Erstellt am 28. August 2015, 17:50

von APA Red

82 Tote vor Libyen geborgen, über 100 Vermisste. Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der libyschen Küste sind bis Freitagvormittag 82 Leichen geborgen worden.

 |  NOEN, APA (epa)

82 Leichen wurden bis Freitagmittag geborgen, über 100 Menschen werden noch immer vermisst, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Mitarbeiter der Hilfsorganisation Roter Halbmond, Ibrahim al-Attoushi. Etwa 198 Personen wurden demnach gerettet.

Insgesamt etwa 400 Flüchtlinge an Bord

147 seien in ein Lager westlich der Hauptstadt Tripolis gebracht worden. Insgesamt befanden sich an Bord des Schiffes etwa 400 Flüchtlinge. Der britische Sender BBC zeigte Freitagfrüh Fernsehbilder von zahlreichen Leichensäcken. Mindestens 100 Leichen seien in das Krankenhaus von Zuwara westlich von Tripolis gebracht worden, sagte ein Anrainer dem Sender.

Aktivisten des Zuwara-Medienzentrums sprachen von 65 Leichen, die in die Stadt gebracht wurden. Eine Sprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in Libyen sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe sehr unterschiedliche Zahlen, die bisher nicht verifiziert werden konnten.

Bereits am Donnerstagabend war ein kleineres Flüchtlingsboot gekentert. Mindestens 30 Personen kamen dabei ums Leben. Die meisten der geborgenen Flüchtlinge kamen aus afrikanischen Ländern, wie die libysche Küstenwache mitteilte. Zwölf Tote, darunter Kinder, seien geborgen worden, erklärte die Hilfsorganisation Migrant Report in Malta unter Berufung auf Behörden in Libyen. "Es ist ein totales Chaos, wir haben kaum Ressourcen für eine kleine Rettungsaktion, geschweige denn für so etwas", zitierte die Organisation einen Behördenvertreter.

1.430 Menschen am Donnerstag gerettet 

Die italienische Küstenwache, die auch Rettungseinsätze vor der libyschen Küste koordiniert, erklärte, zu der möglichen neuen Katastrophe seien bei Ihnen keine Notrufe eingegangen. Es seien aber in verschiedenen Einsätzen im Mittelmeer 1.430 Menschen am Donnerstag gerettet worden. Unter anderem habe ein Handelsschiff einem Holzboot mit 125 Flüchtlingen Hilfe geleistet. Auf dem Boot seien zwei Tote geborgen worden.

Libyen ist zum wichtigsten Ausgangspunkt für Fluchten über das Mittelmeer geworden. Täglich versuchen derzeit Hunderte Menschen, von Afrika nach Europa zu gelangen. Dabei kommt es immer wieder zu Unglücken. Zuwara nahe der tunesischen Grenze ist eine Hochburg von Schleppern, die Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien bringen.

Seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versinkt das ölreiche Land im Chaos. Derzeit konkurrieren zwei Regierungen und zwei Parlamente miteinander. Zudem bekämpfen einander zahlreiche Milizen. Gespräche über eine friedliche Lösung der Krise unter Vermittlung der UNO kommen nur schleppend voran. Das Chaos machen sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Extremisten zunutze, die zahlreiche Gebiete beherrschen.

Seit Beginn des Jahres haben nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 300.000 Flüchtlinge den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa genommen. Rund 2.500 Menschen seien dabei ums Leben gekommen, teilte die UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming mit. Fast 200.000 Menschen erreichten demnach Griechenland, weitere 110.000 gelangten nach Italien. Im Vorjahr flohen insgesamt 219.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa, so Fleming.

Der EU-Militäreinsatz gegen Schlepper im Mittelmeer soll demnächst ausgeweitet werden. Nach Einschätzung des zuständigen Befehlshabers könnten Soldaten bereits im Oktober damit beginnen, außerhalb der libyschen Küstengewässer fahrende Schiffe von Menschenschmugglerbanden zu stoppen und zu zerstören, wie es am Freitag aus EU-Kreisen hieß. Mutmaßliche Kriminelle müssten mit einer Festnahme rechnen.

Derzeit ist die Militäroperation auf das Sammeln von Informationen über Schlepperrouten und -netzwerke und die Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen begrenzt. Nach Angaben aus EU-Kreisen wurden die Mitgliedstaaten nun gebeten, zügig die politische Entscheidung für eine Ausweitung der Operation zu treffen. Die Weichen dafür könnten bereits in der kommenden Woche beim informellen Treffen der Verteidigungs- und Außenminister in Luxemburg gelegt werden, hieß es.