Erstellt am 05. März 2015, 16:47

von APA/Red

EZB öffnet Schleusen für Billionen-Geldflut. Die Europäische Zentralbank (EZB) öffnet bald die Geldschleusen. Das im Jänner beschlossene Ankaufprogramm für Wertpapiere mit einem Volumen von 1,14 Billionen Euro werde am Montag starten.

Das Programm soll die Wirtschaft in Europa ankurbeln. Die EZB rechnet für 2015 dennoch mit stagnierenden Verbraucherpreisen. Die Notenbank hatte bereits beschlossen, von März an monatlich Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von 60 Mrd. Euro anzukaufen. Mit dem bis September 2016 laufenden Programm soll die Wirtschaft angekurbelt und letztlich die stockende Kreditvergabe belebt werden.

Volumen beläuft sich auf 1,14 Billionen Euro

Das Volumen beläuft sich auf 1,14 Billionen Euro. Es sollen vor allem Staatsanleihen von Euro-Ländern in großem Stil aufgekauft werden. Bereits im Herbst hatte die EZB mit dem Erwerb von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen begonnen. Mit der Geldschwemme nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed will Draghi auch verhindern, dass die Wirtschaft in eine Deflation abrutscht, also eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen auf breiter Front und nachlassenden Investitionen.

Der EZB-Rat beschloss bei seiner auswärtigen Zinssitzung unterdessen, den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen. Auch andere zusätzliche Maßnahmen gegen den Preisrückgang im Euroraum halten Experten für unwahrscheinlich. Im Februar lag die jährliche Inflationsrate bei minus 0,3 Prozent nach minus 0,6 Prozent im Jänner. Damit bleibt die Rate immer noch weit vom Zielwert der Notenbank "nahe, aber unter 2 Prozent" entfernt.

Trotz ihres billionenschweren Programms zum Kauf von Staatsanleihen rechnen Europas Währungshüter in diesem Jahr mit stagnierenden Verbraucherpreisen im Euroraum. In diesem Jahr werde die Inflation auf 0,0 Prozent sinken, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Nikosia bei der Vorlage der neuesten Prognose.

Inflationsrate von 1,8 Prozent vorausgesagt

Damit korrigierte die Europäische Zentralbank (EZB) auch wegen der niedrigen Ölpreise ihre bisherige Prognose von 0,7 Prozent nochmals deutlich nach unten. In den beiden Folgejahren dürfte sich die Geldschwemme nach der Vorhersage aber stärker auf den Preisauftrieb auswirken. Demnach steigen die Verbraucherpreise 2016 um 1,5 (bisher: 1,3) Prozent. In ihrer ersten Schätzung für 2017 sagen die Notenbanker eine Inflationsrate von 1,8 Prozent voraus.

Gleichzeitig wächst der Konjunkturoptimismus für das laufende Jahr gegenüber der Dezember-Schätzung: Statt bisher 1,0 Prozent Wachstum in diesem Jahr erwarten die Experten nun im Euroraum 1,5 Prozent Plus. Die Prognose für 2016 wurde von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Für 2017 sagen die Notenbanker ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent voraus.

Weiters entschied die EZB, den Geldhahn für griechische Institute weiter offenzulassen. Die Währungshüter stockten auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag den Spielraum der Notenbank in Athen zur Gewährung von Notfallhilfen an ihre heimischen Geldhäuser um 500 Mio. Euro auf, wie EZB-Chef Mario Draghi nach dem Treffen in Nikosia mitteilte. Die griechischen Banken seien solvent, betonte er. Bisher lag das Limit bei 68 Mrd. Euro.

Griechische Geldhäuser auf Notfall-Liquiditätshilfen angewiesen

Griechische Geldhäuser sind inzwischen weitgehend auf solche Notfall-Liquiditätshilfen der Athener Notenbank angewiesen, da die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für frisches Geld akzeptiert. Eine entsprechende Ausnahmeregelung hatte sie Anfang des Jahres kassiert.

Draghi sagte, die EZB stehe bereit, diese Sonderregel für Griechenland wieder einzuführen - und damit auch Papiere mit sehr schlechter Bonität zu akzeptieren. Zuvor müsse sich die EZB aber darüber klar werden, ob Griechenland im aktuellen Rettungsprogramm der internationalen Gläubiger überprüfbare Fortschritte erziele.