Erstellt am 23. Mai 2016, 13:46

von APA Red

Amokläufer kam aus Vorarlberger Neonaziszene. Der 27-jährige Gregor S., der am Sonntag bei einem Rockerfest im Vorarlberger Nenzing zwei Personen und sich selbst getötet hat, war Mitglied der Vorarlberger Neonazi-Szene.

 |  NOEN, APA

 Entsprechende Medienberichte bestätigten Experten am Montag. "Stoppt die Rechten" nannten den Täter einen "langjährigen Aktivisten der Vorarlberger Neonazi-Szene", der 2005 erstmals einschlägig erwähnt wurde.

Demnach überfiel er damals mit anderen Neonazis aus dem Umfeld der Vorarlberger "Blood and Honour"-Szene ein Punkkonzert in Bludenz.

Die Täter waren mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet. Nach einigen Attacken nahm die Polizei sie fest und zeigte sie wegen Körperverletzung an. Laut "Kronen Zeitung" (Montagsausgabe) wurde über Gregor S. im Jahr 2005 auch ein Waffenverbot verhängt.

Ein Exkurs: Das Skinhead-Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour" wurde in den 80er-Jahren vom Sänger der britischen Nazi-Band Screwdriver, Ian Stuart Donaldson, gegründet. Überall auf der Welt entstanden seither "Blood and Honour"-Divisionen, die wiederum in Sektionen unterteilt sind. In Österreich existiert unter anderem eine Gruppierung in Vorarlberg.

Gleichsam der bewaffnete Arm von "Blood and Honour" war "Combat 18" (18 steht für den ersten bzw. den achten Buchstaben des Alphabets und ist somit ein Code für die Initialen Adolf Hitlers, Anm.).

Auf das Konto der Gruppe gingen in Großbritannien mehrere Anschläge. 2003 wurde in Schleswig-Holstein eine Zelle gleichen Namens ausgehoben.

Die Vorarlberger Sektion verfügt schon seit längerem über gute Kontakte ins Ausland. Mehrere Gewalttaten dürften auf das Konto des Netzwerks in Vorarlberg gehen.

2009 gab es eine Massenschlägerei zwischen Mitgliedern des Motorradclubs "Outsider" und Nazi-Skinheads mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten.

Dreh- und Angelpunkt der Sektion war vor einigen Jahren die rechtsextreme Skinhead-Band Tollschock. Der kürzlich verstorbene Rechtsextremismus-Experte Wolfgang Purtscheller sagte 2007 im APA-Gespräch: "Die Vorarlberger haben konspirativ organisierte Konzerte mit bis zu 1.000 Besuchern auf die Beine gestellt."

Die Plattform "Stoppt die Rechten" beobachtete nun eine Neuorganisation der Vorarlberger Szene. Im November sollen Vorarlberger Neonazis an Demonstrationen in Spielfeld beteiligt gewesen sein und dort auch gewalttätige Aktionen gesetzt haben.

Im Februar nahmen sie laut "Stoppt die Rechten" an den "Lichter für Österreich"-Kundgebungen von Asylgegnern in Dornbirn teil.

Anfang März gab es in Vorarlberg laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) ein Konzert der ungarischen Neonazi-Band "Indulat". Dieses hätte eigentlich in Thüringen über die Bühne gehen sollen, wurde dort aber angeblich von den Behörden unterbunden.

Ungarische "Blood and Honour"-Aktivisten berichteten danach im Web, dass sie auf dem Weg nach Vorarlberg in Braunau am Inn einen Stopp machen, "damit wir das Geburtshaus unseres Führers besuchen" - mit Foto.

In Vorarlberg gab es neben einem "Kameradschaftsabend" auch einen "kleinen Schießwettkampf, wo wir mit den österreichischen und Schweizer Kameraden unsere Fähigkeiten gemessen haben". Ob auch Gregor S. daran teilnahm, ist unbekannt.

Dass der 27-Jährige Teil dieser Szene war, ist allerdings evident. Seine Gesinnung ist auch an seinem Facebook-Konto erkennbar.

Unter "Freunden" findet man laut "Stoppt die Rechten" fast alle Größen der Vorarlberger Neonazi-Szene. Unter "Gefällt mir" sind unter anderem die Holocaust-Leugner Ursula Haverbeck und Horst Mahler, die mittlerweile unbetreute Facebook-Seite der Neonazi-Plattform "alpen-donau.info", Teilorganisationen der "Europäischen Aktion" und die "Nationale Front" vermerkt.

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) warnte unterdessen am Montag erneut vor einem dramatischen Anstieg rechtsextremer Straftaten und forderte einen Aktionsplan: " Wie viele Tote brauchen wir in Österreich noch, bis endlich ein Nationaler Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in die Tat umgesetzt wird?", fragte Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ.