Erstellt am 22. September 2014, 20:32

400 Bürger bei Asyl-Versammlung am Semmering. Rund 400 Bewohner vom obersteirischen Spital am Semmering haben am Montag bei einer Bürgerversammlung ihrem Ärger über das vom Innenministerium im "Hotel Haus Semmering" eingerichtete Asyl-Großquartier Luft gemacht.

Sie hatten kein Verständnis für die Aufnahme von solchen "Massen" und wollten wissen, wer das bezahle und wo die Familien seien: "Wir sehen nur junge Männer", so eine Frau besorgt.

Bürgermeister Reinhard Reisinger (SPÖ) erklärte, er mache sich momentan strafbar, weil er die bisher 141 eingelangten Flüchtlinge im neuen Quartier nicht angemeldet habe: "Ich habe alle Anmeldungen an Innenministerin Mikl-Leiter (ÖVP) weitergeleitet und ihr geschrieben, dass ich keine Kapazität habe, die alle anzumelden."

Dafür erntete das Gemeindeoberhaupt Applaus vom Publikum, das immer wieder mit teils untergriffigen Zwischenrufen seine Meinung äußerte. Für entgeistertes Gemurmel sorgte Reisingers Auskunft, dass derzeit noch Touristen im selben Quartier wohnen, weil sie schon gebucht hatten: "Die verlassen teilweise wutentbrannt das Hotel."

"Nicht nur Steinhaus, sondern ganz Österreich braucht keine Flüchtlinge"

Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (SPÖ) appellierte, dass die Aufnahme dieser Kriegsflüchtlinge eine "zutiefst soziale Frage" sei. Er stehe nicht dafür zur Verfügung, dass diese Menschen im Freien im Regen stehen gelassen werden. Dennoch meinte er: "Was hier passiert ist, ist nicht in Ordnung." Er sei überzeugt, dass die Menschen auch wieder wegziehen werden. Dafür gab es aus dem Publikum nur lautes Gelächter. Ein älterer Bewohner meinte gar: "Nicht nur Steinhaus, sondern ganz Österreich braucht keine Flüchtlinge."

Die meisten Sorgen der Bevölkerung hingen damit zusammen, dass es sich bei den angekommenen Flüchtlingen mehrheitlich um junge Männer handle: Jeder habe ein Handy, wer bezahlt das? Werden die Menschen gesundheitlich untersucht, bevor sie herkommen? Wo sind die Familien? So lauteten die Fragen der Bewohner. "Es geht nicht um die Frauen und Kinder, sondern die Männer, die rudelweise auftreten. Da hat man Angst," sagte eine Bewohnerin.

Der stellvertretende Landespolizeidirektor Manfred Komericky versuchte die Ängste zu nehmen: "Die Menschen sind geflüchtet und haben Anspruch auf Schutz und Bedürftigkeit.""Wir brauchen sie aber trotzdem nicht da", lautete es sofort aus dem Publikum. Komericky sagte, man habe den nächstgelegenen Polizeiposten - jener in der Gemeinde wurde erst zuletzt geschlossen - um zwei weitere Beamte sowie einen zusätzlichen Streifenwagen aufgestockt. Im Bedarfsfall könnten noch mehr abgestellt werden.

Vizebürgermeisterin Maria Fischer (SPÖ) kündigte an: "Das war sicher nicht die letzte Bürgerversammlung. Die nächste wird wo sein, wo wir uns noch mehr Gehör verschaffen." Sie hatte schon im Vorfeld eine Blockade der S6, Semmering Schnellstraße, ins Auge gefasst. Nur wenige Wortmeldungen aus dem Publikum waren gemäßigt: Eine Bewohnerin habe selbst schon Flüchtlinge unterrichtet und hoffe auf mehr Entgegenkommen: "Das sind alles nur Menschen."