Erstellt am 28. Juni 2015, 20:14

von APA Red

12.000 Menschen gedachten Amok-Opfern. Rund 12.000 Menschen - etwa 20.000 waren erwartet worden - haben am Sonntagabend in Graz der Opfer eines 26-jährigen Amokfahrers in einem Trauermarsch und einem Gedenkakt am Hauptplatz und in der Herrengasse gedacht.

 |  NOEN, APA

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl fasste die Stille der Stadt am Sonntag im Gedenken an die Opfer des Amokfahrers zusammen: "Es fehlen einem die Worte".

Schon am Nachmittag hatten sich Hunderte Menschen zum Marsch vom Griesplatz auf den Hauptplatz gesammelt.

Eine bunte Mischung aus jungen und alten Menschen, Familien und aller Hautfarben waren gekommen, begleitet von einem starken Polizeiaufgebot von 314 Polizistinnen und Polizisten aus mehreren Bundesländern sowie Kriminalbeamten, Beamte des Landesamtes für Verfassungsschutz und weiterer Spezialkräfte. Sie schützten u.a. die größte Dichte an Spitzenpolitikern, die je in Graz versammelt war

Der Grazer Bürgermeister Nagl (ÖVP), der beinahe selbst ein Opfer des Amokfahrers geworden wäre, welcher drei Menschen getötet und 36 zum Teil schwerst verletzt hatte, zitierte Victor Frankl: "Das menschliche ist eine Legierung aus Gut und Böse". In den Augen des Täters sah er ein Stück Hölle, in den Augen der Helfer aber den Himmel.

Nagl sagte beim abschließenden Gedenkakt am Hauptplatz am Abend, er trauere um die Opfer, um den getöteten Adis und um den getöteten Valentin: "Und ich trauere auch um jene junge Frau, deren Lebensgeschichte ich nicht kenne, und die nicht einmal im Tod jemanden abgegangen zu sein scheint". Er habe noch nie so viel geredet, wie in den vergangenen Tagen - "obwohl mir nicht danach war".

Er sage allen "ein herzliches Dankeschön und Vergelt's Gott, den Einsatzorganisationen und allen Helferinnen und Helfern, die ihren Mitbürgern beigestanden sind. Wenn das alles einen Sinn gehabt, dann den, dass wir um die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft wissen, aber auch um den Zusammenhalt, den wir hier alle zum Ausdruck bringen".

Der steirische LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP): "In dieser Stunde sind unsere Gedanken und Gebete bei den Angehörigen der Toten und der Verletzten. Wir werden sie schützen, wir werden sie stützen, wo immer wir dazu fähig sind. Unsere Herzen sind traurig".

Alle hätten die Frage nach dem Warum gestellt: "Sie wird nicht beantwortet werden können. Man wird niemals Gewalttaten verhindern können. Das Ereignis hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie sehr wie einander brauchen. Nicht nebeneinander, sondern miteinander müssen wir leben. Wir können das, jeder und jede von uns". Graz sei eine weltoffene Stadt, "ebenso wie die Steiermark, in der die Menschen willkommen sind", so ein mit seinen Emotionen ringender Landeschef.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wandte sich direkt an die "Familienangehörigen der Opfer" und sprach sein Beileid aus. "Das Leid, dass dieser Amoklauf über sie gebracht hat, kann nie ungeschehen gemacht werden. Solidarität heißt, dass man in guten wie in Krisenzeiten zusammensteht. Dass man Erste Hilfe leistet, Rettung und Exekutive unterstützt. Graz hat zusammengehalten, in diesen Tagen, das konnte man in ganz Österreich spüren. Lassen wir nicht zu, dass eine solche unfassbare Tat genutzt wird, um Hass und Zwietracht säen", so der Kanzler.

Bundespräsident Heinz Fischer sagte: "Graz trauert, das können wir in den Straßen heute lesen und wir hören es auch und vor allem spüren es. Dass so viele Unschuldige getötet und verletzt wurden, "das ist unbegreiflich". Nächstenliebe und Zuwendung seien aber "viel, viel stärker als Hass und Aggression". Er wünsche den Verletzten gute Besserung und baldige Wiederherstellung, sein Dank gehe an alle, die sich seit vergangen Samstag so hervorragend bewährt haben: "Es ist eine schwere Belastung, ein Schock, aber ich weiß, Graz wird diese Wunde heilen lassen", schloss der Präsident.

Nach dem Ende der Veranstaltung, mit der die offizielle Trauerwoche zu Ende ging, trugen sich der Bundespräsident und die Bundesregierung neben vielen anderen Teilnehmern sich im Kondolenzbuch der Stadt ein. Fischer und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) kämpften mit den Tränen, als sie sich ins Kondolenzbuch eintrugen. "Begegnen wir der Dunkelheit nicht mit Angst, sondern mit Licht", stand auf einem Transparent in der großen Menschenmenge am Hauptplatz, in der sich viele ihrer Tränen nicht schämten.