Erstellt am 31. August 2011, 00:00

Pizzeriachef wurde verurteilt. VERFAHREN / Pizzeriachef verlor Arbeitsrechtsprozess und muss 8.500 Euro zahlen. Eine Zeugin, die er mundtot machen wollte, hatte sich nicht einschüchtern lassen.

JENNERSDORF / Mit laut Arbeiterkammer skrupellosen Tricks wollte der Inhaber einer Pizzeria in Jennersdorf den Arbeitsrechtsprozess gegen seine ehemalige Kellnerin gewinnen. Erfolglos, er muss ihr 8.500 Euro nachzahlen. Eine Zeugin, die er mit einer strafrechtlichen Anzeige mundtot machen wollte, hatte sich nicht einschüchtern lassen. „Nicht der erste Fall“, warnt die Arbeiterkammer Burgenland.

„Wir beobachten, dass Arbeitgeber immer öfter Psychoterror ausüben, um ihre Beschäftigten einzuschüchtern und das Recht auf ihre Seite zu bekommen“, kritisiert AK-Präsident Alfred Schreiner.

Die Vorgeschichte: Groß war der Schock bei Melinda K., als sie eine Vorladung zur Polizei erhielt. Die Frau hatte kürzlich in einem Prozess die Angaben ihrer Kollegin Esther M. bestätigt. Die beiden Kellnerinnen waren in einer Jennersdorfer Pizzeria beschäftigt. Die ungarische Kollegin von Melinda K. war dort von August 2007 bis Oktober 2009 als 40-Stundenkraft tätig. Sie war aber nur für zwölf beziehungsweise 15 Stunden angemeldet, bekam weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, hatte 55 offene Urlaubstage und erhielt nur 900 Euro Gehalt. Aus Angst wandte sie sich erst nach langem Zögern an die Arbeiterkammer.

„Die Frau wusste über ihre Rechte nicht Bescheid. Wir haben ihr erklärt, was ihr zusteht und sie dann vor Gericht vertreten. Ihr Exchef versuchte daraufhin mit allen Mitteln, sie und die Zeugin Melinda K. einzuschüchtern und das Verfahren zu verzögern“, sagt Christian Drobits von der AK Burgenland. Durch den Prozess kam ans Tageslicht, dass auch die Zeugin Melinda K. in der Pizzeria ausgebeutet worden war. Daraus hat sich nun ein eigenes Verfahren entwickelt.

„Das dürfte den Exchef so erzürnt haben, dass er sie wegen Falschaussage bei Gericht angezeigt hat“, sagt Drobits. Für Melinda K. hatte das Erstgericht bereits ein positives Urteil verkündet, der Arbeitgeber ging in Berufung. Melinda K. lässt sich nicht „mürbe machen“ und wird sich durch das Berufungsgericht kämpfen. Die Arbeiterkammer Burgenland vertritt sie weiterhin durch alle Instanzen.