Erstellt am 15. Juni 2014, 14:54

Anzeige nach homophober Attacke auf Lunacek. Nach der homophoben Attacke auf die Grün-Politikerin Ulrike Lunacek während der Wiener Regenbogenparade liegt eine Anzeige wegen schwerer Sachbeschädigung vor. Wie die Sprecherin der Wiener Landespolizeidirektion, Barbara Riehs, am Sonntag der APA bestätigte, hatte ein Unbekannter die Grüne Europaabgeordnete am Samstagnachmittag am Opernring mit einer übel riechenden Flüssigkeit besprüht.

Der Vorfall ereignete sich um 15.00 Uhr, als die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennende Lunacek einem TV-Produzenten ein Interview gab, der als Sub-Unternehmer für den ORF tätig war. Dabei wurden die Bekleidung der Politikerin, vor allem aber die Kameraausrüstung des TV-Machers in Mitleidenschaft gezogen. In der Anzeige wird von einem Schaden jenseits der 50.000 Euro-Grenze ausgegangen. Das elektronische Equipment der Interviewers soll "ziemlich wertvoll" gewesen sein, sagte Riehs.

Der Angreifer war mit einem weißen Polo-Shirt bekleidet, hatte dunkle Haare und laut Polizei "eine eher feste Statur". Lunacek blieb ebenso unverletzt wie der Medienvertreter. Der unbekannte Täter konnte in der Menschenmenge untertauchen.

Lunacek, die bereits 1980 ihr Coming Out hatte und seit 20 Jahren in einer Beziehung mit einer Frau lebt, hat sich am Sonntag "enttäuscht" gezeigt. "Ich bin irritiert, dass das in Wien passiert ist", meinte sie im Gespräch mit der APA. Sie sei bei vorangegangenen Pride-Veranstaltungen in Bratislava mit Steinen und in Litauen mit rohen Eiern beworfen worden, "aber in Wien haben wir bei der Parade in 19 Jahren immer ein fröhliches Fest gefeiert". Sie wolle sich diese positive Sicht nicht trüben lassen, "aber es gibt Leute, die aus Hass oder Angst meinen, man müsste aggressiv und tätlich gegen Leute vorgehen, die eine Minderheit repräsentieren".

Der Angriff werde sie nicht von ihrem politischen Kampf um rechtliche Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transmenschen abhalten, versicherte sie: "Wir sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und lassen uns von dort nicht mehr vertreiben."

Zwei Gegenveranstaltungen zur Wiener Regenbogenparade haben am Samstagnachmittag in der Wiener Innenstadt auch einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Fünf linke Aktivisten, die mit einer Sitzblockade gegen den "Marsch der Familie" protestierten, der jährlich von fundamentalen Christen abgehalten wird, wurden vorübergehend festgenommen.