Erstellt am 09. November 2011, 00:00

VP-Stadtchef angezeigt. BILDUNG / Pädagogin, die auf die Missbrauchsvorwürfe aufmerksam machte, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde.

SP-Landtagsabgeordneter Ewald Schnecker, Karin Hirczy-Hirtenfelder, Kerstin Koren und der Grüne Gemeinderat Robert Necker. GANSTER  |  NOEN
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VON CARINA GANSTER

JENNERSDORF / Wie die BVZ berichtete, kamen im Frühjahr Misshandlungsvorwürfe gegen eine Pädagogin des Kindergartens auf. Diejenige Pädagogin (Kerstin Koren), die auf die Missstände aufmerksam gemacht hatte, lud gemeinsam mit SP-Politikern und Grünen-Gemeinderat Robert Necker zu einer Pressekonferenz. Wie bereits berichtet, hat die Pädagogin Kerstin Koren ihr Dienstverhältnis mit der Gemeinde per Ende September beendet – dies geschah jedoch nicht ganz freiwillig.

„Mir wurden die Stunden um die Hälfte gestrichen, bis ich finanziell nicht mehr über die Runden kam. Zudem musste ich Aufgaben erledigen, die unter meiner Qualifizierung lagen. Ich wurde quasi gezwungen zu gehen“, erzählt Koren. Einen neuen Job habe sie in Wien bereits gefunden, meinte Koren, „doch der Abschied und vor allem das Erlebte schmerzen sehr“.

Angefangen hat alles damit, dass Koren „aus Zivilcourage“ den Bürgermeister und den Gemeinderat über die Zustände im Kindergarten informierte. Eine Untersuchung des Landes, die sich mit den Misshandlungsvorwürfen beschäftigte, konnte die Vorwürfe jedoch nicht erhärten. Genau das brachte Koren eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein, die aber schnell wieder eingestellt wurde. Es folgten Untersuchungen und Gutachten wurden in Auftrag gegeben.

„Das Ergebnis war, dass Frau Koren beste Eigenschaften und emotionale Stabilität ausgesprochen hat“, erklärte Landtagsabgeordneter Ewald Schnecker. Bestürzt ist auch der Grüne Gemeinderat Robert Necker, der in der letzten Gemeinderatssitzung eine Entschuldigung seitens des Bürgermeisters bei Koren beantragte, die mit den Stimmen der ÖVP abgelehnt wurde.

Staatsanwaltschaft ermittelt  gegen Stadtchef Thomas

 

Die Grünen haben nun bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt eine Anzeige wegen Amtsmissbrauch gegen Bürgermeister Willi Thomas eingebracht, für den natürlich die Unschuldsvermutung gilt. Dieser weist alle Anschuldigungen von sich und weiß auch nichts von einer Anzeige. „Frau Koren hat mich selbst um ihre Kündigung gebeten, es war eine einvernehmliche Auflösung. Die Stundenherabsetzung ist so zu argumentieren, dass es statt fünf nur mehr vier Gruppen im Kindergarten gibt. Und die Neueinstellung wurde nötig, weil Koren gekündigt hat und die Pädagogin, gegen die diese Vorwürfe erhoben wurden, in Krankenstand ist“, argumentiert der Ortschef. Anders als Thomas ist Andreas Gold, Leiter der Abteilung 2, über die Anzeige informiert: „Ja, diese Anzeige gibt es. Zur Situation ist zu sagen, dass hoffentlich wieder Ruhe zum Wohle aller einkehrt.“

Landtagsabgeordneter Ewald Schnecker forderte im Rahmen der Pressekonferenz, dass die Personalverantwortung für Kindergärten und Schulen an Land oder Bund übertragen werden soll. „Dies wäre ein erwünschter Ausweg“, so Schnecker. Bürgermeister Thomas kontert: „Wenn es eine Verwaltungsreform gibt und diese eine solche Möglichkeit in Betracht zieht, könnte ich es mir auch vorstellen. Aber nur dann, wenn Land und Bund auch die Kosten übernehmen.“

Kerstin Koren‘s einziger Wunsch ist, dass „jemand auf die Kinder schaut und Verantwortliche mehr Disziplin zeigen.“