Erstellt am 28. August 2016, 12:16

Dutzende Tote bei türkischen Luftangriffen in Syrien. Bei zwei türkischen Luftangriffen in Nordsyrien sind nach Angaben von Oppositionellen mindestens 35 Zivilisten ums Leben gekommen.

 |  APA/ag.

Jets hätten einen Bauernhof in al-Amarna bombardiert, in dem Familien Unterschlupf gesucht hätten, berichtete die oppositionsnahe "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" am Sonntag. Dabei seien 15 Zivilisten umgekommen.

Bei einem weiteren Angriff auf das Dorf Jub al-Kousa nahe der syrisch-türkischen Grenze seien mindestens 20 Unbeteiligte gestorben und 50 verletzt worden. Außerdem seien vier örtliche Kämpfer getötet worden, die laut Beobachtungsstelle von kurdischen Rebellen unterstützt werden. Al-Amarna und Jub al-Kusa liegen beide südlich der Grenzstadt Jarablus, in einem Gebiet, das von Verbündeten der Rebellenallianz SDF kontrolliert wird.

Die türkische Armee war am Mittwoch zusammen mit Rebellenverbänden in den Norden Syriens einmarschiert. Die Offensive "Schutzschild Euphrat" gilt einerseits der Vertreibung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Zugleich will das türkische Militär die kurdischen Kämpfer in Nordsyrien zurückdrängen. Die Regierung befürchtet die Gründung eines Kurdenstaates und ein Erstarken der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK im eigenen Land.

Rückeroberung von Jarablus verkündet

Die türkische Armee und protürkische Rebellen verkündeten bereits wenige Stunden nach Beginn des Einsatzes die Rückeroberung von Jarablus aus der Hand des IS. Am Samstag wurde erstmals seit dem Beginn der Offensive ein türkischer Soldat in Syrien getötet. Er starb bei einem Raketenangriff kurdischer Milizen auf zwei türkische Panzer, wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtete.

Die USA und Russland haben sich unterdessen grundsätzlich auf eine Waffenruhe für Syrien geeinigt. Ein Durchbruch wurde bei den Gesprächen zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow allerdings nicht erzielt. In einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten Kerry und Lawrow am späten Freitagabend in Genf, Experten beider Seiten würden in den kommenden Tagen über Details verhandeln. Dazu gehört eine weiter reichende Zusammenarbeit der USA und Russlands im Kampf gegen den IS.

Eine der wichtigsten Fragen ist die Unterscheidung von gemäßigten Rebellen und extremistischen Gruppen. Lawrow sagte, die Rebellengruppen, für die eine Waffenruhe gelten solle, müssten "ein für alle Mal" festgelegt werden.

Gespräche zwischen USA und Russland

Die Gespräche zwischen den USA und Russland, die im syrischen Bürgerkrieg gegnerische Seiten unterstützen, werden durch die aktuelle Lage in Aleppo erschwert. Im Süden der geteilten Stadt haben einige von den USA unterstützte Rebellengruppen eine größere Offensive gegen die Regierungstruppen gestartet. Diese Rebellengruppen sind mit Kämpfern der extremistischen Nusra-Front durchsetzt, die sich unlängst umbenannt und von Al-Kaida losgesagt hat.

Während die USA gemäßigte Rebellen unterstützen, die seit Jahren gegen die Führung von Präsident Bashar al-Assad kämpfen, ist Russland der wichtigste Verbündete der syrischen Regierung.