Erstellt am 02. April 2015, 13:09

von APA/Red

550 Studenten nach Anschlag in Kenia vermisst. Nachdem Bewaffnete der islamistischen Al-Shabaab-Miliz am Donnerstag einen Universitätscampus der kenianischen Stadt Garissa gestürmt haben, gelten weiterhin 550 der 815 Personen als vermisst.

Das berichtete der Sender "CNN" unter Verweis auf Regierungsvertreter. Die Bewaffneten halten nach eigenen Angaben "nicht-muslimische" Studenten in ihrer Gewalt. Einer der Angreifer konnte gefasst werden.

15 Menschen getötet und 65 verwundet

Bei dem Angriff wurden laut einer aktuellen Bilanz der Polizei 15 Menschen getötet und 65 verwundet. Die Angreifer brachten offenbar hunderte Geiseln in ihre Gewalt. Man habe alle Muslime gehen lassen, erklärte ein Sprecher der Miliz und würde nun "die anderen als Geiseln festhalten". Das Innenministerium teilte mit, drei der vier Wohngebäude, in denen Hunderte Studenten untergebracht sind, evakuiert zu haben. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden 50 Studenten "befreit".

"Die Angreifer sind gegen 5.30 Uhr (Lokalzeit) gewaltsam in die Universität von Garissa eingedrungen, indem sie auf die Wachleute am Eingang schossen", erklärte der kenianische Polizeichef Joseph Boinnet in einer Aussendung: "Im Inneren des Campus haben sie dann blind das Feuer eröffnet." Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Augenzeugen drangen die Angreifer anschließend in die Schlafsäle der Studenten ein.

Islamistische Al-Shabaab-Miliz zur Tat bekannt

Zu der Tat bekannte sich nach Angaben der US-Botschaft in Nairobi die islamistische Al-Shabaab-Miliz, wie "CNN" berichtete. Die Anzahl der Angreifer war vorerst nicht bekannt, ein nairobischer Blogger erklärte gegenüber "CNN" es handle sich "vermutlich um mehr als zehn". Zeugen berichteten, die Männer würden sich schwere Gefechte mit Sicherheitskräften liefern. Das Gelände wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt, die Behörden forderten die Bevölkerung auf, dem Campus fern zu bleiben.

Der kenianische Zeitung "Standard" zitierte einen Sicherheitsbeamten mit den Worten, es habe zuvor Drohungen einer Terrorgruppe gegen die Universität gegeben. Auch eine Studentin der Universität erklärte gegenüber Reuters, kürzlich seien "Fremde" in der Stadt und auf dem Campus von Garissa gesehen worden, von denen man angenommen habe, es handle sich um "Terroristen". Ein Teil der Universität sei daraufhin geschlossen worden, nicht jedoch der gesamte Campus. Garissa hat etwa 120.000 Einwohner und liegt rund 330 Kilometer östlich der Hauptstadt Nairobi unweit der Grenze zu Somalia.

Kampf um Gottesstaat

Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab aus dem Nachbarland Somalia kämpft seit Jahren am Horn von Afrika für einen sogenannten Gottesstaat. Sie terrorisieren Christen und gemäßigte Muslime. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert in Afrika auch mit den Islamisten von Boko Haram, die in Nigeria blutigen Terror verbreiten, auch in Kenia verübt sie immer wieder Anschläge.

Erst im Dezember hatten Unbekannte eine Granate in ein Cafe in Garissa geworfen und zwei Menschen verletzt. Im April 2013 attackierten vier Männer ein Hotel in der Stadt und töteten sechs Menschen. Auch in Nairobi schlugen Terroristen bereits zu. Bei einem Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi waren im September 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.