Erstellt am 09. Oktober 2015, 12:15

von APA/Red

US-Bundesstaat Texas verklagt VW und Audi. Der Abgasskandal bringt Volkswagen und Audi in den USA weiter in Bedrängnis.

Absichtliche Irreführung  |  NOEN, APA (AFP)

Der US-Bundesstaat Texas verklagt die beiden Landesgesellschaften des Autobauers wegen des Verstoßes gegen Verbraucherschutz- und Umweltgesetze. Von den US-weit rund 480.000 von den Dieselmanipulationen betroffenen Fahrzeugen sind nach Angaben des Staats rund 32.000 in Texas verkauft worden.

Kunden absichtlich in die Irre geführt

Volkswagen habe seine Kunden absichtlich über Jahre in die Irre geführt, teilte der Justizminister und Generalstaatsanwalt des Staates, Ken Paxton, am Donnerstag in der texanischen Hauptstadt Austin mit. Wenn Firmen vorsätzlich das Vertrauen der Öffentlichkeit verletzten, müsse eine Strafe bezahlt werden, heißt es in der Erklärung. Einen Tag nach der Großrazzia bei Volkswagen reißen damit die schlechten Nachrichten für Europas größten Autobauer nicht ab.

Am Donnerstag hatte sich der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, vor den amerikanischen Kongress in Washington für die Manipulationen entschuldigt. Unter Eid hatte er dabei erklärt, nichts von einem Defeat Device (Betrugssoftware) in den Autos gewusst zu haben. Erst kurz vor einem Treffen mit der US-Umweltbehörde EPA am 3. September sei er über die Installation zum Austricksen der Abgas-Tests informiert worden. Horn sagte, der Einbau der Betrugssoftware sei keine Unternehmensentscheidung gewesen.

Als Konsequenz aus dem Abgasskandal will VW nach Medieninformationen ein neues Vorstandsressort für Recht und Compliance schaffen, das Gesetzesverstöße künftig verhindern soll. Das sei "der nächste logische Schritt", heiße es in Kreisen des Unternehmens, berichtete der Rechercheverbund von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR (Freitag).

Gespräche mit möglichen Kandidaten für dieses Amt würden bereits geführt. Insider rechneten damit, dass der neue Posten bereits in den nächsten zwei bis drei Wochen besetzt werden könnte. VW denke darüber nach, es gebe aber noch keine Entscheidung darüber, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen.

Verantwortlichen für Compliance seit 2011

VW hatte 2011 einen Verantwortlichen für Compliance, also die Einhaltung von Regeln, berufen, der an den Vorstandschef berichtete. Dazu fasste Europas größter Autobauer damals die Zuständigkeiten für Korruptionsbekämpfung, die Bewertung von Unternehmensrisiken und die Durchsetzung entsprechender Richtlinien zusammen. Andere große Konzerne wie Siemens und Daimler haben bereits vor einigen Jahren Vorstandsressorts für Recht eingeführt, um Compliance-Verstöße zu verhindern.

VW steht seit rund drei Wochen wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte unter großem Druck. Vor allem in den USA drohen hohe Straf- und Schadenersatzzahlungen, der Imageschaden gilt als enorm. Das neue Vorstandsressort gilt den Angaben zufolge als Signal, dass es der Autobauer mit der Aufklärung ernst meint. Siemens und Daimler hatten bei großen Schmiergeldfällen ähnlich reagiert, um die Behörden milde zu stimmen.

Am Donnerstag hatten rund um die VW-Konzernzentrale in Wolfsburg drei Staatsanwälte und rund 50 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes Dienst- und Privatgebäude von VW und Mitarbeitern durchsucht. "Dabei haben wir jede Menge Material sichergestellt", sagte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Zum Inhalt der konfiszierten Computer und Akten konnte er aber noch nichts sagen. Das Material müsse zunächst von den Ermittlern ausgewertet werden.

15-prozentiger Kurssprung der Stammaktien

Ein 15-prozentiger Kurssprung der Stammaktien von Volkswagen hat am Freitag für Aufsehen gesorgt. Dabei wechselten am Vormittag bereits mehr als drei Mal so viele Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie kosteten zeitweise 133,75 Euro.

Offenbar deckten sich einige Anleger, die auf weitere Kursverluste wegen der Abgasaffäre gesetzt hatten, wieder mit VW-Titeln ein, um ihre Verluste zu begrenzen, sagte ein Börsianer. Ein anderer verwies auf ein Gerücht, dem zufolge Großaktionär Porsche Holding seine Beteiligung aufstockt. Bei der Porsche Holding war dazu am Freitag kein Kommentar zu erhalten.

Porsche hält nach Reuters-Daten bisher 50,7 Prozent der VW-Stämme. Die im Dax notierten Vorzugsaktien notierten am Freitag um 1,9 Prozent fester bei 105,50 Euro.