Erstellt am 29. Februar 2012, 00:00

„Von Autarkie war nie die Rede“. ERNEUERBARE ENERGIE / Arnie-Besuch brachte für Güssing nicht nur Lob sondern auch Kritik. Bürgermeister Peter Vadasz wehrt sich: „Die totale Autarkie wird es nie geben.“

In Güssing wird der Schwarzenegger-Besuch vermarktet. So wurde eine „Diaschow“ des Auftritts von Schwarzenegger präsentiert. Paul Deutsch (r.), bekannt als „Arnie Double“ von Güssing, führte mit „Musik und Action“ durch das Programm. Unterstützt wurde er auch von Vize Gilbert Lang, Stadtchef Vadasz und Karlheinz Fuchs. LEXI  |  NOEN
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VON SARAH BAUMGARTNER

GÜSSING / Nach dem Besuch von Arnold Schwarzenegger im Jänner wurden kritische Stimmen laut, die das Energie-Modell von Güssing anzweifeln beziehungsweise als „scheinheilig“ betrachten. Aussagen wie „Energieautarkie in Güssing: Mehr Schein als Sein?“ oder „Mehr Schein als Sein im Ökoland“  waren in diversen Printmedien zu lesen. Der Vorwurf lautet: Die Stadt vermarkte sich als energieautark, als unabhängig von Strom, Wärme, Kraftstoffen und Energieversorgern, obwohl dies gar nicht stimme.

„Totale Autarkie wird es nie  geben: Industrie braucht Öl“

Bürgermeister Peter Vadasz will diese Vorwürfe gar nicht bestreiten, denn: „Ich habe das Wort ‚energieautark‘ nie in den Mund genommen. Das verwenden andere – sowohl Sympathisanten als auch Kritiker.“ Und er geht noch weiter: „Eine totale Autarkie wird es nie geben, weil die Schwerindustrie immer Öl brauchen wird und wir ohne Öl und Gas nie auskommen werden.“ Vadasz erläutert, warum Arnold Schwarzenegger Güssing als Vorbild für die Welt bezeichnet hat: „Dass die Stadt Güssing weltweit bekannt ist, beruht auf der Tatsache, dass wir einen Großteil unserer Energie aus erneuerbaren Rohstoffen produzieren. Das Nachahmenswerte für viele Regionen ist die Technologie, die hier in Güssing und an der Technischen Universität Wien entwickelt wird. Und sollte eine Kommune oder eine Region einmal mehr als zwanzig Prozent ihrer benötigten Energie aus eigenen nachwachsenden Rohstoffen erzeugen können, dann ist das schon ein Riesenfortschritt.“ Vadasz bringt es auf den Punkt: „Es geht darum, ein Ziel zu erreichen und das heißt: 30 bis 50 Prozent des Energieverbrauchs einer Region kommen aus erneuerbaren Rohstoffen.“

Güssing gewinnt derzeit nahezu 85 Prozent des Wärmebedarfs für Haushalte und der Industrie aus erneuerbarer Energie. Beim Stromverbrauch liegt Güssing laut Vadasz noch besser: 200 Prozent des Strombedarfs der 4.000 Einwohnerstadt werden derzeit erzeugt. Aber: „Privat verkaufen dürfen wir es nicht, sondern nur ins Netz des Verbundes einspeisen. Wir hoffen aber, dass wir Strom in Zukunft auch an Private und an die Industrie verkaufen können“, so der Stadtchef. Vadasz betont aber auch, dass die Technologie der Kraftstoffproduktion „noch nicht sehr weit ist. Da sind wir noch am Anfang“. Mit der Erdgasanlage werden derzeit pro Jahr rund 800 Tonnen Treibstoff erzeugt..

CO?-Ausstoß liegt immer  noch bei rund 30.000 Tonnen

Auch wenn der Stadt vorgeworfen wird, dass der CO?-Ausstoß im Jahr 2008 noch bei 25.000 Tonnen lag, sind das laut Vadasz weniger als vor dem Entstehen des Modells Güssing: „Wir konnten den Ausstoß im Vergleich zu früher massiv senken. Früher waren es bis zu 70.000 Tonnen, heute sind es nur mehr maximal 30.000 Tonnen.“

Unumstritten ist, dass das Thema Energie aus erneuerbaren Rohstoffen nicht nur in Güssing zu einem wichtigen Faktor geworden ist. Die im Südburgenland entwickelte Technologie wird bereits in Deutschland, Schweden, Großbritannien, Japan, Irak und anderen Ländern auf der ganzen Welt nachgebaut.

Mit einem Brief an Bürgermeister Peter Vadasz bedankte sich Arnold Schwarzenegger für den netten Empfang mit den vielen Fans in Güssing. Auch die Stadtkapelle und das wunderbare Essen mit Schnitzel und „Kaiserschmarrn“ sowie den burgenländischen Wein hat er sehr genossen. In dem Schreiben erwähnt er weiters, dass der Besuch einen äußerst positiven Eindruck bei ihm hinterlassen hat und er sich bewusst ist, welche Medienaufmerksamkeit Güssing dadurch bekommen hat. Am Ende bedankt sich Arnold Schwarzenegger bei Vadasz für dessen Freundschaft.