Erstellt am 10. Februar 2015, 13:13

von APA/Red

Mikl-Leitner reist nach Kosovo und Serbien. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) reist angesichts der steigenden Asyl-Anträge von Flüchtlingen aus dem Kosovo in die Region.

Es sei notwendig, vor Ort mit den Verantwortungsträgern offen zu reden, "damit wir diese für ganz Europa inakzeptable Situation in den Griff bekommen und stoppen", meinte die Ressortchefin. Ihre Visite wird sie auch nach Serbien und Montenegro führen.

Anlass für die Initiative sind die aktuellen Asyl-Zahlen. Im gesamten Jahr 2014 wurden 1.901 Anträge von Kosovaren gestellt. Alleine im Jänner 2015 waren es 1.029 entsprechende Ansuchen und der Trend geht ungebrochen weiter. Alleine in der ersten Februar-Woche kamen 558 Asylanträge von Bürgern des Kosovo. Das entspricht laut Innenressort einer Steigerung zum Wochenschnitt des Vorjahrs um 1.550 Prozent.

Für Mikl-Leitner braucht es nun eine ganze Reihe von Maßnahmen, um diese "Massenauswanderung" zu stoppen. Dazu gehören die von ihr seit einiger Zeit propagierten Schnellverfahren für Flüchtlinge aus "sicheren Herkunftsstaaten" ebenso wie "massive Gegenmaßnahmen vor Ort". Erste Gelegenheit diese zu besprechen gibt es bereits am Donnerstag, wenn Kosovos Innenminister Skender Hyseni in Wien mit Mikl-Leitner zusammentrifft.

Bereits sechs Prozent der Bevölkerung verloren

Die Landesflucht aus dem Kosovo nimmt trotz verstärkter Kontrollen an der serbisch-ungarischen Grenze kein Ende. Den Busbahnhof von Prishtina haben laut Medienberichten in der kosovarischen Hauptstadt auch in letzter Nacht zahlreiche Busse Richtung Serbien verlassen. Es dürfte sich um 800 bis 1.000 Personen handeln, errechneten lokale Medien.

Kosovarische Demografen warnen unterdessen, dass der jüngste Staat Europas bereits etwa sechs Prozent seiner Bevölkerung verloren habe. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Den Annahmen zufolge haben seit Anfang Dezember etwa 50.000 Bürger das Land verlassen. Einzelnen Medien zufolge soll der Fluchtweg neuerdings auch über Albanien und von dort Richtung Montenegro führen. Allerdings soll es dabei um Bürger gehen, die mit eigenem Wagen unterwegs sind. Auch dürfte es sich dabei mehrheitlich um Einwohner der grenznahen Stadt Prizren handeln. Einigen früheren Medienberichten zufolge hätten städtische Schulen bereits einen Rückgang der Schülerzahlen registriert.

Der Kosovo hatte sich 1999 im Zuge eines blutigen Konflikts unter Beteiligung der NATO von Serbien abgespalten. Im Jahr 2008 erklärte Pristina seine Unabhängigkeit, die jedoch bis heute von Belgrad nicht anerkannt wird. Der Kleinstaat zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Etwa 40 Prozent der 1,8 Millionen Einwohner leben in Armut.