jungen Mann einholen lassen und vertagte den Prozess. Der Lehrling hatte bereits einmal wegen eines Stalking-Falls mit dem Gericht zu tun gehabt.