Erstellt am 28. April 2014, 18:56

27 Tote bei Anschlägen auf Wahllokale im Irak. Im Vorfeld der Parlamentswahl im Irak sind bei zahlreichen Anschlägen am Montag mindestens 27 Menschen getötet worden.

Mehrere Selbstmordattentäter griffen Wahllokale in der Hauptstadt Bagdad und anderen Städten an, in denen Soldaten und Polizisten im Vorfeld des eigentlichen Wahltermins ihre Stimmen abgaben. Bei den 27 Todesopfern handelte es sich um Soldaten und Polizisten. Sie waren bereits am Montag zur Stimmabgabe aufgerufen, damit sie bei der Wahl am Mittwoch zur Sicherung des Urnengangs eingesetzt werden können. Auch Patienten in Krankenhäusern und medizinisches Personal wählten bereits am Montag.

Acht Selbstmordattentäter sprengten sich nach Behördenangaben an Wahllokalen in Bagdad und nördlich der Hauptstadt in die Luft. Allein in einem Wahllokal im Westen Bagdads riss ein Attentäter sieben Polizisten mit in den Tod. In einem Wahllokal im Norden Bagdads tötete ein Selbstmordattentäter fünf Sicherheitskräfte. Außerhalb Bagdads wurden insgesamt 15 Soldaten und Polizisten bei Anschlägen auf Wahllokale und Konvois getötet, darunter allein acht bei einem Anschlag auf ein Wahllokal in Kirkuk.

In Mossul wurden bei Selbstmordanschlägen insgesamt acht Menschen verletzt. Zudem wurden in der nordirakischen Stadt sechs irakische Journalisten verletzt, die in einem Armeebus zu einem Wahllokal gebracht wurden. Bei den Attentaten wurden auch dutzende Menschen verletzt. Zu den Gewalttaten bekannte sich zunächst niemand. Meist werden sunnitische Gruppen für derartige Taten verantwortlich gemacht.

Im Irak wird am Mittwoch zum ersten Mal seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 ein neues Parlament gewählt. Das Land steht unter dem Eindruck einer massiven Zunahme der Gewalt zwischen den Religionsgruppen, allen voran den Schiiten und Sunniten. Seit Jahresbeginn wurden fast 3000 Menschen bei Anschlägen getötet, auch der Wahlkampf wurde von Anschlägen auf Kandidaten und Wahllokale überschattet.

Bei der Wahl am Mittwoch gilt mangels eines starken Gegnern der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki als Favorit zur Wiederwahl für eine dritte Amtszeit - trotz der Unzufriedenheit vieler Menschen in dem ölreichen Land wegen der zunehmenden Gewalt und der weit verbreiteten Korruption.

Ein Video, das offenbar Staatspräsident Jalal Talabani bei der Stimmabgabe zeigt, löste am Montag spontane Jubelfeiern in seiner Hochburg Sulaimanijah aus. Der Kurde Talabani erholt sich nach offiziellen Angaben seit Ende 2012 in Deutschland von einem Schlaganfall. Näheres über seinen Gesundheitszustand ist nicht bekannt.

Das in einem kurdischen Fernsehsender gezeigte Video, dessen Echtheit nicht überprüft werden konnte, zeigt Talabani zunächst sitzend. Dann ist zu sehen, wie ein Wahlzettel in eine Kiste gesteckt wird. Unklar war, wann der Film entstanden ist. Auslands-Iraker konnten am Sonntag und Montag ihre Stimme abgeben. Auf den Straßen von Sulaimanijah ertönte ein Hupkonzert, Menschen schwenkten Fahnen von Talabanis Kurden-Partei und Männer gaben Freudenschüsse in die Luft ab.