Erstellt am 02. Juni 2015, 10:01

von APA/Red

U5 wird Wiens erste vollautomatische fahrerlose U-Bahn-Linie. Für die Öffis der Bundeshauptstadt bricht ein neues Zeitalter an: Die U5, deren erstes Teilstück 2023 in Betrieb geht, wird Wiens erste vollautomatische U-Bahn-Linie sein.

Neue Wege beim U-Bahn-Bau  |  NOEN, APA/Webpic

Sie wird damit gänzlich ohne Fahrer auskommen, teilten die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) und Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer am Dienstag in einer Pressekonferenz mit.

U5 ab 2023 zwischen Karlsplatz und Altem AKH

Die U5 wird ab 2023 zwischen Karlsplatz und Altem AKH unterwegs sein, wobei als Trasse zum größten Teil die jetzige U2-Strecke dient. Dieser bereits bestehende Teilabschnitt muss also nachgerüstet werden. Ab 2025 soll die U5 bereits über den Gürtel bis zum Elterleinplatz in Hernals fahren.

Für den fahrerlosen U5-Betrieb muss freilich entsprechend ausgestattetes Wagenmaterial gekauft werden. Die Ausschreibung für bis zu 45 Züge startet in den nächsten Wochen. Für Testzwecke werden die ersten fahrerlosen U-Bahnen bereits ab 2018 im Einsatz sein, zeigte sich Brauner zuversichtlich. Personalkürzungen werde es keine geben, versprach sie.

Die Wiener Linien erhoffen sich durch den Paradigmenwechsel eine Reihe von Vorteilen. So seien im automatischen Betrieb kürzere Intervalle von bis zu eineinhalb Minuten möglich, sagte Geschäftsführer Steinbauer.

Zum Vergleich: Derzeit liegt das Maximum in Wien bei zweieinhalb Minuten. Außerdem brauche man für den gleichen Takt dann weniger Fahrzeuge auf der Strecke, da die Züge schneller wenden können. Durch Unabhängigkeit vom Fahrpersonal lasse sich auch flexibler auf Großereignisse wie Demonstrationen oder Sportevents reagieren, hieß es.

"Unsere Züge fahren schon jetzt fast automatisch"

Aus Sicht der Öffi-Betriebe ist die Neuerung nicht allzu spektakulär. "Unsere Züge fahren schon jetzt fast automatisch", versicherte Steinbauer. Der Fahrer sei schon jetzt - mit Ausnahme der U6 - hauptsächlich mit der Abfertigung, also etwa dem Schließen der Türen, beschäftigt.

Da dies künftig ebenfalls der Computer übernehmen wird, braucht es spezielle Sicherheitstüren an den Bahnsteigen. Sie sind in eine Glaswand eingebaut, die den Wartebereich gänzlich vom Schienenbereich abriegelt, was Stürze auf die Gleise verhindert. Ist eine U-Bahn eingefahren, öffnen sich mit den Zugtüren auch die Sicherheitsschleusen.

"Die U5 bietet uns die einmalige Chance, das automatisierte System einzusetzen", erklärte Steinbauer. Denn die Trasse besteht sowohl aus einem komplett neuen als auch bereits vorhandenem Abschnitt und sei von der Dimension her - inklusive Endstellen fünf Stationen - sehr überschaubar. Außerdem habe sich die Technik in den vergangenen Jahren "dramatisch verbessert" und durch die Serienreife inzwischen nur mehr unwesentlich teurer als die herkömmliche Variante. Bei den Wiener Linien schätzt man den Mehraufwand auf rund zwei Prozent.

Technisch werden die fahrerlosen Züge gewissermaßen von der Leitstelle in Erdberg ferngesteuert. Dabei sendet jede Garnitur permanent Daten - etwa über Standort, Geschwindigkeit und Abstand zum nächsten Zug.

Neue Züge trotzdem mit Fahrerkabinen ausgestattet

Das neue rollende Material - ebenfalls durchgängig begehbar, klimatisiert und zudem mit WLAN ausgestattet - wird aber trotzdem mit Fahrerkabinen ausgestattet sein, damit es auch auf den anderen U-Bahn-Linien eingesetzt werden kann. Wer den Zuschlag für den Großauftrag bekommt, wird Ende 2016 feststehen.

Brauner versprach heute, dass durch die Automatisierung kein Personal eingespart werde. Die obsoleten Fahrer sollen vielmehr umgeschult werden und das Serviceteam der Wiener Linien verstärken. Denn es gebe seitens der Fahrgäste beständig den Wunsch nach mehr direkter Information und Hilfe.

Ob bestehende Linien mittelfristig umgerüstet werden, steht noch nicht fest. Das müsse man bei anstehenden Großsanierungen von Fall zu Fall entscheiden, meinte Steinbauer. Im Rahmen der vor allem für 2016 und 2017 angelegten Großsanierung des westlichen U4-Arms werden jedenfalls noch nicht die Voraussetzungen für den automatisierten Betrieb geschaffen.

Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) freute sich jedenfalls über diesen Schritt Wiens. Die U-Bahn sei das Rückgrat der wachsenden Stadt. Und dass das Rathaus dermaßen auf umweltbewusste Mobilität setzt, vertrage sich hervorragend mit den Zielsetzungen des Bundes.