Erstellt am 01. Oktober 2015, 15:25

von APA/Red

Zahl der Arbeitslosen stieg im September erneut. Am heimischen Arbeitsmarkt ist weiter kaum Besserung in Sicht. Inklusive AMS-Schulungsteilnehmern waren Ende September 391.417 Personen auf Arbeitssuche, um 6,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Menschen ab 50 Jahren besonders betroffen  |  NOEN, APA (Archiv)

Ohne Schulungsteilnehmer betrug der Zuwachs sogar 10,3 Prozent. Einen Hoffnungsschimmer gibt es bei der Jugendarbeitslosigkeit: Hier ist Österreich nach Deutschland der Musterschüler in der EU.

Bei den 15- bis 24-Jährigen kam die Arbeitslosigkeit mit einen Anstieg von lediglich 0,3 Prozent praktisch zum Stillstand. Bei den 15- bis 19-Jährigen ging die Arbeitslosigkeit sogar um 2,4 Prozent zurück. Mit einer Jugendarbeitslosenquote von 10,8 Prozent ist Österreich nach Deutschland (7,0 Prozent) in der EU im positiven Spitzenfeld. Eine enorm hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt es in Spanien (48,8 Prozent), Griechenland (48,3 Prozent) und Kroatien (43,5 Prozent).

Während sich die Lage für junge Leute deutlich verbessert hat, sind ältere Menschen ab 50 Jahren nach wie vor schwer vermittelbar. Hier gab es einen Anstieg der Arbeitslosen um 15,7 Prozent auf 85.245. Deutliche Zuwächse gab es auch bei Ausländern (+15 Prozent), Behinderten (+14,9 Prozent) und Menschen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen (+16,3 Prozent). Bei den Langzeitarbeitslosen (mehr als 12 Monate vorgemerkt) kam es zu einer Verdreifachung auf 41.858 Personen.

Nach nationaler Definition erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,7 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. Die erweiterte Arbeitslosenquote (Arbeitslose und Schulungsteilnehmer) lag per Ende September laut Wifo bei 9,9 Prozent (+0,5 Prozentpunkte). Im Bundesländervergleich kam es zu einem Ost-West-Gefälle: Während die Arbeitslosigkeit in Wien (+17,1 Prozent), im Burgenland und in Oberösterreich (je +10,2 Prozent) sowie in Niederösterreich (+9,5 Prozent) stark anstieg, waren die Zuwächse in Tirol (+0,8 Prozent), Vorarlberg (+2,3 Prozent) und Salzburg (+2,6 Prozent) moderat.

"Die Menge an Personen, die gerne arbeiten wollen, steigt stärker als die Menge an Arbeitsplätzen", sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Donnerstag im "Ö1-Mittagsjournal". Auch wenn die Zahl der offenen Stellen nun den vierten Monat in Folge anstieg (um 18,4 Prozent auf 33.770), kommen im Schnitt zehn vorgemerkte Arbeitslose auf eine gemeldete offene Stelle. Auch bei den Jungen gab es Ende September mehr Lehrstellensuchende (7.482) als gemeldete offene Lehrstellen (5.103).

Auch durch Zuwanderung steigt die Zahl jener, die eine Arbeit wollen. Das AMS rechnet für 2016 mit bis zu 35.000 weiteren anerkannten Flüchtlingen, die versuchen werden, eine Arbeitsstelle zu finden. Per Ende September waren fast 19.000 anerkannte Flüchtlinge beim AMS als arbeitssuchend vorgemerkt, das ist ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber September 2014. Asylberechtigte stellen damit einen Anteil von 4,8 Prozent aller beim AMS vorgemerkten Personen dar. Wirtschaftsforscher halten den Flüchtlingszustrom für den heimischen Arbeitsmarkt jedoch für verkraftbar.

Angesichts der anhaltend schwierigen Lage drängten am Donnerstag die Oppositionsparteien FPÖ, Grüne, Team Stronach und NEOS auf den lange angekündigten Arbeitsmarktgipfel der Regierung. Dieser soll nun im Oktober stattfinden, nachdem er zuvor mehrere Male verschoben wurde. Seit Mai können sich Gewerkschaft, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer nicht auf gemeinsame Maßnahmen einigen. Von der Arbeiterkammer und dem Pensionistenverband kam heute jedenfalls erneut die Forderung, ein Bonus-Malus-System einzuführen. Dabei geht es darum, dass Firmen, die zu wenig ältere Arbeitnehmer beschäftigen, Strafen zahlen und jene einen Bonus bekommen, die genügend Ältere im Betrieb haben.