Erstellt am 12. Juli 2014, 15:19

Ankunft von Kerry in Wien verzögert sich. Die für Samstagnachmittag geplante Ankunft von US-Außenminister John Kerry in Wien wird sich nach Angaben der US-Botschaft verzögern.

Kerry hält sich derzeit noch in Afghanistan auf, um im Streit um den Ausgang der Präsidentenwahl zu vermittlen. Diplomatie ist auch in Wien gefragt, wo Kerry am späten Abend eintreffen und am Sonntag eine Lösung im Atomstreit mit dem Iran verhandeln soll.

Neben Kerry werden auch der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif und EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton sowie die Vertreter der Gruppe 5+1 (UNO-Vetomächte plus Deutschland) zu den Atomgesprächen nach Wien reisen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollte jedoch am Sonntagabend wieder zurück in seiner Heimat sein, um dort das "historische Ereignis" - das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien - gemeinsam mit dem argentinischen Botschafter in Deutschland, Daniel Adan Dziewezo Polski, im "Haus der Kulturen der Welt" in Berlin verfolgen zu können, wie das deutsche Auswärtige Amt am Freitag auf seiner Webseite mitteilte.

Weiters haben die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Laurent Fabius und William Hague, ihr Kommen zugesagt. Die Außenminister Russlands und Chinas, Sergej Lawrow und Wang Yi, schickten allertdings nur Stellvertreter nach Wien.

Nach den Worten des Vizechefs des iranischen Verhandlerteams, Abbas Araqchi, wurden bei den Wiener Atomgesprächen bisher in mehr als 60 Prozent Fortschritte beim Entwurf für ein endgültiges Abkommen erzielt. In Schlüsselfragen gebe es aber keine Annäherung, erklärte Araqchi nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur FARS am Samstag.

Der iranische Vizeaußenminister äußerte die Hoffnung, dass durch die Teilnahme der Außenminister an den Verhandlungen zwischen den UN-Vetomächten plus Deutschland (5+1) und dem Iran eine Verständigung über die offenen Hauptpunkte erreicht werden könne.

Der Iran sei entschlossen, die Verhandlungen fortzusetzen, werde aber auf seinen atomaren Rechten bestehen, betonte Araqchi. "Wir werden nicht von unseren Positionen abweichen", sagte er.

Das schwierigste Kapitel dürfte die Frage sein, wie weit der Iran seine Kapazitäten zur Urananreicherung ausbauen darf. Der Westen will Teheran nur eine geringe Zahl von Gaszentrifugen zur Anreicherung von spaltbarem Uran-235 zugestehen.

Der Iran will aber mit vielen Tausenden Zentrifugen sticherstellen, dass er Nuklearbrennstoff selber herstellen kann und nicht vom Ausland abhängig ist. Eine so große Zahl von Zentrifugen - so die Befürchtung des Westens - würde aber die Möglichkeit beinhalten, Uran-235 bis zur Waffenfähigkeit anzureichern.

Aus Verhandlerkreisen hieß es, dass bei den bisher strittigen Kapiteln IAEA-Inspektionen und Schwerwasserreaktor in Arak eine Annäherung erzielt worden sei. Arak ist dem Westen ein Dorn im Auge, weil bei der Inbetriebnahme des Reaktors Plutonium anfallen würde. Dieses kann ebenso wie hochangereichertes Uran-235 für die Produktion von Atombomben verwendet werden.