Erstellt am 22. Oktober 2015, 09:15

Abgewählte fordert weibliche VP-Klubspitze. Doris Hummer, die nach einer Abstimmung im ÖVP-Landesparteivorstand ihren Sitz in der oberösterreichischen Landesregierung verloren hat, lässt offen, ob sie das Angebot Klubobfrau zu werden, annehmen wird.

Hummer - die einzige Frau der OÖ-Landesregierung - muss gehen  |  NOEN, APA

Aber eines stehe fest: "Ein Klubobmann kommt jetzt nicht infrage", sagte sie im Gespräch mit der APA. Erbost über die Vorgänge in der ÖVP OÖ zeigte sich ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm.

Die Entscheidung des Parteivorstands sei persönlich enttäuschend, so Hummer. "Es hat nichts gebracht, dass ich von Wirtschaftsbund und ÖVP-Frauen unterstützt worden bin. Man muss das auch sportlich nehmen." Letzteres falle ihr aber schwer, weil es im Sport - im Gegensatz zur Politik - immer um die Leistung gehe.

Ob sie das Angebot, Klubobfrau zu werden, annehmen wird, habe sie zwar schon vor Wochen entschieden, sie werde es aber erst im am Freitag im Parteivorstand bekanntgeben. Auch wenn sie es nicht machen sollte, so müsse eine Frau Fraktionschefin werden. Zum zweiten Angebot von LH Josef Pühringer, dass sie in die Landesregierung nachrücken soll, sobald jemand ausscheidet, will sie vorerst auch nichts sagen. Das liege noch zu weit in der Zukunft. Aber auch hier plädiert sie dafür, dass in jedem Fall eine Frau zum Zug kommen müsse.

"Es geht darum, wie glaubwürdig wir sind als Volkspartei", so Hummer. Das sei man aber nur, wenn auch Frauen mitgestalten. "Sonst sind wir blind auf manchen Flecken." Als Beispiel für weiblichen Input nannte sie den Ausbau de Kinderbetreuung: Die Krabbelstuben seien bis 2009 im Sozialressort beheimatet gewesen. Damit habe man ausgedrückt: "Das brauchen nur Sozialfälle, die es allein nicht schaffen." Sie nimmt für sich in Anspruch, hier Einiges geändert zu haben - nicht nur beim heute größeren Angebot, auch im Denken.

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm zeigte sich erbost über die Vorgänge in der oberösterreichischen Landesgruppe. Dass Doris Hummer ihren Sitz in der Landesregierung verloren hat und diese damit komplett ohne Frauen auskommt, sei "ungeheuerlich", stellte Schittenhelm am Donnerstag gegenüber der APA fest.

"Ich bin entsetzt und fassungslos über die Vorgangsweise in Oberösterreich", so Schittenhelm. Selbst wenn man auf die Abstimmung im Landesparteivorstand verweist, sei es klar gewesen, wie das Ergebnis aussehen wird: "Das war abgemachte Sache, das war nur Show, sodass man nicht selbst entscheiden muss." In der Sitzung seien insgesamt 34 Mitglieder anwesend gewesen, davon sechs Frauen. 28 Personen hätten sich gegen Hummer ausgesprochen.

Dass Landesparteiobmann Josef Pühringer Hummer nun ein Rückkehrrecht angeboten hat, wenn jemand aus der Regierung ausscheidet, ärgerte Schittenhelm noch zusätzlich: "Warum hat man das nicht einem Mann angeboten?" Hummer habe "wirklich tolle Arbeit" geleistet und verfüge über die höchsten Beliebtheitswerte nach Pühringer. "Sie ist die geborene Politikerin", und verkörpere das Ziel, die ÖVP "jünger, weiblicher, moderner" zu machen, so die Frauenchefin.

Gerade dieser Parteibeschluss am Bundesparteitag, um mehr Frauen in die Politik zu bringen, sei "null und nichtig". Die ÖVP Oberösterreich sei hier ebenso dabei gewesen und habe nun "ihr wahres Gesicht gezeigt", erklärte Schittenhelm.

Mit Bundesparteichef Reinhold Mitterlehner habe sie zwar noch nicht gesprochen, Schittenhelm zeigte sich aber überzeugt: "Ich glaube, er ist genauso entsetzt wie ich." Klar sei das eine oberösterreichische Entscheidung gewesen, "aber das schadet der Gesamtpartei": "Wie man so kurzsichtig entscheiden kann, nach so einem Desaster (Stimmenverlust bei der Landtagwahl, Anm.), das ist mir schleierhaft. Die Frauen sicherten der ÖVP in Oberösterreich den ersten Platz, das sind Fakten."

Bei der Entscheidung sei es um "reines Machtstreben" gegangen. Sie komme normalerweise mit allen ÖVP-Bünden gut aus, aber: "Das haben sich die großen Bünde ausgemacht." Es sei eine "grobe Fehlentscheidung gewesen", "ganz gegen die Bevölkerung und die Frauen", sprach Schittenhelm weiter von "totaler Ignoranz".

Mit Pühringer habe sie nicht vor zu sprechen, dies habe im Moment keinen Sinn, verwies sie auf den gültigen Beschluss: "Aber die Frauen sollen wissen, wie ich das sehe. Ich nehme mir kein Blatt vor den Mund." Nach langen Jahren in der Politik habe sie eigentlich gedacht, "mich kann nichts mehr erschüttern". Jetzt sieht sie sich nach dem "ersten Schock" aber bestärkt und will umso mehr für die Umsetzung des Reißverschlusssystems bei der Listenerstellung kämpfen.