Erstellt am 18. Mai 2011, 00:00

Stiche und Schüsse im Nachtclub: Täter verurteilt. PROZESS / Kellner wollte Prostituierte schützen und wurde selbst zur Zielscheibe: Frustrierter Liebhaber stach zu, Sohn schoss. Beide Männer zu Haftstrafen verurteilt.

Der 52-jährige Hauptangeklagte wurde wegen versuchten Totschlags zu sechs Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab aber noch keine Erklärung ab. KIRCHMEIR  |  NOEN
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WÖRTERBERG/EISENSTADT / Die blutigen Ereignisse im Bordell „Blue Night“ in Wörterberg in der Nacht von 4. auf 5. Juni 2010 wurden im Schwurgerichtssaal des Eisenstädter Landesgerichtes minutiös aufgerollt. Zwei Männer, Vater und Sohn, mussten sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Beide Männer sind bzw. waren selbst in der Rotlicht-Szene tätig. Der 52-jährige Hauptangeklagte, der laut eigenen Angaben von der Notstandshilfe lebt, wurde wegen diverser Delikte bereits 13-mal verurteilt, sein 27-jähriger Sohn, Besitzer eines Nachtlokals, weist eine Vorstrafe auf.

Prostituierte wollte sich  von ihrem Freund trennen

Eifersucht dürfte der Auslöser für die Bluttaten am 4. Juni 2010 im „Blue Night“ gewesen sein. Der 52-jährige Notstandshilfebezieher war mit einer 28-jährigen Prostituierten liiert, die im „Blue Night“ ihrer Arbeit nachging. Sie habe sich von dem Mann trennen wollen, gab die Frau an.

Ihr Ex-Freund betrank sich nach einem Streit am 4. Juni abends in Stegersbach, besorgte sich dann in der Wohnung seiner Ex-Frau eine Pistole und fuhr trotz seiner Alkoholisierung in Richtung Wörterberg. Sein 27-jähriger Sohn setzte sich ebenfalls ins Auto und fuhr dem Vater hinterher. Am Parkplatz vor dem Bordell trafen die beiden aufeinander: „Bist deppat! Was tust mit der Waff‘n?“, habe er den Vater gefragt, so der Sohn. „Ich riss ihm die Pistole aus der Hand und steckte sie ein.“

Kurz zuvor hatte die 27-jährige Prostituierte im „Blue Night“ dem dort erst seit Anfang Juni 2010 tätigen 55-jährigen Kellner von ihren Problemen mit ihrem Ex-Freund erzählt. „Sie hatte Angst, dass etwas passiert. Ich sagte: Ich sperre dich ins Getränkelager und rede mit ihm“, so der Kellner vor Gericht.

Liebhaber schrie: „Wo  ist meine Alte?“

Wenig später tauchte der wütende Liebhaber auf und schrie: „Wo ist meine Alte?“ Der Kellner antwortete: „Sie ist nicht hier!“ Der 52-Jährige durchsuchte das Bordell und kam dann zurück in die Bar. Was dort passierte, wird unterschiedlich geschildert: Der mittlerweile eingetroffene Sohn will nur gesehen haben, dass sein Vater dem Kellner mit beiden Armen eine „Tschinelle“ verpasste. Der Kellner hingegen sagt, dass sein Kontrahent ein Messer zückte und ihn in den Hals stach. „Das Blut rann richtig runter!“, so der Kellner vor Gericht.

Er habe sich ins Freie gerettet. „Da hörte ich drinnen jemanden schreien: Hilft mir niemand?“, so der Kellner. „Für mich war klar: Mein Leben ist vorbei. Deshalb bin ich noch einmal hinein.“

Kellner bewaffnete sich  mit Baseballschläger

Er suchte den Baseballschläger, den der Bordellbesitzer für den Notfall im Lokal deponiert hatte, und traf damit auf den 52-Jährigen. „Dreimal habe ich auf ihn eingeschlagen, vielleicht ein viertes Mal“, so der Kellner. Das Messer, das der 52-Jährige gezückt hatte, sei davongeflogen. Dann sei er zurückgetreten: „Ich schaute, dass er sich nicht rührt“, so der Kellner.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass der 27-jährige Sohn seines Kontrahenten die Bar betreten hatte. „Er nahm die Pistole in beide Hände und drückte ab“, so der Kellner. Er hatte Glück: Der Schuss durchdrang die Bauchdecke, traf aber keine Organe.

Der 27-Jährige ließ die beiden Verletzten liegen und ergriff die Flucht. Vor der Polizei leugnete er zunächst jede Beteiligung: „Ich hatte mit der ganzen Sache nichts zu tun. Warum sollte ich ins Gefängnis gehen?“

Angeklagte verteidigten sich:  „Es war Notwehr!“

Beide Männer bekannten sich zum Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig, bestritten aber jegliche Mordabsicht. „Es war Notwehr. Er dachte nie daran, den Kellner umzubringen“, erklärte Dr. Peter Philipp, der Verteidiger des Hauptangeklagten. Als der Sohn schoss, sei der Kellner gerade mit dem Baseballschläger auf seinen Vater losgegangen, argumentierte Dr. Rudolf Mayer als Verteidiger des Junior. Der Sohn habe den Vater beschützen wollen.

Die Geschworenen kamen nach langer Beratung zu dem Schluss, dass es sich in beiden Fällen nicht um Mordversuch handelte. Am zweiten Verhandlungstag, dem 12. Mai 2011, wurde gegen Mitternacht das Urteil verkündet.

Der Vater muss wegen versuchten Totschlags sechs Jahre lang ins Gefängnis, sein Sohn wurde wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu einem Jahr Haft verurteilt.

Da er in der U-Haft elf Monate abgesessen hatte, wurde der Sohn nach dem Prozess enthaftet. Sein Urteil ist rechtskräftig. Zur Verurteilung des Vaters gab Staatsanwalt Mag. Roland Koch noch keine Erklärung ab.