Erstellt am 01. April 2015, 12:11

von APA/Red

428.519 im März ohne Job. Die Arbeitslosigkeit ist im März in Österreich weiter gestiegen und bleibt damit auf Rekordniveau: Ende März waren 428.519 Menschen ohne Job, um 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg im Jahresabstand um 0,9 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent.

Ende März gab es 360.212 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 12,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim AMS verringerte sich um 17,8 Prozent auf 68.307 Personen, teilte das Sozialministerium am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Trotz schwächelnder Wirtschaft ist die Beschäftigung in Österreich im März weiter gestiegen. Die Zahl der aktiv unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich per Ende März laut einer vorläufigen Prognose um 14.000 Personen (+0,4 Prozent) auf 3,398 Millionen. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen ist um 915 (-3,4 Prozent) auf 26.252 zurückgegangen.

Die Arbeitslosenzahlen steigen nun bereits seit August 2011 und die Arbeitslosenquote liegt auf dem höchsten Stand seit den 1950er-Jahren. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) erwartet auch in den nächsten Monaten keine merkliche Besserung. "Die Situation am österreichischen Arbeitsmarkt auch Ende März ist noch ein gutes Stück von einer nachhaltigen Erholung entfernt", so Hundstorfer.

Die Steuerreform und das geplante Wohnbauprogramm sollen nun die heimische Konjunktur ankurbeln. "Allerdings wird die Belebung der Konsum- und Baunachfrage wohl erst im nächsten Jahr entsprechende Auswirkungen zeigen", betonte Hundstorfer am Mittwoch zu den aktuellen Arbeitslosenzahlen. Kurzfristig werde der schwächere Euro über die Belebung des Außenhandels und der niedrige Ölpreis Konjunkturimpulse bringen. Der Sozialminister erwartet, dass Österreich - mit etwas Verzögerung - dem positiven Konjunkturpfad Deutschlands folgen wird.

Überdurchschnittlich stark vom Anstieg der Arbeitslosigkeit Ende März betroffen waren erneut Ausländer (+22,2 Prozent), Ältere ab 50 Jahren (+16,2 Prozent) und Behinderte Personen (+17,0 Prozent). Im Vergleich etwas besser entwickelte sich die Lage bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre), hier war nur ein Zuwachs um 5,7 Prozent zu verzeichnen. Die Arbeitslosenzahlen stiegen bei Männern (+14,9 Prozent) deutlich stärker als bei Frauen (+9,9 Prozent).

Nach Bundesländern betrachtet stieg die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in acht Bundesländern, in Tirol wurde ein kleiner Rückgang (-1,1 Prozent) verzeichnet. Der stärkste Zuwachs war in Wien zu verzeichnen mit 23 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 12,4 Prozent und Niederösterreich mit 12,0 Prozent.

Nachdem die Schulungsstrategie des AMS geändert wurde, sind die Schulungsteilnahmen zum Teil stark rückläufig. Oftmals kritisierte Kurz-Kurse des AMS werden zurückgefahren, demgegenüber werden mehr vertiefte Schulungen und Ausbildungen angeboten. Die Schulungsteilnahmen gingen in Wien mit 29,7 Prozent und im Burgenland mit 16,4 Prozent am stärksten zurück, in Tirol blieben sie unverändert.

Den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit nach Branchen gab es Ende März im Bereich der Leiharbeit (+16,4 Prozent) und am Bau (+14,3 Prozent). Der geringste Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde im Tourismus mit 2,3 Prozent verzeichnet.

Mehr Arbeitsplätze gibt es derzeit laut Hundstorfer lediglich im Tourismus, im Gesundheitswesen, im Transportwesen sowie im Kommunikations- Informationsbereich. In den noch stärker konjunkturabhängigen Branchen Warenproduktion und am Bau sei die Zahl der Beschäftigten hingegen nach wie vor rückläufig.

Im europäischen Vergleich steht Österreich bei der Arbeitslosigkeit aber gut da: Österreich verzeichnete mit 5,3 Prozent im Februar die zweitniedrigste Arbeitslosenrate (EU-Definition) hinter Deutschland (4,8 Prozent). Schlusslicht ist weiterhin das schuldengeplagte Griechenland mit 26,0 Prozent, wobei die Athen-Daten noch vom Dezember 2014 stammen. Im Jahresabstand ist die Arbeitslosigkeit sowohl in der Eurozone als auch in der EU im Februar deutlich zurückgegangen. In der Währungsunion von 11,8 auf 11,3 Prozent, in der gesamten Europäischen Union von 10,5 auf 9,8 Prozent.

Die Arbeitslosenquote soll in Österreich bis zum Jahr 2018 auf 10 Prozent steigen und im Jahr 2019 bei 9,9 Prozent liegen, geht aus einer aktuellen Prognose des Forschungsinstituts Synthesis für das Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. Die Synthesis-Ökonomen rechnen für den Zeitraum 2015 bis 2019 mit einem durchschnittlichen Zuwachs des österreichischen Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent.

Aufgrund der anhaltenden Wachstumsschwäche in Europa und der fehlenden Dynamik im Welthandel werde Österreichs Exportwirtschaft nur sehr schwache Wachstumsraten erzielen können. Gleichzeitig würden wesentliche Impulse durch Investitionen oder Konsum in Österreich ausbleiben.

Die Arbeitsmarktökonomen weisen auch auf den anhaltenden Anstieg des Arbeitskräfteangebots in Österreich hin. "Die Auswirkungen der Arbeitsmarktöffnung für die neuen EU-Mitgliedsstaaten schwächen sich erst ab 2016 geringfügig ab. Insgesamt werden während des Prognosezeitraums rund 212.400 zusätzliche Arbeitskräfte am österreichischen Arbeitsmarkt aktiv", heißt es im Forschungsbericht.