Erstellt am 25. Juni 2015, 11:34

93,45 Prozent der Wiener KAV-Ärzte sind bereit zum Streik. Der Zank zwischen Stadt Wien und Medizinern dürfte kein baldiges Ende nehmen: 93,45 Prozent der Ärzte in den Gemeindespitälern haben bei einer Befragung ihre Streikbereitschaft signalisiert.

 |  NOEN, APA (Archiv/Fohringer)

Das teilte die Kammer am Donnerstag per Aussendung mit. Ob es tatsächlich zu Kampfmaßnahmen kommt, wird die Kurie angestellte Ärzte am Mittwoch beraten bzw. eventuelle Schritte beschließen.

Grund für das von der Standesvertretung initiierte Votum ist der inzwischen monatelange Streit rund um die Umsetzung der neuen Arbeitszeitrichtlinien für Spitalsärzte. Knackpunkt war dabei bis zuletzt vor allem die Bezahlung der Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste. Die Ärztekammer fordert eine zusätzliche Abgeltung dieser Dienste. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) verweigert diese u.a. mit Verweis auf die bereits beschlossene 30-prozentige Anhebung der Ärztegrundgehälter.

58,13 Prozent der insgesamt 3.809 stimmberechtigten Ärzte in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) beteiligten sich an der Befragung. Dabei sprachen 2.069 Mediziner ihre Streikbereitschaft aus, 83 Personen erklärten, sich gegebenenfalls nicht an einer Arbeitsniederlegung zu beteiligen. 62 Stimmen waren ungültig.

Der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sah darin gegenüber der APA "ein eindeutiges Zeichen und einen eindeutigen Auftrag". Er rechnet mit einem Streikbeschluss der Kurie am 1. Juli. Dabei werde man auch festlegen, wann und in welcher Form protestiert werden soll. Dennoch sei er "jederzeit gesprächsbereit": "Ich habe trotzdem die Hoffnung, dass es noch zu einer Einigung kommt und kein Streik notwendig ist."

"Schlüsselpunkt" sei dabei, dass genug Personal vorhanden sei, um den Betrieb in den Gemeindespitälern aufrechtzuerhalten. Denn schon jetzt komme es teilweise zu für die Patienten spürbaren Engpässen. Aber auch die bessere Honorierung der Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sei eine Forderung, die von der Mehrheit der Ärzte immer wieder zu hören sei. Die Ärztekammer hatte zuletzt zusätzlich 200 Euro pro Nachtdienst und 300 Euro pro Wochenend- bzw. Feiertagsdienst gefordert.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hatte das jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass so eine Erhöhung die Stadt zusätzlich zur bereits beschlossenen stufenweisen Anhebung der Grundgehälter um gut 30 Prozent noch einmal 25 Millionen Euro extra kosten würde. Zudem gebe es bereits Abschlüsse im AKH und in den Wiener Ordensspitälern, von dem sich letzterer an dem Paket für den KAV orientiere. Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG), die dem KAV-Paket bereits vor Monaten zugestimmt hat, hat einen Streik bereits ausgeschlossen.