Erstellt am 29. April 2015, 13:23

von APA/Red

300.000 Österreicher auf Bienen-/Wespenstiche allergisch. Für viele Menschen ist eine Blumenwiese ein Traum, für manche ein Albtraum: 300.000 Österreicher reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche.

Für sie ist der Aufenthalt im Freien mit einem nicht unbeträchtlichen Risiko verbunden. "Viele schränken ihr Freizeitverhalten massiv ein, weil sie Angst vor einem Stich haben", berichtete Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergiezentrum am Mittwoch.

Der Dermatologe erklärte bei dem Medientermin am Mittwoch in Wien, dass in Österreich jedes Jahr mehrere Menschen an Bienen- oder Wespenstichen sterben. "Aber nicht alle Jahre sind gleich stark betroffen", fügte Wolfgang Hemmer, Biologe im Floridsdorfer Allergiezentrum, hinzu.

Allergiker müssen sich hüten

Vor Bienen müssten sich die Allergiker jetzt im Frühling und zu Sommerbeginn schon hüten, während die Wespen eher im Spätsommer gefährlich werden. Hornissen stechen nur sehr selten, auch vor Hummeln muss man sich dem Experten zufolge im Normalfall nicht fürchten.

Bei Nicht-Allergikern endet ein Bienen- oder Wespenstich meist nur mit einer roten Hautstelle bzw. etwas Jucken. Bei Allergikern hat ein kleiner Stich oft große Wirkung. "Zwei Drittel der Allergiker reagieren mittelschwer, ein Drittel reagiert mit Bewusstlosigkeit", führte Gunter Sturm, stellvertretender Leiter des Allergieambulatoriums am Reumannplatz in Wien-Favoriten, die Folgen aus. Schlimmstenfalls können bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch eine allergische Schockreaktion auch Gehirnschäden auftreten.

Rasche Reaktion zur Notfalltherapie gefragt

Von einer Allergiereaktion spreche man laut Wöhrl, wenn mindestens zwei Organsysteme betroffen sind, zum Beispiel die Haut und die Lunge bzw. die Atemwege oder auch der Kreislauf. Die Reaktion erfolge rasch - daher ist auch eine rasche Reaktion zur Notfalltherapie gefragt. Allergiker, die um ihr Risiko wissen, sollten daher immer ein Notfallset - bestehend aus Tabletten und einer Adrenalin-Autoinjektion - bei sich tragen.

Auf lange Sicht kann eine Immuntherapie Abhilfe schaffen. "Durch eine korrekt ausgeführte spezifische Immuntherapie kann sich nahezu jeder Patient fast 100-prozentig schützen", so Sturm. Dabei wird dem Körper in kleinen Dosen Insektengift zugeführt, so wird er daran gewöhnt und reagiert bei einem Stich nicht mehr so stark darauf. Zum Unverständnis der Ärzte wird die Therapie bei den Betroffenen nicht so gut angenommen - obwohl die Krankenkasse eine volle Kostenübernahme gewährt. 15 Wochen lang müssen die Patienten einmal wöchentlich zur ambulanten Behandlung. "Dann ist der Schutz da", sagte Sturm. Um die Therapie erfolgreich abzuschließen, sind allerdings drei bis fünf Jahre lang monatliche Sitzungen notwendig - und das ist vielen Betroffenen zu zeitaufwendig.

"Die Allergie kann jeden treffen"

Insektengiftallergiker ist man auch nicht von Geburt an. "Die Allergie ist gerecht, sie kann jeden treffen", erklärte Wöhrl. Und sein Kollege Sturm ergänzte: "Wenn man in kurzen Abständen öfter gestochen wird, begünstigt das eine Allergie." 15 Prozent der Betroffenen sind nur auf das Gift der Bienen allergisch, 35 Prozent nur auf jenes der Wespen. Die Hälfte der Betroffenen reagiert auf das Gift beider Tiere allergisch. In Österreich leben jedoch nur wenige allergierelevante Insekten, zumindest vor giftigen Ameisen ist man in Europa gefeit.