Erstellt am 11. April 2015, 13:02

von APA/Red

Obama und Castro reichten sich die Hand. Neuanfang nach jahrzehntelanger Eiszeit: US-Präsident Obama und der kubanische Staatschef Raul Castro haben einander zum Auftakt des Amerika-Gipfels in Panama demonstrativ begrüßt und die Hand geschüttelt.

Nach der im Dezember eingeleiteten bilateralen Annäherung soll es am Samstag ein erstes direktes politisches Gespräch der beiden Politiker geben, dem historische Bedeutung beigemessen wird.

Die geplante Begegnung der beiden Staatschefs markiert eine Zäsur in den US-kubanischen Beziehungen. Zuletzt fand ein offizielles Treffen der Staatsoberhäupter der beiden Länder 1956 statt. Kuba nimmt in diesem Jahr erstmals an dem Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) teil.

Zu einer ersten flüchtigen Begegnung Obamas und Castros war es schon Ende 2013 gekommen. Bei der Trauerfeier für den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela schüttelten sie einander kurz die Hand. Ein Jahr später vereinbarten die beiden Staatschefs dann in einem Telefonat eine Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba. Seit Beginn der Verhandlungen im Jänner traten unter anderem bereits eine Reihe von Reise- und Handelserleichterungen in Kraft.

Unterredung "sehr konstruktiv"

"Dieser Gipfel in Panama hat eine besondere Dimension", sagte OAS-Generalsekretär Jose Miguel Insulza zum Auftakt des Treffens. Zum ersten Mal seien die Staats- und Regierungschefs aller 35 Länder angereist. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon würdigte die historische Annäherung zwischen den früheren Erzfeinden USA und Kuba.

Am Abend stand ein gemeinsames Abendessen aller Staatsgäste auf dem Programm. Am Samstag wollten Obama und Castro dann nach Angaben des Weißen Hauses zu einer "Diskussion" zusammenkommen. Dabei werde es unter anderem um die Verhandlungen zur Wiedereröffnung von Botschaften in Washington und Havanna gehen, sagte Obama-Berater Ben Rhodes.

Die beiden Staatsoberhäupter hatten bereits am Mittwoch miteinander telefoniert. Am Donnerstagabend trafen dann die Außenminister der USA und Kubas, John Kerry und Bruno Rodriguez, zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammen. Das US-Außenamt bezeichnete die Unterredung im Anschluss als lang und "sehr konstruktiv".

Zeiten der "Einmischung" vorüber

Ein Knackpunkt bei den Verhandlungen ist die Streichung Kubas von der US-Liste der Unterstützerstaaten des Terrorismus. Eine Entscheidung in dieser Frage steht nach Angaben von Obama-Berater Rhodes unmittelbar bevor. Ein US-Senator hatte zuvor erklärt, das Außenministerium habe empfohlen, Havanna von der Liste zu nehmen.

Kurz vor Beginn des Amerika-Gipfels traf der US-Präsident am Freitag in Panama-Stadt mit kubanischen Dissidenten zusammen. Am Rande einer Diskussionsveranstaltung kam er mit den Oppositionellen Manuel Cuesta Morua und Laritza Diversent sowie 13 weiteren Aktivisten zusammen. Das Treffen dürfte für erhebliche Verstimmung bei der kubanischen Delegation sorgen.

In einer Rede vor zivilgesellschaftlichen Gruppen versicherte Obama außerdem, dass die Zeiten der "Einmischung" Washingtons in Lateinamerika vorüber seien. "Die Tage, als unserer Agenda in dieser Heimsphäre oft die Annahme zugrunde lag, dass die Vereinigten Staaten sich ungestraft einmischen können, sind vorbei", erklärte der US-Präsident. Den Menschenrechtsaktivisten aus der Region sagte er die Unterstützung Washingtons zu: "Wir stehen an eurer Seite."