Erstellt am 10. Juli 2014, 01:09

Argentinien im WM-Finale gegen Deutschland. Argentinien steht zum ersten Mal seit 1990 im Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der zweifache Titelträger setzte sich im Halbfinale gegen die Niederlande am Mittwoch in Sao Paulo nach torlosen 120 Minuten mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Im Endspiel trifft die "Albiceleste" nun am Sonntag im Maracana von Rio de Janeiro auf Deutschland, bereits Gegner vor 24 Jahren.

Argentiniens Torhüter Sergio Romero parierte in der Entscheidung die Elfer von Ron Vlaar und Wesley Sneijder, während bei den Südamerikanern um ihren Superstar Lionel Messi alle Schützen trafen. Für das Elferschießen hatte sich Bondscoach Louis van Gaal keine Auswechslung aufgehoben. Den Schachzug mit Tim Krul konnte er nach bereits drei getätigten Wechseln nicht mehr bringen.

Die Niederlande, vor vier Jahren in Südafrika noch im Finale, bestreiten am Samstag das Spiel um Platz drei in Brasilia gegen Brasilien. Für Argentinien ergibt sich die Chance zur Revanche für Italien 1990. Damals siegte Deutschland mit 1:0.

Nach dem deutschen Torfestival gegen den Gastgeber am Tag zuvor bot die Partie in der Arena Corinthians deutlich weniger Spektakel. Nach einer Schweigeminute für den Montag verstorbenen Alfredo di Stefano griffen die taktischen Systeme schnell. Fehler sollten tunlichst vermieden werden, bedachtes Aufbauspiel stand auf dem Programm. Die Offensivstars Arjen Robben und Robin van Persie auf der einen sowie Messi und Gonzalo Higuain auf der anderen Seite kamen kaum ins Spiel.

Bei den Niederländern kehrte Mittelfeldmann Nigel de Jong eineinhalb Wochen nach seiner Leistenverletzung überraschend in die Start-Elf zurück. "Der Geist ist stärker als der Körper", sagte Van Gaal vor der Partie, die das 750. Länderspiel in der niederländischen Fußball-Geschichte bedeutete. Der als Raubein bekannte De Jong war bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde vorrangig damit beschäftigt, die Kreise von Messi einzuengen.

Im Vergleich zum Viertelfinale gegen Costa Rica saß bei den Niederlanden Memphis Depay stattdessen auf der Bank. Abwehrchef Ron Vlaar lief wie der vor dem Spiel ebenso fragliche Kapitän Van Persie ein. Bei Argentinien vertrat Enzo Perez den verletzten Angel di Maria, mit dabei war wieder der gegen Belgien gesperrte Außenverteidiger Marcos Rojo.

Höhepunkt der ersten Spielhälfte war bezeichnenderweise eine Standardsituation. Ein Freistoß von Messi aus guter Position landete in den Händen von Oranje-Keeper Jasper Cillessen (15.). Es war einer von nur vier Schüssen in Richtung gegnerisches Gehäuse in den ersten 45 Minuten von beiden Seiten.

Größere Probleme als der auf Schritt und Tritt bewachte Superstar des FC Barcelona machte den Niederländern der quirlige Ezequiel Lavezzi. Eine Hereingabe des Flügelstürmers konnte der umsichtige Vlaar noch vor dem einschussbereiten Higuain klären (36.). Aufseiten der Niederländer kam der bisher überragende Robben auf gezählte sechs Ballkontakte in Hälfte eins.

Van Gaal holte zur Pause den schon verwarnten Bruno Martins Indi vom Feld. Bei einsetzendem Regen wurde das Niveau des Spiels nicht besser, selbst Freistöße gingen ins Leere. Argentiniens Fans riss es einmal von den Sitzen. Ein vermeintlicher Treffer von Higuain war jedoch nur ein Schuss ins Außennetz, der Napoli-Stürmer darüber hinaus im Abseits (75.). Robben hätte in der Nachspielzeit dann fast die Entscheidung herbeigeführt. Nach schönem Doppelpass mit Wesley Sneijder war Javier Mascherano gerade noch mit der Fußspitze zur Stelle.

Zum zweiten Mal in der WM-Geschichte nach Deutschland gegen Italien 2006 ging es in einem Halbfinale beim Stand von 0:0 in die Verlängerung. Bei beiden Seiten standen mit Sergio Aguero (für Higuain) und Klaas-Jan Huntelaar (für Van Persie) neue Offensivstars am Feld, am Charakter der Partie änderte dies nichts. Argentinien kam noch einmal gefährlich vor das Tor, ein Kopfball des ebenfalls eingetauschten Rodrigo Palacio fiel aber viel zu schwach aus (115.). Nach 120 Minuten taktischem Geplänkel ging es ins Elferschießen.