Erstellt am 30. Mai 2012, 13:07

Prozess um getöteten Biker - Geldstrafe für Autofahrerin. Ein laut Staatsanwältin Beatrix Resatz "besonderer Einzelfall" ist am Mittwoch zum zweiten Mal am Eisenstädter Landesgericht verhandelt worden.

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 Im März 2011 kollidierte ein mutmaßliches Einbrecherduo in Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) mit einem Biker. Die zwei Ungarn ließen den Verletzten zurück und flüchteten. Eine mittlerweile 21-jährige Autofahrerin überrollte den am Boden liegenden Mann, der Motorradfahrer starb. Die Südburgenländerin wurde nun wegen fahrlässiger Tötung zu einer teilbedingten Geldstrafe in der Höhe von 4.500 Euro rechtskräftig verurteilt. Die beiden Ungarn erschienen nicht.

Am 31. März 2011 soll das Duo nach einem Einbruch im Südburgenland den Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen ausgelöst haben. Der von einem 25-Jährigen gelenkte Pkw kollidierte mit dem 33-jährigen Biker. Der Ungar fuhr danach mit seinem 23-jährigen Beifahrer davon. Die Frau befand sich auf dem Heimweg, als das folgende Unglück geschah: Der Wagen der beiden Ungarn hätte sie geblendet, sie habe bemerkt, dass etwas auf der Straße liege, gebremst und wollte ausweichen, gab sie bei der ersten Verhandlung am 28. März zu Protokoll. Das Ausweichmanöver klappte allerdings nicht, sie überrollte den Verletzten.

Bei der fortgesetzten Hauptverhandlung am Mittwoch musste Richterin Gabriele Nemeskeri zunächst feststellen, dass die beiden weiteren Angeklagten, das mutmaßlich kriminelle Duo, nicht gekommen waren. Sie wurden aus dem Verfahren ausgeschieden und müssen sich nun separat verantworten.

Im Mittelpunkt standen somit die Ausführungen des Sachverständigen, der seine Berechnungen darlegte, ob und wie es eine Blendung geben und inwiefern es zu einer Verhinderung des Unfalls der 21-Jährigen hätte kommen können. Staatsanwältin Resatz fasste schließlich zusammen, dass selbst wenn sie sich nur geblendet gefühlt hätte, sie anders reagieren und stärker hätte bremsen müssen. An dem tödlichen Ausgang des Unfalls treffe die Südburgenländerin zwar "jedenfalls ein Verschulden, aber sicherlich kein allzu schweres Verschulden", so die Staatsanwältin.

Sowohl sie als auch der Verteidiger baten um ein mildes Urteil. Seine Mandantin sei "zum falschen Zeitpunkt ums Euzerl am falschen Ort" gewesen und habe "ums Euzerl nicht perfekt reagiert", erklärte Anwalt Herbert Lienhart.

Richterin Nemeskeri berücksichtigte, dass die Angeklagte zum Unfallzeitpunkt unter 21 Jahre alt war sowie ihren ordentlichen Lebenswandel und ihre Unbescholtenheit. Die Südburgenländerin, die bereits bei der ersten Verhandlung ein Tatsachengeständnis abgelegt hatte, nahm das Urteil - 2.250 Euro Geldstrafe unbedingt bei einer Probezeit von drei Jahren - unter Tränen an. Die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel.