Erstellt am 25. Juli 2016, 15:45

von APA/Red

Attentäter bekannte sich offenbar in Video zu IS. Der Selbstmordanschlag von Ansbach hat laut bayerischem Innenminister Joachim Herrmann einen islamistischen Hintergrund.

 |  APA/dpa/ag.

Das gehe aus einem Bekennervideo auf dem Handy des Attentäters hervor, in dem er sich zur Terrormiliz "Islamischer Staat" bekenne und mit Anschlägen drohe. Darin kündige der 27-jährige Syrer einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine rasche und lückenlose Aufklärung der Tat. "Nur so können wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen", sagte Seehofer nach Angaben eines Sprechers.

Hermann hatte zuvor erklärt, die Durchführungsweise des Anschlags, spreche für einen islamistischen Hintergrund. Demnach wollte der 27-Jährige die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei einem Musikfestival mit etwa 2.500 Besuchern zünden. Ihm wurde aber der Einlass verwehrt, weil er keine Karte hatte. Deshalb brachte der Syrer den Sprengsatz vor dem Eingangsbereich zur Detonation.

Der 27-Jährige sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt, sagte Herrmann. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Flüchtling sei seitdem geduldet gewesen. Auf dem Weg dorthin wurde er nach Angaben der deutschen Behörden in Österreich und zuvor in Bulgarien registriert. Dies gehe aus entsprechenden Einträgen im Eurodac-System, der gesamteuropäischen asylrechtlichen Datenbank, hervor, erklärte ein Sprecher des deutschen Innenministeriums in Berlin.

Wieso der Asylantrag des Syrers abgelehnt worden war, war vorerst unklar, sollte aber im Laufe des Tages mit dem zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt werden. Fest steht, dass der Mann nach Bulgarien rückgeführt werden sollte. Wegen des Bürgerkrieges in Syrien konnte er nicht in sein Heimatland abgeschoben werden. Eine Rückführung in das Ersteinreiseland innerhalb der EU, wie es die sogenannte Dublin-Richtlinie vorsieht, wäre aber möglich gewesen.

Dem Sozialamt der Stadt Ansbach war der mutmaßliche Täter als "freundlich, unauffällig und nett" bekannt. Er wohnte in einer Unterkunft in Ansbach und war wiederholt strafrechtlich aufgefallen. Unter anderem hatte die Polizei wegen eines Drogendelikts mit ihm zu tun. Der Syrer habe sich auch schon zweimal das Leben nehmen wollen. Er sei deshalb in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Die Polizei stellte am Vormittag in einer Flüchtlingsunterkunft mehrere Gegenstände sicher. Ob es sich bei dem ehemaligen Hotel in Ansbach um die Unterkunft des mutmaßlichen Täters handelte, wollten die Ermittler zunächst nicht bestätigen. Unklar war auch, in welchem Umfeld sich der 27-Jährige bewegte und woher er den Sprengstoff hatte. Man müsse auch klären, woher genau die Metallteile stammten, sagte Polizeivizepräsident Roman Fertinger.

Es ist die dritte Bluttat im süddeutschen Bundesland Bayern innerhalb einer Woche. Am Montag vergangener Woche hatte ein afghanischer Flüchtling in einer Regionalbahn in Würzburg Menschen mit einer Axt angegriffen. Am Freitag war ein junger Mann in München Amok gelaufen. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte indessen eine bessere Kontrolle der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. "Weder ist die Identität aller Menschen geklärt, die zu uns gekommen sind, noch ihr geistiger und körperlicher Zustand", sagte Wendt am Montag im HR-Info. "Wir erleben ja in diesen Tagen, dass sich psychische Labilität, Terrorismus, Kriminalität miteinander vermischen", fügte er hinzu. Um so wichtiger sei es, "dass wir die Menschen nicht nur unterbringen und verpflegen, sondern feststellen, wer da in unser Land kommt". Wendt plädierte dafür, "sich diese Menschen ganz genau anzuschauen, ob von ihnen eine mögliche Gefahr ausgeht".