Erstellt am 09. Oktober 2012, 15:57

Sensation: Knor ist Stadtchef. SPÖ-Spitzenkandidat Vinenz Knor erobert mit einem Erdrutschsieg den Bürgermeistersessel und die absolute Mehrheit in Güssing. In der ÖVP versteht man die Welt nicht mehr.

Strahlender Sieger. Güssings neuer Bürgermeister heißt Vinzenz Knor. Als erste Gratulanten stellte sich die Familie ein: »Ich habe mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Aber nicht mit so einem deutlichen Ergebnis.«  |  NOEN, Foto: Lexi
Von Michael Pekovics

Güssing war die Sensation des Wahltages. Die bisher ÖVP-dominierte Bezirkshauptstadt hat mit Vinzenz Knor den ersten sozialdemokratischen Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg. Knor konnte den Erfolg im ersten Moment selbst kaum glauben: „Die ersten Ergebnisse aus den Ortsteilen waren vielversprechend. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt aber nie mit einem derart klaren Ergebnis gerechnet“, erzählt Knor.

Ebenso überrascht vom Ausgang war ÖVP-Spitzenkandidat Joachim Wolf. „Eine enttäuschende Niederlage, auch für mich persönlich. Das war eine eindeutige Absage gegen die ÖVP und meine Person.“ Über mögliche Konsequenzen wird die Stadtpartei in einer Sitzung heute, Mittwoch, beraten. Für Noch-Bürgermeister Peter Vadasz (ÖVP) ist aber klar: „Wir werden uns jetzt einmal konsolidieren und darauf schauen, was die SPÖ als Mehrheitspartei macht.“

Knor plant Kassensturz und weitere Aktionen

Knor will jetzt keine Zeit verstreichen lassen und hat bereits mehrere Dinge geplant. So sollen bereits in den nächsten Tagen im Zuge einer „Woche der kleinen Ärgernisse“ kleinere Vorhaben, wie etwa die Reparatur von Straßenlampen, umgesetzt werden. Der Wahlsieger denkt aber bereits weiter: „Das Wichtigste für die Stadt ist jetzt einmal ein Kassenstrutz, um zu wissen, welche finanziellen Möglichkeiten wir überhaupt haben. Anschließend wollen wir gemeinsam mit Experten Einsparungsmöglichkeiten erötern und dann natürlich die Bevölkerung über den Ist-Stand informieren“, sagt Knor. „Erst dann ist es möglich, eine Prioriätenliste zu erstellen und ein Projekt nach dem anderen langsam zu realisieren.“

Angesprochen auf das künftige Vorgehen der Gemeinde in der Causa Aktivpark meint Knor: „Wir müssen nach Möglichkeit zurück zum Start, die Geschichte entwickelt sich aufgrund der von Vadasz unterzeichneten Knebelverträge zu einem gordischen Knoten. Ich hoffe, dass uns dieser Neustart gelingt. Das wäre wichtig für die Stadt, die Region und natürlich auch für die zahlreichen Vereine der Stadt, die den Aktivpark nutzen.“

Zitiert:

„Das ist eine Sensation, ein politisches Erdbeben. Zuerst habe ich gar glauben können, dass wir auch noch die absolute Mehrheit erreicht haben.“
SPÖ-Spitzenkandidat Vinzenz Knor

„Die SPÖ hat nicht gewonnen, sondern die ÖVP verloren. Das Ergebnis ist eine eindeutige Absage gegen die ÖVP und meine Person.“
ÖVP-Spitzenkandidat Joachim Wolf

„Ein niederschmetterndes Ergebnis, ein historisches Debakel der Güssinger ÖVP. Die SPÖ war mindestens so überrascht vom Erfolg wie wir von unserer Niederlage.“
ÖVP-Bürgermeister Peter Vadasz

„Wir haben es leider nicht geschafft und unser Ziel, den Einzug in den Gemeinderat, verfehlt. Aber ich muss sagen, der Wahlkampf war fair und sehr korrekt – eine Zusammenarbeit mit Vinzenz Knor hätte ich mir gut vorstellen können.“
FPÖ-Kandidat Christian Dragosits

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