Erstellt am 06. August 2015, 22:32

von APA/Red

Japan gedenkt Hiroshima-Atomangriff. Japan hat am Donnerstag den 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs der USA auf Hiroshima begangen.

Tausende Menschen gedachten der Opfer  |  NOEN, APA (epa)

Um 8.15 Uhr Ortszeit (1.15 Uhr MESZ) versammelten sich Regierungschef Shinzo Abe, ausländische Abgesandte wie die US-Botschafterin Caroline Kennedy und Zehntausende weitere Menschen zu einer Schweigeminute im Friedensdenkmal-Park der Stadt.

Forderungen an internationale Gemeinschaft

Um diese Uhrzeit hatte am 6. August 1945 eine US-Atombombe Hiroshima in ein Inferno verwandelt. Rund 140.000 Menschen starben sofort oder in den folgenden Monaten. An der jährlichen zentralen Gedenkveranstaltung nahmen auch Abgesandte aus 100 Ländern teil, so viele wie nie zuvor.

Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui verdammte Atomwaffen während der Gedenkzeremonie: "Um zu koexistieren, müssen wir das absolut Böse und die endgültige Unmenschlichkeit abschaffen, die Atomwaffen darstellen." Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt handeln, forderte Matsui.

Drei Tage nach dem Angriff auf Hiroshima hatte die US-Armee eine zweite Atombombe über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen, die weitere 70.000 Zivilisten tötete. Bis heute leiden tausende Menschen unter den Spätfolgen der nuklearen Verseuchung.

Keine offizielle Entschuldigung für Atombombenangriffe

Die Atombombenangriffe sind bis heute umstritten. Die meisten US-Bürger finden sie nach wie vor gerechtfertigt. Viele Historiker halten den Einsatz hingegen für nicht kriegsentscheidend, obwohl Japans Kapitulation am 15. August folgte.

Japan hatte im Zweiten Weltkrieg zusammen mit Hitler-Deutschland gegen die Sowjetunion und deren westliche Verbündete gekämpft. Nach dem Krieg wurde das Land zu einem wichtigen Partner der USA, die sich nie offiziell für die Atombombenangriffe entschuldigten.

Kurz vor dem 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs hatte Abes Regierung eine Sicherheitsreform auf den Weg gebracht, die Japan erstmals Militäreinsätze an der Seite der USA im Ausland erlaubt. Die USA mit ihrem atomaren Schutzschild sind heute der wichtigste Sicherheitspartner des fernöstlichen Inselreichs. 

Nordkorea soll Atomwaffenprogramm aufgeben

Auch die EU betonte die Bedeutung der Nicht-Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verwies am Donnerstag auf das jüngste Atomabkommen mit dem Iran.

Im Rahmen des Treffens der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN diese Woche in Kuala Lumpur wolle die EU Druck auf Nordkorea ausüben, damit das Land sein Atomwaffenprogramm aufgebe, sagte Mogherini. "Wir tragen noch immer die Verantwortung dafür sicherzustellen, dass die Opfer von Hiroshima und Nagasaki die letzten durch Atombomben waren", sagte Mogherini.

EU-Kommissar Johannes Hahn erklärte auf "Twitter": "Der 70. Jahrestag von Hiroshima erinnert uns daran, wie wichtig es ist, für Frieden und für eine Welt ohne Atomwaffen ist. Für eine bessere Zukunft", so Hahn.

"Bilder des Leids erschüttern bis heute"

Auch in der Wiener Innenstadt hat eine Gedenkveranstaltung stattgefunden. Rund 80 Menschen nahmen an der Kundgebung am Stephansplatz und am anschließenden Friedensmarsch zum Karlsplatz teil.

"Die Bilder der atomaren Zerstörungskraft und des Leids der betroffenen Menschen erschüttern bis heute", hieß es in einer Grußbotschaft von Bundespräsident Heinz Fischer im Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe vom 6. und 9. August 1945 auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. "Wir dürfen nie vergessen, welche verheerenden Konsequenzen der Einsatz von Atomwaffen hat", so Fischer weiter.

Fischer unterstrich weiters die Relevanz des Wiener Atomabkommens mit dem Iran. Dieses würde "zurecht als historisch bezeichnet" und sei ein Zeichen dafür, dass sich ein "friedlicher Weg der Diplomatie" lohne.

Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland hatten sich Mitte Juli nach 13-jährigem Streit mit dem Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Die iranische Regierung verpflichtet sich darin zu tief greifenden Einschnitten bei der Urananreicherung und akzeptiert internationale Kontrollen. Im Gegenzug sollen die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.