Erstellt am 08. Juni 2011, 00:00

TV-Bauer sucht Ausrede. ILLEGAL / Statt Äpfel zu ernten, lenkte ein rumänischer Arbeiter eine Planierwalze und wurde dabei schwer verletzt. Vor Gericht stehen nun Auftraggeber und Schwester.

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KUKMIRN / Als am 5. September 2010 am Anwesen des Apfelbauern ein rumänischer Arbeiter schwer verletzt wurde, stand dessen Arbeitgeber im Mittelpunkt der ATV-Show „Bauer sucht Frau“. „Der Unfall war für die Medien ein gefundenes Fressen“, erklärte die Verteidigerin des 43-jährigen Landwirtes und dessen 48-jähriger Schwester.

Weil „der persönliche Lebensbereich“ der Beschuldigten „gefährdet sei“, wollte die Verteidigerin beim Prozess die Öffentlichkeit ausschließen lassen. „Es hat Ihnen keiner angeschafft, sich bei einer TV-Serie zu bewerben“, wies Richter Dr. Wolfgang Rauter den Antrag ab. Außerdem sei der Ausschluss der Öffentlichkeit als Schutz der Opfer gedacht, nicht der Täter.

Landwirt und Erntehelfer widersprachen sich
Schuldig bekannten sich beide nicht. „Aus moralischer und menschlicher Sicht mag das Verhalten der Angeklagten nicht immer korrekt gewesen sein. Das heißt aber nicht, dass die Vorwürfe strafrechtlich relevant sind“, meinte die Verteidigerin und plädierte auf Freispruch. Der Rumäne war bereits am 3. September 2010 mit 30 weiteren Hilfskräften auf dem Hof eingetroffen. „Ich brauchte Platz für die Kisten“, versuchte der Landwirt zu erklären, warum er dem Erntehelfer auftrug, eine Fläche zu planieren. Er habe ihm allerdings nie aufgetragen, mit der Walze zu fahren. Dem widersprach der Arbeiter: „Der Bauer gab mir den Auftrag, mit der Walze zu arbeiten. Er nahm sie in Betrieb und machte mich mit dem Gerät vertraut.“

Drei Tage habe er mit der Walze gearbeitet, bis es zu dem Unfall kam. Der Arbeiter kippte mit der Walze einen Abhang hinunter und blieb schwer verletzt liegen: „Ich wusste, dass ich nicht aufstehen konnte.“ Von einer Terrasse beobachteten Gäste, wie der Verletzte auf eine Wiese gelegt wurde. „Danach passierte lange nichts“, erklärte eine Zeugin. Erst nach einer halben Stunde sei der Verletzte mit einem Kastenwagen abtransportiert worden - nicht mit der Rettung.

Endstadtion war auf einem  Parkplatz in Ungarn
„Er wollte unbedingt nach Ungarn ins Spital“, so der Bauer. Daher habe er nicht die Rettung gerufen. „Ich wusste nicht, wo man mich hinbringt“, widersprach der Rumäne. Während des Transports auf der Ladefläche des Lieferwagens habe er große Schmerzen gehabt.

Endstation war ein Parkplatz bei der ungarischen Grenze. Bei der Polizei gab der Mann zu Protokoll: „Ich hatte Angst, dass sie mich im Wald verrecken lassen.“

Das passierte nicht, denn Freunde des Verletzten übernahmen den Mann und brachten ihn in Ungarn ins Spital. Für den Aufenthalt dort sollte der Rumäne 7.000 Euro zahlen - diesen Betrag wird wohl die burgenländische Gebietskrankenkasse begleichen, bei der der Rumäne von der Schwester des Landwirts kurz nach dem Unfall mit einem fingierten Arbeitsbeginn angemeldet wurde. „Die verspätete Meldung ist ein Gesetzesverstoß“, stellte eine Vertreterin der Gebietskrankenkasse klar.

Rumäne leidet noch immer an den Folgen des Unfalls
Der Rumäne leidet noch immer unter den Unfallfolgen. Nach einer Operation ist ein Bein um rund zwei Zentimeter kürzer als das andere. Sein Anwalt forderte vorerst 1.000 Euro Schmerzensgeld, die endgültige Summe werde wohl im Rahmen eines Zivilprozesses festgelegt. Der Schwester des Landwirtes wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Sie soll nach dem Unfall versucht haben, Zeugen zu einer Falschaussage zu bewegen. Die Verhandlung wurde vertagt.