Erstellt am 01. September 2015, 09:55

von APA/Red

3.650 Flüchtlinge erreichten Wiener Westbahnhof. 3.650 Flüchtlinge sind alleine am Montag aus Ungarn kommend am Westbahnhof eingetroffen. Lediglich sechs Afghanen hätten einen Asylantrag gestellt, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer Dienstagfrüh.

 |  NOEN, APA (Schlager)

Der Rest sei bereits in Zügen Richtung Salzburg und Deutschland weitergereist. Unterdessen haben 1.500 bis 2.000 Flüchtlinge die Nacht auf Dienstag am Salzburger Hauptbahnhof verbracht.

Ungarn hindert Flüchtlinge seit Montagfrüh nicht mehr an der Ausreise. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) kritisierte dafür den ungarischen Regierungschef Viktor Orban im ORF-"Sommergespräch" am Montagabend scharf. Allerdings lässt auch Österreich die Menschen einfach weiterreisen, wenn sie nicht um Asyl ansuchen. Eine "lückenlose" Kontrolle sei derzeit nicht möglich, hatte Polizeisprecher Roman Hahslinger zuvor erklärt.

Caritas versorgte Flüchtlinge mit Lebensmittel

Die Caritas versorgte die kurzzeitig in Österreich gestrandeten Flüchtlinge mit Lebensmitteln. So wurden zwei mobile Suppenbusse (Canisibusse) bereitgestellt. Viele Privatpersonen spendeten Hygieneartikeln. Bodmann zeigte sich vom "unheimlichen Engagement" der Bevölkerung erfreut. Durch die Solidarität und Hilfsbereitschaft sei ein "deutliches Zeichen" gesetzt worden. Die Zusammenarbeit zwischen Caritas, ÖBB und Zivilgesellschaft habe einwandfrei funktioniert.

1.500 bis 2.000 Flüchtlinge verbrachten derweil die Nacht auf Dienstag - zumindest mehrere Stunden - am Salzburger Hauptbahnhof. Inzwischen seien aber alle nach Deutschland weitergereist, sagte Polizei-Sprecherin Valerie Hillebrand am Dienstagvormittag. Gröbere Zwischenfälle hat es ihren Angaben zufolge keine gegeben.

ÖBB hielt Bahnhof für Flüchtlinge offen

Im Lauf des Abends hatten die ersten Flüchtlinge, darunter viele Familien mit Kindern, die Mozartstadt erreicht, etliche weitere Züge folgten, schilderte Hillebrand. Da es in den Nachtstunden keinen Anschluss mehr nach Deutschland gab, mussten die Menschen die Nacht am Bahnhof verbringen. Die ÖBB hielt deshalb extra den Bahnhof offen, wie Konzernsprecher Michael Braun erklärte.

Das Rote Kreuz und die ÖBB betreuten die Migranten, verabreichten Getränke, Obst, Decken und Hygieneartikel, schilderte ein Sprecher der Salzburger Integrations-Landesrätin Martina Berthold (Grüne), die selbst die Nacht am Bahnhof verbracht hat. Auch der stellvertretende Landespolizeidirektor Burghard Vouk war anwesend. Aber auch viele Privatpersonen leisteten Unterstützung.

Zu Turbulenzen kam es laut Hillebrand allerdings, als in den frühen Morgenstunden der erste Zug Richtung Deutschland einfuhr, weil alle Flüchtlinge hineindrängten. Übersetzte Lautsprecher-Durchsagen, dass schon bald weitere Züge kommen werden, beruhigten die Situation schließlich. Sämtliche Flüchtlinge haben Salzburg inzwischen wieder verlassen. Unklar ist allerdings, wie es weitergeht. Berthold wird sich deshalb heute mit Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) beraten.

Bayern schickt Flüchtlinge nicht nach Ungarn zurück

Nach der Einreise Hunderter Flüchtlinge aus Ungarn über Österreich hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann unterdessen zugesichert, diese nicht dorthin zurückzuschicken. Die Neuankömmlinge würden in Bayern registriert und in die Aufnahmeeinrichtungen gebracht, sagte Herrmann am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Das sei "selbstverständlich".

Er wisse bisher nicht, warum Ungarn plötzlich den in Budapest wartenden Migranten die freie Weiterfahrt nach Deutschland erlaubt habe. Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere und er seien bemüht, rasch von Ungarn zu erfahren, wie es in den nächsten Tagen weitergehen solle.

Laut dem Dublin-System ist eigentlich dasjenige EU-Land für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Bearbeitung ihrer Asylanträge zuständig, in dem sie erstmals die Europäische Union betraten. Angesichts des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen lassen Italien, Griechenland und Ungarn, wo die meisten Flüchtlinge in die EU gelangen, die Migranten aber inzwischen weitgehend unkontrolliert weiterreisen.