Erstellt am 14. Januar 2015, 09:24

Ansturm auf "Charlie Hebdo"-Verkaufsstellen. Auf die Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" hat es Mittwoch früh einen riesigen Ansturm gegeben.

An etlichen Pariser Zeitungsständen war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer.

In der jüngsten Ausgabe des Magazins machen sich die noch lebenden Macher von "Charlie Hebdo" unter anderem über die islamistischen Terroristen lustig, die am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf die Redaktion zwölf Menschen erschossen hatten. In Karikaturen werden sie als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preisgegeben. Diese Woche erscheint das Satiremagazin in einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren.

Frankreich hatte zuvor der drei bei der Terrorwelle der vergangenen Woche getöteten Polizisten gedacht, in Israel wurden die vier jüdischen Opfer zu Grabe getragen. Zwei Attentäter hatten vergangenen Mittwoch die Redaktion des Magazins gestürmt und zwölf Menschen erschossen. Der Anschlag war der Auftakt einer fast dreitägigen Terrorwelle im Großraum Paris, bei der fünf weitere Menschen starben.

Übersetzung auch ins Arabische

Eine deutsche Fassung von "Charlie Hebdo" war zunächst nicht geplant. Der Inhalt soll lediglich ins Englische, Arabische und einige weitere Sprachen übersetzt werden. Das im Voraus veröffentlichte Titelbild der "Charlie-Hebdo"-Ausgabe zeigt erneut eine Mohammed-Karikatur. Über der Zeichnung steht "Tout est pardonné" (Alles ist vergeben). Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden. Frühere, zum Teil sehr derbe Mohammed-Karikaturen von "Charlie Hebdo" gelten als Hintergrund des Terrorangriffs auf die Redaktion.

Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die angekündigte neue Ausgabe. Diese "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" werde eine neue Welle des Hasses auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo. Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) hatte zuletzt im Internet mit weiteren Angriffen auf Frankreich gedroht.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben 10.000 Menschen gegen Gewalt und Hass. Zu den Teilnehmern gehörten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck. "Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn", sagte Gauck. Verbände der Muslime und Türken in Deutschland hatten die Demonstration initiiert - als Zeichen gegen die islamistischen Anschläge von Paris.