Erstellt am 29. Mai 2014, 20:11

von APA/Red

12 Tote nach Helikopter-Abschuss in Ukraine. Prorussische Separatisten haben am Donnerstag im Osten der Ukraine einen Militärhubschrauber abgeschossen und dabei zwölf Soldaten getötet.

Unter den Opfern sei auch General Wladimir Kultschizki, teilte die Präsidentschaft in Kiew mit. Die Aufständischen kündigten unterdessen die Freilassung von vier OSZE-Beobachtern an, die sie in ihre Gewalt gebracht hatten.

"Ich habe gerade die Information erhalten, dass die Terroristen nahe Slawjansk unseren Hubschrauber abgeschossen haben", sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow bei einer Rede im Parlament. Der Angriff sei mit einer tragbaren Boden-Luft-Waffe aus Russland verübt worden. Turtschinow äußerte sich dennoch überzeugt, dass die Armee ihren Kampf "gegen die Terroristen zu Ende führen wird und die von Russland finanzierten Kriminellen entweder eliminiert werden oder auf der Anklagebank landen".

Auch Häuser von Zivilisten in Brand geraten

Ein Rebellensprecher sagte mehreren russischen Nachrichtenagenturen, der Hubschrauber sei bei schweren Gefechten am südlichen Stadtrand von Slawjansk abgeschossen worden. Durch das Vorgehen des Militärs seien zudem Häuser von Zivilisten in Brand geraten. Die Regierungstruppen führen seit mehreren Wochen eine Militäroffensive gegen die Separatisten im Osten der Ukraine. Die Führung in Kiew wirft Russland vor, die Moskau-treuen Kämpfer gezielt mit Waffen und Söldnern zu unterstützen.

Ein Rebellensprecher räumte am Donnerstag ein, dass es sich bei einem Großteil der Anfang der Woche bei Gefechten am Flughafen von Donezk getöteten Separatisten um Russen handelte. 33 von ihnen stammten demnach aus muslimischen Regionen wie Tschetschenien.

Moskau hat stets bestritten, die Separatisten in der Ukraine zu unterstützen. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht die russische Regierung dennoch in der Verantwortung. Moskau müsse seien Einfluss geltend machen, "um das weitere Einsickern von Kämpfern und Waffen über die russisch-ukrainische Grenze" zu unterbinden, sagte Steinmeier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die russische Regierung forderte ihrerseits den Westen auf, mäßigend auf die Führung in Kiew einzuwirken.

Munitionslager bei Kämpfen explodiert

Behörden in Kiew teilten am Donnerstag mit, dass in Alexandrowka im Gebiet Luhansk Bewaffnete mit Lastwagen, Maschinengewehren und Granatwerfern versuchten, eine Kaserne der Nationalgarde zu stürmen. Bei den Kämpfen sei auch ein Munitionslager explodiert, teilte die Regierung mit.

In der von den Separatisten kontrollierten Millionenstadt Donezk gingen nun Schwerbewaffnete gegen Plünderer vor. Sie begannen auch, die Barrikaden vor der Gebietsverwaltung zu räumen. Dort soll die von Kiew nicht anerkannte "Volksrepublik Donezk" ihre Arbeit beginnen. Das Verwaltungshochhaus werde jetzt zum Regierungssitz umfunktioniert, berichteten örtliche Medien.

Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko soll nach Angaben seines Wahlkampfteams am Samstag der kommenden Woche in sein Amt eingeführt werden. Am Tag zuvor könnte es zu einem ersten Treffen zwischen Poroschenko und Russlands Staatschef Wladimir Putin kommen. Beide sind zu den Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestags der Alliierten-Landung in der Normandie am 6. Juni eingeladen. Der 48-jährige Milliardär Poroschenko hatte die Präsidentschaftswahl am Sonntag klar gewonnen.

Beobachter in den Händen prorussischer Milizen

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass sich die vier verschollenen Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in den Händen der prorussischen Milizen befinden. Der Gruppe sei von Reisen in der Konfliktregion abgeraten worden, sagte der Separatistenführer und selbst ernannte Bürgermeister der Rebellenhochburg Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Nachrichtenagentur Interfax. Seine Gefolgsleute würden nun "klären, wer sie sind, wohin sie gingen und warum, und werden sie dann freilassen".

Schon im April hatten die Separatisten mehrere Militärbeobachter der Organisation vorübergehend festgenommen. Die OSZE hatte am Dienstag öffentlich gemacht, dass sie den Kontakt zu den vier Beobachtern aus Dänemark, Estland, der Schweiz und der Türkei am Abend zuvor verloren hatte. Eine zweite Beobachtergruppe wurde am Mittwoch für mehrere Stunden aufgehalten, kehrte am Abend aber wieder nach Donezk zurück.