Erstellt am 18. März 2015, 19:03

von APA/Red

Anschlag auf Museum in Tunis forderte 21 Tote. Bei einem Angriff auf das Bardo-Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt Tunis sind nach Angaben der Regierung 21 Menschen getötet worden.

Nach Angaben des Ministerpräsidenten waren die Angreifer in Militäruniformen gekleidet. Sie eröffneten demnach das Feuer auf die Touristen, während diese aus einem Bus stiegen, und trieben sie dann in das Innere des Gebäudes. Dieses liegt direkt neben dem Parlament. Dabei starben mindestens acht Zivilisten. Ob die übrigen Opfer bei dem Anschlag oder bei der gewaltsamen Beendigung der mutmaßlichen Geiselnahme getötet wurden, war zunächst nicht klar.

Esssid äußerte sich auch nicht dazu, ob die Angreifer die Touristen als Geisel nehmen wollten. Laut Gesundheitsminister Said Aidi wurden zudem 38 Menschen verletzt, unter ihnen Urlauber aus Frankreich, Südafrika, Polen, Italien und Japan. Das Außenministerium bestätigte gegenüber der APA, dass es wohl keine Österreicher unter den Todesopfern gebe.

Großteil der Touristen wurde in Sicherheit gebracht

Nach Angaben des Sprechers des Innenministeriums, Mohammed Ali Aroui, hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa hundert Touristen in dem Museum auf. Nach vier Stunden gelang es den Sicherheitskräften, den Angriff zu beenden. Ein Großteil der Touristen wurde in Sicherheit gebracht. Das Nationalmuseum ist in einem ehemaligen Palast aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Es verfügt über die weltweit größte Sammlung römischer Mosaiken.

Nach den Schüssen wurden der Parlamentsbetrieb eingestellt und die Abgeordneten aufgefordert, sich in der Versammlungshalle einzufinden, wie eine Abgeordnete der Ennahda-Partei sagte. Es habe eine "riesige Panik" geherrscht, berichtete eine weitere Abgeordnete, Sayidab Ounissi, über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Nach ihren Angaben fand gerade eine Anhörung über Tunesiens Antiterror-Gesetz statt, als die Schüsse fielen.

Angriffe gegen Tourismus und Wirtschaft des Landes

Die Angreifer hätten den Tourismus und die Wirtschaft des Landes treffen wollen, sagte Essid. Die Terrorattacke sei ein Ergebnis der Erfolge, die die Sicherheitskräfte gegen den Terrorismus im Land erzielt hätten. Zu dem Angriff auf das benachbarte Museum bekannte sich zunächst niemand. Präsident Beji Caid Essebsi sagte später der Nachrichtenagentur AFP, sein Land habe alle nötigen Maßnahmen ergriffen, damit derartige Angriffe nicht wieder passierten.

Nach dem Anschlag fahnden die tunesischen Behörden nach zwei bis drei möglichen Komplizen der beiden getöteten Attentäter. Es bestehe die "Möglichkeit", dass den beiden Angreifern geholfen worden sei, sagte Regierungschef Habib Essid am Mittwoch in einer Rede, die vom tunesischen Fernsehen übertragen wurde. Daher gebe es derzeit "ausgedehnte Sucheinsätze, um die zwei oder drei Terroristen zu identifizieren".

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Terroranschlag auf das Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt scharf. Die Attacke sei "beklagenswert", sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch. Den Angehörigen der Opfer sprach der UNO-Chef sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen seien solidarisch mit den Menschen und den Behörden in Tunesien, sagte Ban weiter.

EU und Tunesien lassen sich vom Terrorismus nicht einschüchtern

EU-Ratspräsident Donald Tusk betonte, "die EU und Tunesien sich nicht vom Terrorismus einschüchtern" lassen werde. "Wir sind bereit, die tunesische Regierung in ihren Maßnahmen gegen gewalttätigen Extremismus zu unterstützen". EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini machte die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) für die Tat verantwortlich.

Nach Erkenntnissen der tunesischen Behörden haben sich 3.000 Bürger des nordafrikanischen Staates der Gruppe angeschlossen. Es gab bereits Befürchtungen, dass einige zurückkehren und Anschläge verüben können.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte den "Terrorangriff auf das Schärfste". Der neue Angriff "zeigt leider ganz grausam, unter welch großer Bedrohung wir alle in Europa, im Mittelmeerraum und der ganzen Welt stehen", sagte Valls. Präsident Francois Hollande drückte in einer Botschaft an Tunesien die Solidarität Frankreichs aus.

Tunesien mit politischer Entwickluing

Tunesien war das erste arabische Land, in dem Ende 2010 der Arabische Frühling begonnen hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten machte Tunesien jedoch eine politische Entwicklung durch, die international vielfach gewürdigt wurde. Gewalt, Repressionen und Gesetzlosigkeit blieben im Vergleich zu vielen anderen arabischen Ländern eher Ausnahmeerscheinungen.

Allerdings erlebte die bewaffnete Jihadistenbewegung seit der Revolution einen Aufschwung. Seither wurden rund 60 Polizisten und Militärs bei Zusammenstößen getötet, die meisten an der Grenze zu Algerien, wo eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppe aktiv ist.