Erstellt am 17. Oktober 2015, 19:04

von APA/Red

4.000 Flüchtlinge am Wochenende in der Steiermark erwartet. Nachdem Ungarn am Samstag seine Grenze zu Kroatien für Flüchtlinge de facto dicht gemacht hat, wird damit gerechnet, dass sich die Fluchtroute zunehmend vom Burgenland nach Südösterreich verlagert.

 |  NOEN, AFP

Bis Samstagnachmittag kamen zwar rund 3.500 Menschen im Burgenland an, aber auch die steirische Polizei rechnet am Wochenende mit bis zu 4.000 Flüchtlingen. In Kärnten war es vorerst ruhig. 

Slowenien brachte die über Kroatien einreisenden Menschen am Samstag in Bussen Richtung österreichische Grenze. "Die Flüchtlinge werden heute in den Unterkünften in Sentilj (Spielfeld an der österreichischen Seite, Anm.) und Gornja Radgona (Bad Radkersburg) untergebracht", sagte der Zivilschutz-Kommandant Srecko Sestan laut Privatsender POP TV am Vormittag. Insgesamt rechnete Slowenien am Samstag mit der Ankunft von rund 1.800 Flüchtlingen aus Kroatien.

Tatsächlich brachten slowenische Busse die Menschen dann jedoch bis knapp vor den Bundesstraßengrenzübergang in Spielfeld. Dort rechnet die Polizei am Samstag und Sonntag mit 3.000 bis 4.000 Flüchtlingen, die registriert, versorgt und dann auf Transitcenter aufgeteilt werden sollen, teilte ein Polizeisprecher auf APA-Anfrage mit.

Bis zum späten Samstagnachmittag kamen nach Angaben des Roten Kreuzes 450 Schutzsuchende an. Sie wurden in einem von Polizei und Roten Kreuz aufgebauten Registrier- und Versorgungssystem betreut. Rund 300 davon sollen in den nächsten Stunden mit Bussen in die Transitunterkunft im früheren Grazer Euroshoppingcenter in Webling gebracht werden, sagte Rotkreuzsprecher Valentin Krause zur APA.

Für die Abendstunden wird mit dem Eintreffen von zwei Sonderzügen an der Grenze gerechnet, jeder soll rund 600 Personen an Bord haben. Der erste soll zwischen 18.00 und 19.00 Uhr ankommen. Rund 1.500 Menschen können in Spielfeld kurzfristig in Zelten verweilen.

In Bad Radkersburg war das Rote Kreuz mit seiner Sammelstelle in Bereitschaft, hier waren rund 150 Flüchtlinge von den slowenischen Behörden angekündigt worden, die aber erst im Laufe des Abends eintreffen sollen.

Slowenien plant indes, täglich zwischen 2.000 bis 2.500 Flüchtlinge einreisen zu lassen. "Wir wollen den Zustrom unter Kontrolle haben", sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Bostjan Sefic, am Samstag bei einer Pressekonferenz in Ljubljana. Zudem will die slowenische Regierung die Armee an die Grenze zu Kroatien schicken.

2.000 bis 2.500 Flüchtlinge könnten normal registriert, untergebracht und verpflegt werden, begründet Sefic die begrenzte Aufnahme von Schutzsuchenden. Sollten die Flüchtlinge ihre Reise nicht in Richtung Westen fortsetzen können, werde Slowenien das Tageskontingent jedoch nach unten korrigieren.

Bis zum späten Samstagnachmittag überquerten nach Angaben des Innenministeriums 600 Flüchtlinge in Bussen die kroatisch-slowenische Grenze. Einige seien bereits nach Österreich weitergereist. Weitere 1.800 Flüchtlinge werden am Abend noch mit einem Zug aus der kroatischen Stadt Cakovec erwartet, womit das Tageslimit erreicht wäre. Daher würde Slowenien solange keine neuen Flüchtlinge aufnehmen, "bis einige Slowenien wieder verlassen haben", kündigte Sefic an. Asylantrag sei bisher keiner gestellt worden.

Sollten Österreich und Deutschland ihre Maßnahmen in der Flüchtlingskrise verschärfen, wird auch Slowenien das machen müssen, so der Premier. "Slowenien wünscht sich keine Europa mit Mauern", betonte Cerar. Bei Bedarf schloss er allerdings Maßnahmen "zur technischen Sicherung der Grenze" nicht aus.

Kurz bevor Ungarn um Mitternacht seine Grenze zu Kroatien für Flüchtlinge abriegelte, sind am Freitag nach ungarischen Polizeiangaben noch einmal 6.300 Menschen eingereist. Das erklärt auch, weshalb die Anzahl der Flüchtlingsankünfte im Burgenland am Samstag vorerst nicht abnahm. Waren es am gesamten Freitag 4.800 Menschen, überquerten bis zum späten Samstagnachmittag 3.500 die ungarisch-österreichische Grenze in Nickelsdorf, wie die Polizei auf APA-Anfrage bekannt gab. Es werde jedoch noch ein weiterer Sonderzug mit 600 Flüchtlingen erwartet, hieß es. Weitere könnten folgen, allerdings gestalte sich die Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden gewohnt schwierig.

Es wird erwartet, dass sich die Flüchtlingsroute in den kommenden Tagen zunehmend nach Süden verlagert. In Folge der Grenzschließung Ungarns werde "aller Voraussicht nach" in etwa die gleiche Anzahl an Flüchtlingen, die bisher über Ungarn in Österreich eingetroffen sind, künftig an den Südgrenzen Österreichs erwartet, hieß es am Samstag aus dem Innenministerium.

An der slowenisch-kärntnerischen Grenze war die Lage am Samstag vorerst ruhig. Ob bzw. wie viele Menschen dort den Weg über die Grenze finden, würden die nächsten Tage zeigen, hieß es vonseiten der Polizei. Man stehe jedenfalls mit den slowenischen Behörden in Kontakt, um unverzüglich reagieren zu können.

Auch in Salzburg war die Situation am Samstag vergleichsweise entspannt. Die bayrischen Behörden übernahmen am Vormittag rund 30 Leute pro Stunde, am Nachmittag wurde den Flüchtlingen jedoch vorübergehend untersagt, die Grenze nach Deutschland zu überqueren. Grund waren Demonstrationen in Freilassing - eine Kundgebung der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" (AfD) und eine Gegenveranstaltung.

Auch die Notquartiere am Bahnhof und in der alten Autobahnmeisterei waren zu Beginn des Wochenendes nur schwach belegt, an der Grenze warteten nach Angaben der Stadtregierung rund 300 Personen.