Erstellt am 02. Juni 2014, 15:32

Arbeitslosigkeit im Mai um 12,1 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosigkeit hat im Mai weiter zugenommen, gleichzeitig stieg die Zahl derer, die einen Job haben.

Besonders schwierig ist es für ältere und beeinträchtigte Arbeitnehmer. Insgesamt waren im Vormonat 370.143 Personen auf Jobsuche, ein Plus von 12,1 Prozent im Jahresvergleich. 290.892 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 79.251 Personen befanden sich in Schulungen.

Die Arbeitslosenquote stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent (österreichische Definition), bei den Älteren über 50 legte sie überdurchschnittlich um 1,2 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent zu. Im EU-Vergleich hatte Österreich im Mai weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote vor Deutschland. Unselbstständig beschäftigt waren im Mai rund 3,506 Millionen Menschen, ein Zuwachs um 0,6 Prozent bzw. rund 20.000 Personen.

Die "Lehrstellenlücke" wurde größer. 4.289 registrierten Lehrstellensuchenden stehen nur 2.904 gemeldete offene Lehrstellen gegenüber. Dramatisch ist die Lage bei Langzeitarbeitslosen. Konkret waren per Ende Mai in Österreich 10.608 Personen als Langzeitarbeitslose (länger als 12 Monate - ohne Unterbrechung durch Schulung oder Job - arbeitslos) gemeldet, ein Plus von 69,5 Prozent zum Vorjahreswert. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen (nicht nachhaltig integrierte Langzeitarbeitslose) geht jedoch weit darüber hinaus und lag bei 88.868 Personen, im Vorjahresvergleich ein Zuwachs um 48,8 Prozent.

Allerdings: Durch die Neuregelung des Pensionsvorschusses bei Antrag einer Invaliditätspension unter 50 Jahren wurden nun 5.000 Personen mehr in der Arbeitsmarktstatistik erfasst, die vorher nicht aufgeschienen seien, so das Sozialministerium.

Starke Zuwächse wurden im Mai auch bei Ausländern verzeichnet: Die Zahl der arbeitslosen Ausländer wuchs um 27,3 Prozent (15.672 Personen) auf 73.120.

Nach Branchen betrachtet war am Bau die stärkste Zunahme mit 22,4 Prozent zu verzeichnen. Bei der Arbeitskräfteüberlassung nahm die Zahl der arbeitslosen Leiharbeiter um 17,6 Prozent überdurchschnittlich zu. In der Warenproduktion (11,3 Prozent mehr Arbeitslose) und im Tourismus (13,2 Prozent) fiel der Zuwachs etwas geringer aus.

Gegliedert nach Bundesländern war das größte prozentuelle und absolute Plus in Wien zu verzeichnen, wo es im Mai um 19,7 Prozent bzw. um 15.956 mehr vorgemerkte Arbeitslose als im Vorjahr gab, knapp gefolgt von Oberösterreich mit 19,5 Prozent mehr Jobsuchenden.

Die Schuldnerberatung hat heute darauf hingewiesen, dass Arbeitslosigkeit der Auslöser schlechthin für die Schuldenfalle ist.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) relativierte die heutigen Arbeitslosenzahlen. Er verwies auf die steigende Beschäftigtenzahl und die Maßnahmen zur Beschäftigung Älterer. "Mit dem Arbeitsmarktpaket für Ältere - das im Mai gestartet wurde - setzt die Bundesregierung wichtige Impulse: Insgesamt 370 Millionen Euro werden in den kommenden drei Jahren für über 50-jährige Arbeitssuchende investiert", so Hundstorfer.

Arbeiterkammer-Präsident Rudi Kaske griff die aktuelle Diskussion um die steuerliche Entlastung von Arbeit auf: "Wirkungsvolle Maßnahmen werden von der Arbeitgeberseite und vom Finanzminister (Michael Spindelegger, ÖVP, Anm.) blockiert. Das muss ein Ende haben." Und Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, ergänzte: "Österreich braucht eine Steuerreform, die Arbeitsplätze schafft."

Die Industriellenvereinigung (IV) sprach sich hingegen gegen neue Steuern wie etwa eine "Millionärssteuer" aus - neue Belastungen wären ein "Treppenwitz", so IV-Chef Christoph Neumayer.

Die FPÖ verwies einmal mehr darauf, dass die verstärkte Zuwanderung schlecht für den Arbeitsmarkt sei. "Wenn sowohl die Arbeitslosigkeit als auch die Beschäftigung in einem Land steigen, dann bedeutet das: Neue Arbeitskräfte aus dem Ausland verdrängen primär heimische Arbeitnehmer aus dem Arbeitsmarkt", kritisiert der freiheitliche Arbeitnehmersprecher Herbert Kickl. Die Arbeits-und Sozialsprecherin des Team Stronach, Waltraud Dietrich, meinte: "Die schönen Reden und Beschwichtigungen der Arbeitslosenstatistik helfen keinem einzigen der über 370.000 Betroffenen."