Erstellt am 19. Oktober 2015, 17:43

von APA/Red

20 Jahre für falschen Briefträger, der Wienerinnen beraubte. Zu 20 Jahren Haft ist am Montag im Straflandesgericht ein 37-jähriger Mann verurteilt worden, der sich als falscher Postzusteller ausgegeben und zwei betagte Wienerinnen in ihren Wohnungen überfallen hatte.

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 Bei der Strafbemessung fiel die "massiv überschießende, völlig sinnlose Gewaltanwendung" erschwerend ins Gewicht, wie Richterin Nina Steindl in der Urteilsbegründung feststellte. Drei Komplizen des Hauptangeklagten - wie dieser ebenfalls bulgarische Staatsbürger - fassten als Beitragstäter mehrjährige unbedingte Freiheitsstrafen aus. Ein 35-jähriger Mann, der bei beiden Überfällen mitgemacht hatte, bekam acht Jahre, eine 32-Jährige fünf Jahre. Sie war ebenso an einem Raub beteiligt wie eine 41-Jährige, die Aufpasserdienste geleistet hatte und dafür zweieinhalb Jahre kassierte.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Der wegen schweren Raubes und versuchten Mordes verurteilte 37-Jährige legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Zum ersten Mal hatte die Bande im April 2010 zugeschlagen. Die beiden Männer und die 41-Jährige, die eigentlich in Deutschland leben, reisten nach Wien, wo der 37-Jährige Haupttäter mit seiner Komplizin an der Wohnung einer 85-jährigen, gehbehinderten Pensionistin anläutete. Er wachelte mit einem Brief in der Hand und rief "Post für Sie". Als die 85-Jährige öffnete, hielt ihr der 37-Jährige laut Anklage den Mund zu und drängte sie in die Wohnung.

Sodann nahm er der betagten Frau den Rollator, auf den sie angewiesen war, weg, drückte sie zu Boden und verlangte 300 Euro. Da sich in der Tasche der Pensionistin nur 200 Euro befanden, nahm er die Bankomatkarte der Frau an sich und versuchte, der Frau den PIN-Code herauszupressen.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, zündete der 37-Jährige eine Fernsehzeitung an und warf das brennende Papier auf das Bett der Pensionistin. Da die 85-Jährige immer noch keinen Code nennen konnte, fesselte er die Frau und verließ mit seinen Komplizen, die inzwischen Kerzenständer, Unterwäsche und Handtücher an sich gerafft hatten, die Wohnung. Die überfallene Frau wurde erst tags darauf von ihrem Sohn aus ihrer misslichen Lage befreit.

Beim zweiten inkriminierten Überfall wurde das Opfer schwer verletzt. Im Dezember 2014 drang der 37-Jährige - wieder mit einem gelben T-Shirt bekleidet - mit einem Paket in der Hand in die Wohnung einer 77 Jahre alten Pensionistin ein. Sein männlicher Komplize folgte ihm, die 32-jährige Mittäterin leistete zumindest Aufpasserdienste. Obwohl die Männer 14.000 Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von 10.000 Euro erbeuteten, hatten sie nicht genug. Laut Anklage wollten sie das Opfer mehrere Tage festhalten und mit der Bankomatkarte täglich den Höchstbetrag beheben. Der 37-Jährige schlug beim Versuch, den Widerstand der 77-Jährigen zu brechen, derart massiv auf sie ein, dass er ihr mehrere Rippenfrakturen und so schwere innere Verletzungen zufügte, dass die Frau seither mit einem künstlichen Darmausgang leben muss.

Während der 37-Jährige zum Bankomat ging, um mit der Karte der Verletzten Geld abzuheben, bewachte der 35-jährige Komplize das Opfer, legte sich neben der Frau aufs Bett und zündete sich eine Zigarette an. Als plötzlich jemand an der Tür läutete, verlor er die Nerven. Er sprang in Panik aus dem Fenster und brach sich dabei das Bein. Eine zufällig vorbeifahrende Polizeistreife wollte eigentlich dem Verletzten helfen, die Beamten bemerkten jedoch rasch, dass etwas nicht stimmte. Sie durchsuchten darauf das Haus, aus dem der Mann offensichtlich gesprungen war, und stießen dabei auf die lebensgefährlich verletzte 77-Jährige. Der 35-Jährige wurde festgenommen. Er legte im Verhör ein Geständnis ab und verhalf der Polizei dazu, dass diese auch den Haupttäter und die zwei Frauen, die jeweils ein mit dem 37-Jährigen gezeugtes Kind großziehen, dingfest machen konnte.