Erstellt am 04. März 2016, 12:14

1,2 Mio. Asylwerber in der EU, Österreich auf Rang vier. Die Europäische Union hat nach offiziellen Zahlen von Eurostat im Jahr 2015 eine Rekordanzahl von 1,2 Millionen Asylwerbern verzeichnet.

 |  NOEN, APA (dpa)

Österreich liegt nach den am Freitag veröffentlichten Daten mit 85.500 Erstanträgen an vierter Stelle hinter Deutschland (441.800), Ungarn (174.400) und Schweden (156.100). Damit haben sich die Asylanträge EU-weit gegenüber 2014 (562.680) mehr als verdoppelt.

Jeder dritte Asylsuchende (29 Prozent) stammte 2015 aus Syrien. Das zweithäufigste Herkunftsland war Afghanistan (14 Prozent), dahinter folgt der Irak (10 Prozent). Die Zahl der Syrer, die 2015 Schutz beantragten, hat sich gegenüber 2014 verdoppelt und erreichte 362.800. Die Zahl der Afghanen vervierfachte sich im selben Zeitraum auf 178.000. Die Zahl der um Asyl ansuchenden Iraker versiebenfachte sich und erreichte 121.500.

2015 wurden anteilsmäßig die meisten erstmaligen Asylwerber in Deutschland (35 Prozent) registriert. Darauf folgten Ungarn (14 Prozent), Schweden (12 Prozent), Österreich (7 Prozent), Italien (7 Prozent) und Frankreich (6 Prozent). Gegenüber dem 2014 stieg die Zahl der erstmaligen Asylwerber am meisten in Finnland (+822 Prozent), gefolgt von Ungarn (+323 Prozent), Österreich (+233 Prozent), Belgien (+178 Prozent), Spanien (+167 Prozent) und Deutschland (+155 Prozent).

Im Vergleich zur Einwohnerzahl hatte Ungarn 2015 mit 17.699 erstmaligen Asylwerbern je eine Million Einwohner am meisten Anträge, vor Schweden (16.016), Österreich (9.970), Finnland (5.876) und Deutschland (5.441). Am niedrigsten war die Zahl hingegen in Kroatien (34 Bewerber je eine Million Einwohner), der Slowakei (50), Rumänien (62), Portugal (80) und Litauen (93). Im Jahr 2015 wurden in den EU-Staaten durchschnittlich 2.470 erstmalige Asylwerber je eine Million Einwohner registriert.

Von den 85.505 Erstanträgen, die in Österreich 2015 registriert wurden, wurde der größte Teil (24.840) von Afghanen gestellt. Erst an zweiter Stelle rangierten in Österreich Syrer mit 24.720 Anträgen, drittstärkste Gruppe waren die Iraker mit 13.225 Anträgen.

Das Innenministerium unterdessen die bereinigten Asylantragszahlen für Dezember 2015 und Jänner 2016 vor. Demnach wurden im Gesamtjahr 2015 nicht rund 90.000, sondern exakt 88.912 Anträge (inklusive 761 aus humanitärem Resettlement fast ausschließlich aus Syrien) abgegeben. Weiterhin handelt es sich dabei um vorläufige Zahlen.

Die leichte Korrektur nach unten ändert nichts daran, dass dies bei weitem mehr Anträge sind, als im Jahr 2014, nämlich um 212,5 Prozent gegenüber den damaligen 28.452 Anträgen. An den historischen Höchstwert von 170.000 im Jahr 1956 zur Zeit der Ungarnkrise kam man freilich auch im Vorjahr nicht heran.

Für die bereinigten Daten wurden Mehrfacherfassungen entfernt. Zu diesen kommt es, wenn ein Flüchtling etwa in einem Transitquartier in die Grundversorgung kommt, seinen Asylantrag dann aber in woanders in Österreich stellt. Üblicherweise geht diese Bereinigung schneller, diesmal gab es wegen der jüngsten antragsstarken Monate Verzögerungen.

Aus den Daten herauslesen könne man, dass Asylanträge aus Afghanistan (25.475) ein wesentlich stärkerer Faktor geworden sind, hieß es im Innenministerium gegenüber der APA. Dahinter folgen Syrien (24.538), Irak (13.602) und Iran (3.432) als stärkste Herkunftsländer. Einen Anstieg gibt es auch aus Afrika, wobei die Zahlen aus Somalia (2.069), Nigeria (1.384), Algerien (942) und Marokko (730) vergleichsweise gering sind. Die stärksten Monate waren Oktober und November 2015 mit jeweils über 12.000 Anträgen.

Für Jänner 2016 weist die vorläufige Statistik (inklusive Resettlement) 5.956 Asylanträge aus. Das sind um 41,07 Prozent mehr als die 4.222 Anträge im Jänner 2014.