Erstellt am 01. September 2014, 10:26

von APA/Red

Arbeitslosigkeit um 10,1 Prozent höher. Die Arbeitslosigkeit ist im Sommer weiter gestiegen. Ende August waren 355.643 Personen ohne Job, um 10,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.

"Die europäische und damit auch die österreichische Wirtschaft scheinen nach wie vor nicht nachhaltig in Schwung zu kommen", resümiert Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen legte um 11,1 Prozent auf 292.321 zu, bei den Schulungsteilnehmern des AMS war der Anstieg um 5,5 Prozent auf 63.322 geringer. Allerdings stieg auch die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 0,7 Prozent auf rund 3.477.000 an.

Aussichten für Arbeitsmarkt "einigermaßen trübe"

Der Trend der letzten Monate hat sich auch im August fortgesetzt: Immer mehr Personen treten zusätzlich auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Zum Ende des Sommers 2014 lag das Angebot an Arbeitskräften um 62.000 Personen über dem Vorjahr. Angesichts der beschränkten Nachfrage der Betriebe steigt in der Folge die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen, so das Sozialministerium.

"Um unser Wirtschaftswachstum und damit den Arbeitsmarkt wieder in Schwung zu bringen, braucht es zusätzliche Impulse wie eine deutlich spürbare Steuerentlastung zur Steigerung der Kaufkraft", sagte Hundstorfer.

Die Wirtschaft komme nicht in Schwung. Nach einem schwachen zweiten Quartal hat die Österreichische Nationalbank ihre Prognose für das laufende Jahr um 0,7 Prozentpunkte auf nunmehr 0,9 Prozent gesenkt. Es sei davon auszugehen, dass auch die Forschungsinstitute in ihren Quartalsprognosen im September die Aussichten nach unten revidieren werden, kommentierte Hundstorfer am Montag in einer Aussendung die August-Arbeitsmarktdaten. Trotz der "vergleichsweise guten Situation in Österreich" bleiben die weiteren Aussichten für den Arbeitsmarkt "einigermaßen trübe", so der Minister.

Gesundheitliche Einschränkungen erschweren Vermittlung

Im internationalen Vergleich bleibt der österreichische Arbeitsmarkt weiter vorne: Nach Eurostat-Definition betrug die Arbeitslosenquote in Österreich 4,9 Prozent. Damit lag Österreich gleichauf mit Deutschland am Spitzenplatz in der EU-Arbeitsmarktstatistik. Am höchsten war die Quote in Griechenland mit 27,2 Prozent und in Spanien mit 24,5 Prozent.

Überdurchschnittlich gestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei älteren Personen ab 50 Jahren (+15,8 Prozent), Ausländern (+23,3 Prozent) und gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitssuchenden (+17,6 Prozent). Sie haben es angesichts der steigenden Konkurrenz überdurchschnittlich schwer, nach dem Verlust des Arbeitsplatzes wieder eine neue Stelle zu finden. Bereits jeder fünfte Arbeitssuchende hat gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen und jede vierte vorgemerkte Person ist älter als 50 Jahre.

Bei den Jüngeren war die Lage im Vergleich etwas günstiger: Die Zahl der 15- bis 24-Jährigen Vorgemerkten stieg mit 5,7 Prozent deutlich geringer als der Durchschnitt. Bei den 15- bis 19-Jährigen war die Arbeitslosigkeit mit einem Minus von drei Prozent (-248 auf 8.150) sogar rückläufig. Insgesamt waren bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) 43.623 Personen arbeitslos vorgemerkt.

Bau, Leiharbeit und Tourismus am stärksten betroffen

Männer waren stärker betroffen als Frauen: Bei Männern stieg die Arbeitslosigkeit um 12,7 Prozent auf 155.915 Personen, bei Frauen legte sie um 9,3 Prozent auf 136.406 zu. Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit besonders stark am Bau (+15,6 Prozent) und in der Leiharbeit (+13,1 Prozent). Trotz des Sommers legte die Arbeitslosigkeit auch im Tourismus zweistellig zu (+10,6 Prozent).

Regional betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten in Wien (+14,4 Prozent), Oberösterreich (+12,5 Prozent) und Salzburg (+10,7 Prozent). Am geringsten war im August der Anstieg im Burgenland mit 5,7 Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit 7,4 Prozent und Kärnten mit 7,9 Prozent.

Am Lehrstellenmarkt gab es eine leichte Verbesserung: Ende August standen 8.562 Lehrstellensuchende einem Angebot von 4.143 offenen Lehrstellen gegenüber. Damit lag die Zahl der Lehrstellensuchenden österreichweit um 1,9 Prozent unter dem Vorjahr und der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen um 0,5 Prozent darüber, die Lehrstellenlücke ist also etwas geschrumpft.
 

Maschinenbautechniker und Buchhalter sind gefragt

Die Zahl der offenen Stellen war bundesweit mit 27.690 etwas geringer als im Vorjahr (-0,4 Prozent). Mehr Arbeitskräfte wurden in Vorarlberg (+16,7 Prozent) und in Niederösterreich (+15,7 Prozent) gesucht. Auch in Wien stieg der Bestand an offenen Stellen um 5,5 Prozent. Deutliche Rückgänge verzeichnete die Steiermark (-16,9 Prozent), das Burgenland (-11,8 Prozent) und Oberösterreich (-7,6 Prozent). Absolut gesehen hatte Oberösterreich allerdings mit 6.912 die größte Zahl offener Stellen anzubieten.

Besonders in Produktionsberufen blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften zurück, während bei höherwertigen Dienstleistungen die offenen Stellen tendenziell ansteigend sind. Gesucht werden etwa Maschinenbautechniker (+24,2 Prozent) und Buchhalter (+12,9 Prozent).