Erstellt am 21. Januar 2015, 09:45

von Elisabeth Kirchmeir

Erntearbeiter wie Tiere behandelt?. Erntearbeiter sollen von Inhaber und Mitarbeitern eines Gemüseanbauunternehmens ausgebeutet worden sein.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka
Ausgebeutet und ausgenutzt sollen ungarische und rumänische Erntearbeiter im Sommer 2013 in einem südburgenländischen Gemüseanbaubetrieb worden sein.

Dem Inhaber des Unternehmens, dem Produktionsleiter und einer weiteren Mitarbeiter wird nun von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sie hätten sich des Verbrechens des Menschenhandels strafbar gemacht.

Am Montag dieser Woche begann der Prozess mit der ausführlichen Befragung der Angeklagten.

Zimmer mit Mäusekot verunreinigt?

Zuvor schilderte Staatsanwältin Beatrix Resatz die Zustände, die im Gemüseanbaubetrieb geherrscht haben sollen. Die Erntehelfer sollen unter menschenunwürdigen Bedingungen in Containern und in einem Nebenraum der Arbeitshalle untergebracht gewesen sein. Die Duschen funktionierten nur teilweise, die Zimmer sollen mit Mäusekot verunreinigt gewesen sein.

Für Akkordarbeiten sollen die Arbeiter weit unter den tariflichen Mindeststandards entlohnt worden sein, gleichzeitig wurden ihnen Beträge für die Unterkunft, für Arbeitskleidung, Werkzeug und administrative Arbeiten abgezogen.

Die gesetzlich festgelegte Arbeitszeit soll weit überschritten worden sein; teilweise sollen die Arbeiter bis in die Nacht hinein gearbeitet haben, ohne dass die Felder ausreichend beleuchtet wurden. „Wir wurden wie Tiere behandelt“, sollen sich die Erntearbeiter beschwert haben.

Erntehelfer bedroht und beschimpft

Vom angeklagten Produktionsleiter sollen sie beschimpft und angeschrien worden sein. Er soll ihnen gedroht haben, dass sie sofort ohne Entlohnung entlassen werden, wenn sie sich beschweren würden.

In der Zwischenzeit gab es übrigens zivilrechtlich Generalvergleiche: Die Gemüseanbaufirma musste rund 30.000 Euro an die Erntehelfer auszahlen, die sich an die Gewerkschaft und die Arbeiterkammer gewandt hatten.

Verteidiger Gerald Ganzger brachte vor, dass die Wohncontainer, die den Erntehelfern als Unterkunft dienten, im Stift Heiligenkreuz für Priesterstudenten verwendet worden seien. Alle drei Angeklagten bekannten sich nicht schuldig.

Zur Überraschung der Richterin und der Staatsanwältin behauptete der Produktionsleiter im Rahmen des Prozesses erstmals, nicht der angeklagte Inhaber, sondern der Lebensgefährte von dessen Schwester habe im Betrieb das Sagen gehabt. Bei seiner Aussage vor der Polizei habe er ihn schützen wollen.

Angeklagter: „Hatte den Druck von oben“

Der Inhaber, auf dessen Namen der Gemüseanbau lief, bekam weder Geld aus dem Unternehmen, noch hatte er Zugriff auf das Bankkonto. „Warum haben Sie diese Aufgabe überhaupt übernommen?“, wunderte sich Richterin Karin Lückl.

„Weil ich damit aufgewachsen bin“, antwortet der Angeklagte, ein 35-jähriger Akademiker, der hauptberuflich beim Bundesheer tätig ist. Seine Mutter ist mit dem angeklagten Produktionsleiter liiert.

Dieser sagte aus: „Ich hatte den Druck von oben. Wir schafften nie die Menge, die wir schaffen sollten.“ Pro Stunde sei den Erntearbeitern ein Grundgehalt von vier Euro bezahlt worden. Im Akkord habe es zehn Cent pro Zwiebelbund gegeben.

Der Prozess wurde nach Redaktionsschluss der BVZ-Printausgabe fortgesetzt.