Erstellt am 13. Mai 2015, 12:57

Agrana kämpft mit Zuckerpreisverfall. Der Betriebsgewinn des börsenotierten Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzerns Agrana brach im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 um 82 Prozent auf 9 Mio. Euro ein. Auch im laufenden Geschäftsjahr soll der Zuckerpreisverfall auf den Gewinn drücken.

 |  NOEN, AGRANA
Seit dem Höchststand im Jahr 2011 hat sich der Weltmarkt-Zuckerpreis mehr als halbiert.  Agrana-Chef Johann Marihart erwartet heuer beim Zuckerpreis noch keine wirkliche Entspannung, die "Talsohle" sei wohl aber durchschritten. Auf das Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung im September 2017 bereitet sich die Agrana mit der Modernisierung von einigen Zuckerfabriken und der Erhöhung von Zuckerrüben-Einkaufskontrakten, etwa in Ungarn, vor.

Die EU-Marktordnung regelt den Import von Rohrzucker und wirkt somit preisregulierend auf den europäischen Zuckermarkt. Das Zuckergeschäft will der Agrana-Chef deswegen nicht zurückfahren. "An Schließungen ist nicht gedacht", sagte Marihart am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Wien.

Stärke- und Fruchtgeschäft wirkten stabilierend

Aufgrund des Wegfalls der Zuckermarktordnung im Jahr 2017 plant Europas größter Zuckerkonzern Südzucker, Mutterkonzern der Agrana, Stellenstreichungen im dreistelligen Bereich. Besonders die Verwaltung im Geschäftssegment Zucker ist betroffen. Beabsichtigt ist etwa, die Zuckerproduktion im französischen Marseille einzustellen, hieß es kürzlich von Südzucker.

Stabilisierend auf das Agrana-Ergebnis 2014/15 wirkte sich der Stärke-Geschäftsbereich aus. Trotz niedrigerer Verkaufspreise für Bioethanol und Stärkeverzuckerungsprodukte erhöhte sich der Betriebsgewinn (Ebit) aufgrund gesunkener Rohstoff- und Energiepreise sowie höherer Absatzmengen um 0,4 Prozent auf 54,1 Mio. Euro.

Werk-Schließung in Kröllendorf belastend

Im Fruchtzubereitungen und Fruchsaft-Segment sank der Betriebsgewinn um 8,2 Prozent auf 58,6 Mio. Euro. Negativ auf das Ergebnis wirkten sich die Schließungskosten des Werkes in Kröllendorf/Allhartsberg () und dessen Produktionsverlagerung nach Gleisdorf (Stmk.) aus. Bei Fruchtsaftkonzentraten war das Ergebnis laut Agrana verkaufspreisbedingt in absoluten Zahlen rückläufig.

Der gesamte Agrana-Umsatz verringerte sich 2014/15 um 12,3 Prozent auf 2,49 Mrd. Euro. Das Frucht-Segment war mit 1,06 Mrd. Euro (-9,4 Prozent) der größte Umsatzbringer, gefolgt vom Zucker-Geschäftsbereich mit 731,1 Mio. Euro (-24,1 Prozent) und Stärke mit 700,1 Mio. Euro (-0,9 Prozent). Laut dem neuen Agrana-Finanzvorstand Stephan Büttner hat die Russland/Ukraine-Krise dem Konzern 2014/15 im Fruchtsegment aufgrund von Währungsschwankungen und Absatzrückgängen rund 30 Mio. Euro Umsatz gekostet.

Die Agrana beschäftigt an über 50 Produktionsstandorten weltweit rund 8.700 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben das führende Zuckerunternehmen in Zentral- und Osteuropa und Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen sowie der größter europäische Produzent von Fruchtsaftkonzentraten. An der Wiener Börse notierten Agrana-Aktien gegen 12. 00 Uhr mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 81 Euro.