Erstellt am 15. August 2012, 00:00

Rettungsleute bedroht. CHOLERISCH / Der Abtransport seiner kranken Gattin ging einem Pensionisten nicht schnell genug, er soll die Rettungskräfte bedroht haben: ein Monat auf Bewährung.

BEZIRK GÜSSING /  Mit neongelber Rettungsweste, Handy-Headset und Aktenkoffer stürmte der beschuldigte 64-jährige Pensionist am Montagmorgen in den Verhandlungssaal. „Ich weiß nicht, ob Sie es wissen: Die Gattin ist erst kürzlich verstorben. Ich musste mich um den Hund kümmern.“

Um die mittlerweile verstorbene Ehefrau ging es bei jenem Vorfall, der dem Pensionisten ein Gerichtsverfahren wegen gefährlicher Drohung eingebracht hat.

Am 3. März dieses Jahres hatte sich der Gesundheitszustand der Frau verschlechtert; sie litt unter Herzproblemen und Diabetes. Kurz vor Mitternacht wurde die Rettung gerufen.

„Es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis die Rettung eintraf“, beschwerte sich der Beschuldigte. Auf die Frage nach einem Einweisungs- und Transportschein reagierte er unwirsch und fragte die Rot-Kreuz-Mitarbeiter, ob man sich mit solchen administrativen Dingen aufhalten müsse.

„Dabei ist das eine Routinefrage“, erklärte jener Rot-Kreuz-Helfer, der damals als Zivildiener bei dem Einsatz dabei war. Der Pensionist hielt dem Rettungsfahrer und seinem Kollegen vor, sie hätten den Abtransport seiner Gattin zu langsam, ja geradezu „gemütlich“ durchgeführt. „Dass ich sie A… nannte, stimmt aber nicht“, sagte er vor Gericht aus. „Ich habe den Rettungsfahrer gefragt, wie er heißt, damit ich mich über ihn beschweren kann, und habe ihn einige Male fotografiert“, erklärte der Beschuldigte.

Seine 30 Zentimeter lange Taschenlampe habe er nicht hervorgeholt, um die Rot-Kreuz-Mitarbeiter zu bedrohen, sondern um ihnen auf der dunklen Außentreppe zu leuchten.

Hingegen sagten die Rettungsleute aus, der Pensionist habe mit der Taschenlampe „aufgerieben“ und gerufen: „Wenn ihr nicht sofort verschwindet, dann erschlage ich euch!“

„Warum lügen Sie permanent?“, fragte der Beschuldigte sowohl die Rot-Kreuz-Mitarbeiter als auch den Polizisten, der den Pensionisten in der Polizeiinspektion Güssing befragen wollte: „Er schrie herum, wobei ‚Steuergeldverschwendung‘ noch der schwächste Ausdruck war, und schlug mit der Faust auf den Tisch“, berichtete der Polizist vor Gericht.

Vom benachbarten Bezirksgericht habe man sich damals sogar erkundigt, warum es bei der Polizei so laut zuging.

Richterin Mag. Karin Knöchl verurteilte den Beschuldigten zu einem Monat Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Ich sehe das so, dass Sie hektisch waren, weil Sie sich Sorgen um Ihre Gattin machten“, erläuterte sie das Urteil. Der Pensionist kündigte gegen das Urteil Berufung an.