Erstellt am 11. Juli 2012, 00:00

Zweite Chance für Pädagogin. AFFÄRE / Verfahren gegen Bürgermeister und Kindergartenleiterin wurde wegen fehlender Beweislage eingestellt. Eltern sprechen von politisch-motivierter Entscheidung.

VON CARINA GANSTER

JENNERSDORF / In der Öffentlichkeit ist es um den Kindergartenskandal, der hohe Wellen schlug, leise geworden. Hinter den Kulissen war die Zeit von Beschuldigungen und Einvernahmen geprägt.

„Keine leichte Zeit für mein Team und natürlich die Kinder, auf deren Kosten diese Verleumdungen ausgetragen wurden“, sagt Kindergartenleiterin Sieglinde Szalay mit etwas zittriger Stimme bei der anberaumten Pressekonferenz. Wie die BVZ berichtete, soll Pädagogin Birgit L. ein Kind geschlagen haben. Diese Anschuldigung setzte eine Welle von Anzeigen in Gang, die nun „alle vom Tisch sind“, wie Bürgermeister Willi Thomas und Szalay in der Pressekonferenz freudig mitteilten.

„Die Kindergartenleitung hat den Vorfall im Sommer des letzten Jahres angezeigt und alle nötigen Schritte eingeleitet“, berichtet Szalay. Lang wurde umgehend und nach Rücksprache mit der Dienstaufsicht in den Krankenstand geschickt. Ein Gutachten stellte dann schnell klar, dass es keine Handgreiflichkeiten gegen ein Kind gegeben hat.

Pädagogin brachte Fall mit  offenem Brief ins Rollen

Wirbel in die Causa brachte dann Pädagogin Kerstin Koren, die einen offenen Brief über „unhaltbare Zustände“ in der Betreuungseinrichtung verfasste. Bürgermeister Willi Thomas und Kindergartenleiterin Sieglinde Szalay wurden wegen Missbrauchs der Amtsgewalt angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte bis Ende Juni und stellte alle Verfahren – darunter auch jene anonyme Anzeige gegen den Ortschef wegen des Verdachts auf gesetzwidrige Anmeldung von Kindern in der Volksschule und im Kindergarten – ein. Das aber sehr zum Widerwillen von betroffenen Eltern, die im Gespräch mit der BVZ von einer „politisch-motivierten Entscheidung“ sprechen. „Mein Sohn wurde in der Krabbelgruppe von der beschuldigten Pädagogin grob behandelt. Als sie weg war, waren wir heil froh. Ich hoffe, dass sie nicht mehr in den Kindergarten zurückkommt“, meint ein Vater, der anonym bleiben will (Name der BVZ bekannt). „Dass strafrechtlich nichts rauskommt, das war zu erwarten. Wie soll eine Aussage eines Kleinkindes so etwas beweisen. Moralisch betrachtet ist die Tatsache, dass Lang zurückkommen soll aber eine Katastrophe, aber da wurde sicher bei Politikern interveniert. Lang wird wieder stolpern, davon bin ich überzeugt“, so ein anderer Vater, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will.

Eine Mutter meint: „Der Bürgermeister ist der alleinige Verantwortliche, weil er ist der Dienstgeber. Trotzdem muss man Lang eine Chance geben. Ich hoffe, sie nutzt diese zum Wohlgefallen der kleinen Kinder.“ Bürgermeister Willi Thomas zeigt sich von den Elternaussagen erbost und weist alle Anschuldigungen zurück: „Diese Vorwürfe sind an den Haaren herbeigezogen und haben keinerlei Relevanz.“

Birgit L. soll bald wieder  im Kindergarten arbeiten

Kerstin Koren, jene Pädagogin, die mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen ist, arbeitet mittlerweile nicht mehr im Kindergarten. Ihre Stunden wurden extrem herabgesetzt, ihr Arbeitsverhältnis mit der Gemeinde dennach „einvernehmlich“ aufgelöst. „Birgit L. soll nun wieder aus dem Krankenstand zurückkommen“, ihr gehe es laut Szalay und Thomas schon besser.

Hintergründe für die Einstellung der Verfahren könnte sein, dass der leitende Staatsanwalt während der Erhebungen in Pension gegangen ist und Andreas Gold von der Landesregierung in eine andere Abteilung versetzt wurde.