Erstellt am 20. November 2013, 11:51

Zwölfjährige darf Wunsch über Verbleib äußern. Jene Zwölfjährige, die vor wenigen Tagen im Bezirk Güssing ein Kind von ihrem Stiefvater zur Welt gebracht haben soll, befindet sich mit dem Säugling weiterhin im Spital.

Das neue Gesetz zielt auf besseren Schutz der Kinder ab.Symbolfoto: APA  |  NOEN, APA
Das sagte die Leitende Sozialarbeiterin des Landes Burgenland, Bettina Horvath. Derzeit werde eine Unterbringungsmöglichkeit für die beiden gesucht, das Mädchen darf einen Wunsch über seinen Verbleib äußern.

Wünsche der 12-jährigen berücksichtigen

"Wir wissen nicht ganz konkret, wie lange die beiden noch im Spital bleiben müssen. Wobei: Das eine ist die medizinische Seite, das andere ist die Organisation einer guten Unterbringung, die einfach Zeit braucht", erläuterte Horvath. Dass das Mädchen sich über seinen Verbleib äußern darf, sei einerseits im Kinder- und Jugendhilfegesetz vorgesehen, andererseits der Behörde "auch aus fachlicher Sicht wichtig". "Die Entscheidungen werden wir als Jugendwohlfahrtsträger und auch als Obsorge-Berechtigte für das Baby treffen. Aber es wird mit dem Mädchen besprochen, es wird versucht, seine Wünsche zu berücksichtigen", erklärte die Leitende Sozialarbeiterin.

Aufgrund des Altersunterschieds werde es "sicher ein Sonderkonstrukt brauchen, und da sind wir mit verschiedenen Fachleuten – auch aus dem stationären Bereich – dran, diese Lösung für beide zu kreieren". Aktuell werde das Mädchen im Krankenhaus psychologisch und sozialarbeiterisch betreut. Man hoffe, dass es Ruhe habe, weshalb man sich - vor allem zum Schutz des Mädchens - nicht zum konkreten Aufenthaltsort äußern wolle.

Geschwister bei Pflegefamilien

Nicht nur das Mädchen und das Baby werden bedarfsgerecht untergebracht, auch für zwei jüngere Geschwister der Zwölfjährigen wurde eine neue Unterbringung gesucht. Die beiden Kinder leben nun bei Pflegefamilien.

Die Entscheidung, wo Kinder oder Jugendliche untergebracht werden, hängt von deren Bedürfnissen ab, sagte Horvath. "Das muss man sich individuell anschauen. Wird es eine Unterbringung in einer sozialpädagogischen oder sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft, dann gibt es dort Fachpersonal, das rund um die Uhr verfügbar ist. Wenn eine Psychotherapie oder eine psychologische Betreuung notwendig ist, dann wird das zugekauft, wird das organisiert." Was die Zwölfjährige nun tatsächlich brauche, müsse mittels Gutachten geklärt werden, sagte Elvira Waniek-Kain, Hauptreferatsleiterin für Sozialwesen.

Begleitung durch das Gewaltschutzzentrum

Laut Horvath ist auch eine Begleitung des Mädchens durch das Gewaltschutzzentrum vorgesehen. Dieses übernimmt die Prozessbegleitung und Unterstützung während des Verfahrens. "Hier gibt es Juristinnen, die alles Notwendige veranlassen - mit unserer Zustimmung als Jugendwohlfahrt."

Der Kontakt zur Mutter, die mittlerweile auch als Beschuldigte einvernommen wurde, wird der Zwölfjährigen nicht verwehrt: "Wenn das Mädchen Kontakt zur Mutter wünscht, werden wir das in einem geschützten Rahmen ermöglichen", sagte die Leitende Sozialarbeiterin.

Am Dienstag war der schwere Fall sexuellen Kindesmissbrauchs im Südburgenland bekannt geworden. Der etwa 30-jährige Stiefvater befindet sich seit Dienstag in Untersuchungshaft. Die Mutter wurde angezeigt.