Erstellt am 28. Oktober 2015, 09:49

Abgas-Skandal sorgt bei VW für Milliardenverlust. Der Abgasskandal hat Volkswagen den ersten Quartalsverlust seit mindestens 15 Jahren eingebrockt. Der Wolfsburger Konzern wies am Mittwoch für den Zeitraum Juli bis September einen Betriebsverlust (EBIT) von rund 3,5 Mrd. Euro aus.

 |  NOEN, APA (AFP)

Vor einem Jahr hatte ein Gewinn von 3,3 Mrd. Euro zu Buche gestanden. Auch unter dem Strich ist das Ergebnis mit minus 1,7 Mrd. Euro nun tiefrot.

Die Rückstellungen für die millionenfachen Rückrufe von Dieselfahrzeugen wegen der Manipulation von Abgaswerten stockte Volkswagen leicht auf 6,7 Mrd. Euro auf. Im September hatte der Konzern die Summe von 6,5 Milliarden Euro genannt.

Wegen der Belastungen musste der Vorstand um den neuen Konzernchef Matthias Müller die Jahresziele anpassen: Das operative Ergebnis des Konzerns und des Bereichs Pkw werde 2015 deutlich dem des Vorjahres liegen. Die operative Rendite des Konzerns solle vor Sondereinflüssen zwischen 5,5 und 6,5 Prozent liegen, die des Bereichs Pkw zwischen 6,0 und 7,0 Prozent. Bisher hatte Volkswagen diese Spanne ohne Herausrechnung von Sonderbelastungen in Aussicht gestellt.

Der neue Konzernchef Matthias Müller macht übrigens die Zahlenvorlage zur Chefsache: Er wird sich, anders als zuletzt sein Vorgänger Martin Winterkorn, gegen Mittag persönlich den Fragen von Journalisten und Analysten stellen. In den Zeiten vor dem Abgas-Skandal standen stets nur der Finanz- und Vertriebsvorstand Rede und Antwort in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.

Auch die VW-Dachgesellschaft Porsche SE rechnet wegen des Abgasskandals in diesem Jahr mit deutlich weniger Gewinn als ursprünglich geplant. Die Porsche SE für 2015 geht nur noch von einem Nachsteuergewinn zwischen 800 Mio. Euro und 1,8 Mrd. Euro aus, wie die Holding am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Im Vorjahr hatte die Porsche SE nach Steuern noch 3 Mrd. Euro Gewinn gemacht und hatte ursprünglich mit einem Nachsteuergewinn von 2,8 bis 3,8 Mrd. Euro gerechnet.

Ihre Quartalsbilanz legt die Holding am 10. November vor. Die Holding war einst gegründet worden, um den Volkswagenkonzern zu übernehmen. Sie hält die Mehrheit an VW und verdient fast ausschließlich an dieser Beteiligung. Das operative Geschäft des Sportwagenbauers ist inzwischen eine 100-prozentige Tochter von VW.

Europas größter Autokonzern hatte Mitte September eingeräumt, mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Es drohen Milliardenkosten für Rückrufe und wegen Strafzahlungen und Klagen.

Unterdessen nimmt die juristische Aufarbeitung des Abgas-Skandals Fahrt auf. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete gegen mehrere Mitarbeiter des Autobauers Ermittlungsverfahren ein. Das sagte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der Branchenzeitung "Automobilwoche".

Bisher hatte es zwar ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Betrug gegeben, zunächst jedoch ohne konkrete Beschuldigte. Über die Identität der Beschuldigten wollte die Sprecherin keine Angaben machen, es gehe allerdings nicht um die erste Führungsriege des Konzerns. Das Verfahren könne sich aber noch ausweiten. Anfang Oktober hatten die Ermittler bei einer Razzia in der Wolfsburger Konzernzentrale Unterlagen und Datenträgern beschlagnahmt.

Unterdessen hat die Nachfrage nach Autos in China nach Ansicht von VW-Markenchef Herbert Diess die Spitze noch nicht erreicht. Allerdings schwächten sich die Wachstumsraten ab, sagte Diess am Mittwoch vor Journalisten auf einer Autoshow in Tokio. Der Schwerpunkt des Marktes verschiebe sich wahrscheinlich von den großen Städten hin zu kleineren Regionen.

China ist der größte Absatzmarkt für VW. Das Land sorgte in der jüngeren Vergangenheit für mehr als die Hälfte der Gewinne. Im September war erstmals seit sechs Monaten der Autoabsatz in China wieder leicht gestiegen.