Erstellt am 15. September 2014, 10:29

von Christine Haiderer

Kampf gegen Ebola. Die Situation in Westafrika wird zunehmend kritischer, der Ruf nach Ärzten und medizinischem Personal wird immer größer.

Thomas Rassinger im Einsatz für Ärzte ohne Grenzen als Projekt-Koordinator in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia.  |  NOEN, Foto: zVg
Über 4.700 Menschen insbesondere in Guinea, Liberia und Sierra Leone sind seit Frühling an Ebola erkrankt. Mehr als 2.400 von ihnen daran gestorben.

Die Zahl der Neuerkrankten steigt und steigt. „Bei den Patienten, die es in unsere Klinik schaffen, behandeln wir nur die Symptome. Da es für Ebola keine Heilung gibt“, so Thomas Rassinger von Ärzte ohne Grenzen. „Wir sorgen für eine gute Ernährung, bekämpfen Dehydrierung und geben Schmerzmittel sowie Antibiotika, um den Abwehrkräften bestmöglich die Chance zu geben, das Ebola-Virus selbst zu bekämpfen, und damit die Patienten nicht zusätzlich geschwächt sind.“

Klinik ist vollkommen überfüllt

Betroffenen und auch anderen Kranken zu helfen wird jedoch immer schwieriger. „Das Gesundheitssystem in Monrovia ist beinahe vollständig zusammengebrochen. Selbst Erkrankungen wie Malaria oder Typhus, die normalerweise leicht behandelbar sind, können so tödlich enden“, so Rassinger. In der Hauptstadt Liberias ist er als Projekt-Koordinator bei Ärzte ohne Grenzen für Gesundheitsberatung und die Verteilung von Schutzmaterial (Handschuhe, Masken …) verantwortlich. „Wir versuchen, das Verhalten der Menschen zu verändern und ihnen mit dem verteilten Material zumindest die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu schützen.“

Denn: Das System vor Ort schafft das nicht mehr. „Wir haben nicht die Kapazitäten, um alleine den Ebola-Ausbruch in einer Millionenstadt eindämmen zu können“, erzählt er. „Unsere Klinik ist vollkommen überfüllt, und wir müssen täglich Patienten, die beim Eingang unserer Klinik warten und die Ebola-Symptome aufweisen, zurück zu ihren Familien schicken, obwohl wir wissen, dass sie dort ihre engsten Familienmitglieder gefährden."

Zu wenig internationale Unterstützung

"Der Ausbruch wächst rasant, und es gibt viel zu wenig internationale Unterstützung.“ Diese fehlt besonders. „Wir brauchen logistische Unterstützung, um rechtzeitig die nötigen Hilfsgüter und das medizinische Personal einfliegen zu können. Und nicht – wie teilweise geschehen – Flugstornierungen seitens mancher Fluglinien.“ Und: „Vor allem internationales Personal mit dem entsprechenden Know-how, Ebola-Kliniken aufzubauen, sei es aus dem privaten oder militärischen Sektor.“

Das aber ist noch nicht der Fall: „Die Unterstützung bis jetzt ist nicht einmal im Ansatz ausreichend und viel zu langsam“, kritisiert der Koordinator, der als Kind in Pottendorf gelebt hat, in Wiener Neustadt ins Gymnasium gegangen ist und seit 2008 vor allem für Ärzte ohne Grenzen unterwegs ist.

Ausmaß dieses Ausbruchs übertrifft alles Dagewesene

Ob er eigentlich Angst hat, sich anzustecken? „Ja, schon. Aber wie alle meine internationalen Kollegen bin ich freiwillig hier und kann jeden Tag neu entscheiden, ob der Nutzen, den ich hier bringe, das Risiko, das ich eingehe, wert ist. Das Ausmaß dieses Ausbruchs übertrifft bei weitem alles Dagewesene. Aber wir haben starke Sicherheitsvorkehrungen, und ich hoffe, dass sie ausreichen, um zumindest eine Ansteckung unserer internationalen Mitarbeiter zu vermeiden. Wir haben leider bereits drei nationale Mitarbeiter in unseren Projekten durch Ebola verloren. Ich glaube, sehr viele Menschen würden gerne etwas tun, aber wissen nicht was und wie. Ich habe das Glück, durch meine Berufserfahrung etwas tun zu können, und würde mich verantwortlich fühlen, wenn ich tatenlos zuschauen würde, während diese Katastrophe passiert – anstatt zumindest zu versuchen, etwas zu tun.“

Wie man sonst helfen kann? „Spenden sind natürlich immer eine Möglichkeit.“ Noch wichtiger findet Rassinger aber einen offenen, politischen Diskurs in Österreich. Immerhin: „Man kann nicht einfach eine ganze Region der Welt mit dieser tödlichen Krankheit auf sich allein gestellt lassen!“


Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontieres, MSF), übrigens eine Organisation, die jahrelange Erfahrung mit hochansteckenden Infektionskrankheiten hat und für den nötigen Schutz ihrer Teams sorgt, halten während ihres Einsatzes im Ebola-Gebiet strengste Sicherheitsvorkehrungen ein. Wie etwa die präzise Kontrolle beim An- und Ablegen der Schutzanzüge und Vermeidung von Körperkontakt. Auch werden sie alle nach ihrer Rückkehr von einem externen Institut für Infektionskrankheiten untersucht.

Das Virus überträgt sich ausschließlich durch Körperflüssigkeiten, und das auch erst, wenn die infizierte Person bereits Symptome aufweist. Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) kann es 21 Tage dauern. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind geschult, auch während dieser Inkubationszeit die notwendigen Maßnahmen einzuhalten, um sich und andere optimal zu schützen.