Erstellt am 24. August 2015, 11:03

von APA Red

66-Jähriger wegen Missbrauchs von Enkelin vor Gericht. Am Landesgericht Klagenfurt hat sich am Montag ein 66-jähriger Pensionist verantworten müssen. Dem Kärntner wird vorgeworfen, seine zur Tatzeit dreijährige Enkeltochter sexuell missbraucht zu haben.

 |  NOEN, APA (Symbolbild)

Als sich das Mädchen seiner Mutter anvertraute, erstattete diese sofort Anzeige. Der bisher unbescholtene Pensionist bekannte sich schuldig, bestritt aber die Schwere der Tat.

Staatsanwältin Johanna Schunn hatte eine Verurteilung im Sinne der Anklage, also für schweren sexuellen Missbrauch, gefordert, die Verteidigung hatte mit Verweis auf die Einsicht des Mannes ein mildes Urteil erbeten.

Der Pensionist habe laut Staatsanwaltschaft Gelegenheiten gesucht, bei denen er nicht gestört würde. Er habe "ein besonderes Interesse" für das Mädchen gehegt. Die Dreijährige habe ihn laut Einvernahmeprotokoll "drei, vier Mal" gebeten, er möge mit den Übergriffen aufhören. Nach einem Vorfall habe das Mädchen seiner Mutter aber mitgeteilt, was passiert sei, "obwohl es Angst hatte, selbst etwas falsch gemacht zu haben".

"Seelisch habe ich vielleicht etwas angestellt"

Der Verteidiger des Angeklagten bestätigte, dass es zu den Übergriffen gekommen sei - er bestritt aber deren Schwere. Auf dieser Linie blieb auch der Angeklagte. Bei der Polizei habe er den schweren Missbrauch zugegeben, weil er sich unter Druck gesetzt gefühlt habe. "Seelisch habe ich vielleicht etwas angestellt, aber ich wollte meiner Enkelin nie wehtun. Es ist eine traurige Geschichte, was mir da passiert ist, es tut mir leid."

Die Angaben seiner Enkelin bezeichnete er teilweise als "weit hergeholt" - "ich weiß nicht, woher sie das hat". Warum habe er die Vorwürfe bisher nicht aufgeklärt, wenn die Übergriffe nicht so schwer waren, wie bei der Polizei angegeben, wollte Richter Oliver Kriz wissen, der dem Schöffensenat vorsaß. "Ich weiß es nicht", sagte der Angeklagte. Und auf die Frage, ob er sich in diesem Prozess als Opfer oder Täter fühlte, antwortete der Angeklagte: "Beides eigentlich."

In seiner Urteilsbegründung verwies Richter Oliver Kriz, der dem Schöffensenat vorsaß, auf die Parkinson-Erkrankung des Mannes und die Medikamente, die der Angeklagte nehmen musste - diese hätten auch eine enthemmende Wirkung gehabt.

Bei dem ersten Angriff des Mannes auf die damals Dreijährige könne man deshalb keine Schlüsse über die Zurechnungsfähigkeit des Mannes mehr ziehen. Sehr wohl aber bei den vier oder fünf Angriffen, die noch folgen sollten. Als mildernd hätten sich auch das Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit des Mannes ausgewirkt.