Erstellt am 20. November 2013, 15:02

Zwölfjährige und Kind bleiben vorerst im Spital. Im Fall des am Dienstag bekannt gewordenen schweren sexuellen Kindesmissbrauch im Bezirk Güssing soll nächste Woche Klarheit über die Vaterschaft des Säuglings herrschen.

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Ein etwa 30-jähriger in U-Haft sitzender Mann soll seine damals elfjährige Stieftochter geschwängert haben. Das Mädchen und das kürzlich geborene Baby bleiben vorerst im Spital, hieß es am Mittwoch von der Jugendwohlfahrt.

Zwei weitere Kinder zu Pflegefamilien

Die Zwölfjährige und der Säugling werden derzeit psychologisch und sozialarbeiterisch betreut, seitens der Behörde sei man dabei, eine ideale Unterbringungsmöglichkeit für die beiden zu suchen, teilte Bettina Horvath, Leitende Sozialarbeiterin des Landes, mit.

Die Organisation einer guten Unterbringung brauche aber "einfach Zeit". Zwei weitere Kinder der mittlerweile angezeigten Mutter wurden bereits bei Pflegefamilien untergebracht.

Mitsprache der Zwölfjährigen bei Verbleib und Kontakten

Das Mädchen wird in der Entscheidung über seinen Verbleib einbezogen und darf einen Wunsch äußern. Dennoch werden die Entscheidungen darüber vom Jugendwohlfahrtsträger, der auch Obsorge-Berechtigter für das Baby ist, getroffen.

"Aber es wird mit dem Mädchen besprochen, es wird versucht, seine Wünsche zu berücksichtigen", erklärte Horvath.

Auch im Hinblick auf möglichen gewünschten Kontakt zur Mutter wird auf die Zwölfjährige Rücksicht genommen: "Wenn das Mädchen Kontakt zur Mutter wünscht, werden wir das in einem geschützten Rahmen ermöglichen", sagte die Leitende Sozialarbeiterin.

Begleitung durch Gewaltschutzzentrum

Laut Horvath ist neben der bestmöglichen Unterkunft sowie der nach Bedarf auch zugekauften, noch zu analysierenden Therapiemaßnahmen, auch eine Begleitung des Mädchens durch das Gewaltschutzzentrum vorgesehen.

Dieses übernimmt die Prozessbegleitung und Unterstützung während des Verfahrens. "Hier gibt es Juristinnen, die alles Notwendige veranlassen - mit unserer Zustimmung als Jugendwohlfahrt."

Am Dienstag war der schwere Fall des sexuellen Kindesmissbrauchs im Südburgenland bekannt geworden. Der am Sonntag festgenommene Stiefvater war bereits im Jänner wegen sexuellen Missbrauchs nicht rechtskräftig verurteilt worden.

Entscheidung über Strafmaß für Mann noch ausständig

Der Mann hat damals Rechtsmittel ergriffen. Der Schuldspruch wurde mittlerweile rechtskräftig, da die Nichtigkeitsbeschwerden vom Obersten Gerichtshof abgewiesen wurde.

Ausständig ist die Entscheidung über das Strafmaß von mehr als drei Jahren, gegen das er berief. Spätestens am Freitag soll der Oberlandesgerichtshof über das Strafausmaß entscheiden, hieß es vom Landesgericht Eisenstadt.

Lassenberger für Untersuchung, ob Versagen vorliegt

Es sollte auch untersucht werden, ob es in der Kette der vorgesehenen Schutzmaßnahmen ein Versagen gab, sagte Adele Lassenberger, Vorsitzende des Bundesverbandes der Österreichischen Kinderschutzzentren, am Mittwoch.

"Aus der Sicht des Kinderschutzes stößt man manchmal an Grenzen", sagte Lassenberger. "Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Grenzen: Erstens ist Gewalt nie zur Gänze zu verhindern - keine Prävention schafft das. Zweitens gibt es gesetzliche Grenzen. Da wäre zu diskutieren, ob die Jugendwohlfahrt mehr Pouvoir braucht oder andere gesetzliche Grundlagen", erklärte die Expertin.

"Für Kinderschutz braucht es immer erfolgreiche Kooperation. Wenn nur einer der Beteiligten 'auslässt', versagt das System."

Misserfolg des Gesprächs mit Familie für Expertin nicht außergewöhnlich

In erster Linie habe die Mutter den Schutz eines Kindes zu gewährleisten, so Lassenberger. Im Fall der Zwölfjährigen hatte die Jugendwohlfahrt deren Mutter davon in Kenntnis gesetzt, dass gegen ihren Lebensgefährten schon in der Vergangenheit der Missbrauchsverdacht bestand.

Dieses Gespräch brachte anscheinend keinen Erfolg. Für Lassenberger ist ein solches Verhalten nicht außergewöhnlich. "Wir wissen aus Erfahrung, dass es schwierig ist, Mütter darüber zu informieren, wenn ein Verdacht besteht", sagte die Vorsitzende der Kinderschutzzentren.